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Verschollen in der Pastorengrät

Blick in die sogenannte "Pastorengrät" bei Gisingen; hier fand 1857 der Itzbacher Pastor Hubert Hoffmann den Tod.
Blick in die sogenannte "Pastorengrät" bei Gisingen; hier fand 1857 der Itzbacher Pastor Hubert Hoffmann den Tod.
Gisingen. "Passen Sie auf", mahnt Wolfgang Kremer vom sicheren Waldweg nahe dem Golfplatz herüber. Immer steiler wird es abseits des Weges, bis das Gelände in einen Hang übergeht und um die 15 Meter zum Grund, der so genannten Pastorengrät, abfällt. Ein tiefer Einschnitt im Gestein, den Wasser über lange Zeit in den Untergrund gegraben hat Von SZ-Mitarbeiter Johannes A. Bodwing

Gisingen. "Passen Sie auf", mahnt Wolfgang Kremer vom sicheren Waldweg nahe dem Golfplatz herüber. Immer steiler wird es abseits des Weges, bis das Gelände in einen Hang übergeht und um die 15 Meter zum Grund, der so genannten Pastorengrät, abfällt. Ein tiefer Einschnitt im Gestein, den Wasser über lange Zeit in den Untergrund gegraben hat.Suche nach Pastor Hoffmann Das tödliche Ereignis, das sich hier zutrug, klingt ein wenig nach bayerischer Heimatgeschichte. Doch passiert ist es nicht weit vom Gisinger Ortsrand, im September 1857. "Spät abends kam Hoffmann hier durch den Wald und wollte weiter nach Itzbach", berichtet Kremer. Hubert Hoffmann war vor 152 Jahren Pastor von Itzbach und in Richtung Siersburg auf dem Heimweg zu seinem Pfarrhaus. Doch er kam nicht lebend an. "Mit eingedrücktem Hirnschädel hat man ihn am Grund der Grät gefunden", weiß Kremer. Eine Suchmannschaft hatte die Leiche des Pastors erst am nächsten Morgen dort entdeckt. Die Bezeichnung Pastorengrät erinnert an den Itzbacher Pfarrer und ist eine von mehreren Kerbtälern am Rand von Gisingen. Sie schneidet tief in den oberen Buntsandstein und legt dessen Schichten frei. Seit Kurzem ist sie eines von drei Naturdenkmälern in Gisingen. Das andere ragt einige hundert Meter weiter westlich aus dem Waldboden auf. "Das ist die Grott", erklärt Kremer zu den mächtigen grauen Gesteinswänden. Das bröselige Material aus Kalkstein sei ähnlich wie das Gestein am Sudelfels bei Ihn entstanden. Dabei löst sich Kalk aus dem Wasser des Lehrborns, der aus höher liegendem Muschelkalk in Richtung Itzbach fließt.Poröse AblagerungenDieser Prozess findet über lange Zeiträume statt, in denen auch Moose und Algen verkrusten. Das Ergebnis ist schließlich poröser Kalktuff. "Der Name Grott kommt vermutlich von einer Mariengrotte, die es hier einmal gegeben hat", so Kremer. Bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts gab es dort auch eine kleine Tropfsteinhöhle. Doch dann brach die Decke ein und hinterließ nur noch die gewaltigen grauen Blöcke. Wie sich Kalktuff bildet, ist heute noch am Leitersteiner Born zu sehen, dem dritten Naturdenkmal nahe dem Waldrand bei Gisingen. Dort fließt das kalkhaltige Wasser seit Jahrtausenden über Steine, Pflanzen und Blätter und umhüllt sie mit Kalkkrusten. Daraus wurde mit der Zeit eine treppenartige Struktur am Wegesrand.



Dicke Kalktuff-Blöcke türmen sich an der "Grott" bei Gisingen auf (links). Eine Kalktufftreppe bilden die Ablagerungen am Leitersteiner Born. Fotos: Johannes A. Bodwing
Dicke Kalktuff-Blöcke türmen sich an der "Grott" bei Gisingen auf (links). Eine Kalktufftreppe bilden die Ablagerungen am Leitersteiner Born. Fotos: Johannes A. Bodwing
Natur 1 - Blick in die sogenannte "Pastorengrät" bei Gisingen; hier fand 1857 der Itzbacher Pastor Hubert Hoffmann den Tod - azNatur 2+3 - Kalktufftreppe am Leitersteiner Born bei Gisingen - az  Natur 4+5 - dicke Kalktuff-Blöcke der "Grott" bei Gisingen - az
Natur 1 - Blick in die sogenannte "Pastorengrät" bei Gisingen; hier fand 1857 der Itzbacher Pastor Hubert Hoffmann den Tod - azNatur 2+3 - Kalktufftreppe am Leitersteiner Born bei Gisingen - az Natur 4+5 - dicke Kalktuff-Blöcke der "Grott" bei Gisingen - az