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Bademeister fehlt
Freibad Wallerfangen kämpft gegen Personalmangel

Seit rund 50 Jahren können sich Badegäste in den Sommermonaten auf einen Besuch im Freibad Wallerfangen freuen. Doch jetzt gibt es nur noch verkürzte Badezeiten. Denn es fehlt ein Bademeister.
Seit rund 50 Jahren können sich Badegäste in den Sommermonaten auf einen Besuch im Freibad Wallerfangen freuen. Doch jetzt gibt es nur noch verkürzte Badezeiten. Denn es fehlt ein Bademeister. FOTO: Jörg Laux
Wallerfangen . Es sind nicht nur die Kosten, die es Kommunen schwer machen, den Badebetrieb aufrecht zu erhalten. Oft fehlt es auch an qualifiziertem Personal. Das Freibad Wallerfangen zum Beispiel musste deshalb seine Öffnungszeiten verkürzen. Von Jörg Laux

Die 50 Jahre, die das Wallerfanger Freibad auf dem Buckel hat, sieht man ihm nicht an. Es ist bestens ausgestattet mit 50-Meter-Sportbecken, Sprungbecken, Mehrzweckbecken und sogar einem Dampfbad. Für die Kleinen gibt es ein Planschbecken und einen Matschbach. Das Bad ist außerdem komplett barrierefrei – dazu gehört auch ein mobiler Beckenaufzug für Rollstuhlfahrer.


Noch in der vergangenen Saison war das Bad an vier Tagen in der Woche von sieben bis 19 Uhr geöffnet, von Samstag bis Montag von neun bis 20 Uhr. Doch gerade in diesem Jahr, mit einem Super-Freibadsommer, mussten die Öffnungszeiten in den Ferien auf zehn bis 20 Uhr verkürzt werden. Außerhalb der Ferien schließt das Bad schon um 19 Uhr. Der Grund: Es fehlt ein Bademeister.

Derzeit schmeißt Christian Straßburger als einziger Bademeister den Laden. Und was wäre, wenn er plötzlich krank würde? „Dann müssten wir das Bad schließen“, sagt Bürgermeister Günter Zahn. Denn an einer Vertretung mangelt es. Hilfe von Seiten der DLRG gibt es keine, seit 2013 gibt es in Wallerfangen keinen Ortsverein mehr. Immerhin vertritt ein Kollege aus Saarlouis den Wallerfanger Bademeister, damit er wenigstens einen Tag in der Woche frei hat.



Das kann kein Dauerzustand sein. Und so hat sich die Gemeinde in den vergangenen Monaten bemüht, die Situation für die Zukunft zu entspannen: Zum einen hat Straßburger seit Anfang August einen Bademeister-Azubi an seiner Seite. „Der Markt gibt es nicht her, also bilden wir unsere Bademeister selbst aus“, erklärt Straßburger. Zum zweiten hat die Gemeinde für die Saison 2019 trotz akutem Mangel auf dem Arbeitsmarkt einen weiteren Bademeister unter Vertrag nehmen können; so wird nicht nur Straßburger entlastet, sondern auch die Öffnungszeiten können dann wieder verlängert werden.

Trotz der gestrafften Badezeiten habe man diesen Sommer einen Besucherandrang erlebt: Weit über 50 000 Badegäste hatte das Bad schon bis Anfang August. Zum Vergleich: 2017 waren es insgesamt 36 798.Vor allem im August, wenn in Frankreich Schulferien sind, nutzten viele Familien das Freibad-Angebot im benachbarten Saarland.

Rekordbesucherzahlen wirken sich positiv auf die Bilanz aus. Reparaturen, Wartung, Sanierung und Betrieb kosten die Kommune zwischen 150 000 und über 300 000 Euro im Jahr, betont Verwaltungschef Zahn. In diesem Jahr liege man eher am unteren Kostenende. Dennoch stehen solche sogenannten freiwilligen Leistungen wie Freibäder auch bei der Finanzaufsicht der Kommunen, dem Landesverwaltungsamt (Lava) in Saarbrücken, immer auf dem Prüfstand. Geraten die kommunalen Finanzen zu sehr in Schieflage, sind es in der Regel die Freibäder und deren Unterhaltskosten, die ganz oben auf der Sparliste stehen. Auch Wallerfangen müsse „immer wieder kämpfen“, betont Zahn.

Dennoch blieb in dieser Saison Raum für einen kostenlosen Shuttlebus während der Ferien, den die Gemeinde gemeinsam mit den Kreisverkehrsbetrieben Saarlouis anbot (die SZ berichtete). Der Bus sammelte täglich morgens Badegäste innerhalb der Gemeinde ein und abends ging die Fahrt wieder zurück. Nach einer einwöchigen Testphase war schnell klar, dass bei der großen Nachfrage der Schwimmbadbus in den gesamten Sommerferien unterwegs sein sollte. Und auch im nächsten Jahr soll der Bus wieder fahren, kündigt Zahn jetzt schon an.