Veränderungen als Chance begreifen

Veränderungen als Chance begreifen

Saarlouis. Bei Wikipedia gibt es seine Biografie auch auf luxemburgisch. Kein Wunder: Ranga Yogeshwar ist im Nachbarland geboren. Der Vater indischer Ingenieur, die Mutter luxemburgische Kunsthistorikerin. Und einer der Großväter war Chef bei Arbed Burbach. Der aus dem Fernsehen bekannte Wissenschaftsjournalist war jetzt Gast beim Wirtschaftsforum der Kreissparkasse Saarlouis (KSK)

Saarlouis. Bei Wikipedia gibt es seine Biografie auch auf luxemburgisch. Kein Wunder: Ranga Yogeshwar ist im Nachbarland geboren. Der Vater indischer Ingenieur, die Mutter luxemburgische Kunsthistorikerin. Und einer der Großväter war Chef bei Arbed Burbach. Der aus dem Fernsehen bekannte Wissenschaftsjournalist war jetzt Gast beim Wirtschaftsforum der Kreissparkasse Saarlouis (KSK).

Von Elstner und Pütz entdeckt

Hinter Ranga Yogeshwars einleitendem Hinweis auf seine Wurzeln in der Region steckte mehr als nur die Darstellung landsmannschaftlicher Nähe. Er zeigte auch, was aus einem wortgewandten Physikstudenten werden kann, wenn luxemburgische TV-Größen wie Jean Pütz und Frank Elstner sein Talent entdecken.

Wissenschaft und mit ihr Zusammenhängendes anschaulich zu erklären - das ist die Aufgabe, der Yogeshwar sich immer wieder aufs Neue stellt. In Saarlouis macht er anhand historischer Gemälde zunächst klar, wie schnell die Menschheit von der betrachtenden zur gestaltenden Wissenschaft gelangt ist - eine Entwicklung, die sich vom Mittelalter bis zur Neuzeit immens beschleunigt hat und heute in ihren Ergebnissen geradezu exponentiell wächst. Was die Gesellschaften - Yogeshwar spricht hierbei von "Scharnierzeiten" - verändert hat und auch die heutige verändern wird.

Die Energiewende ist für den Physiker eine "Generationenaufgabe", zwar teuer, aber unverzichtbar. Fortschritt für alle: eine Frage auch von "unfairer Verteilung der Vermögen". Sozial gerechter Zugang zu Bildung: für den werteorientierten Vater von vier Kindern ist sie der passende "Schlüssel zu einer Gesellschaft, die fairer aufgebaut ist". Zuletzt die Frage der individuellen Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter: für Yogeshwar ein Problem zwischen Transparenz und "digitaler Inquisition".

Auf seinen Reisen zwischen Europa und Asien hat Yogeshwar erlebt, wie die neue Welt wirtschaftlich immer stärker wird. "In Deutschland ist es so schön gemütlich. Aber in Südkorea, Indien und China brummt der Bär." Wachstum sei zwar nicht alles, dennoch müssten sich gerade Deutschland und Europa den Herausforderungen stellen.

In der Massenproduktion von Gütern sei wirtschaftlich kaum mitzuhalten. Deshalb gelte es, auf qualitatives Wachstum zu setzen und kreative Potenziale zu fördern, wo es nur geht.

Die Welt im Vakuum

Weil die Zeit eilt, sieht der Physiker die alte Welt in einem "Vakuum, das nicht zu lange andauern darf." Jede Veränderung berge auch Chancen. "Die müssen wir anpacken. Und wir müssen gemeinsam unsere Werte neu definieren."

Transparenz oder digitale Inquisition? Die Macht der neuen Medien war einer der zahlreichen Aspekte, die Ranga Yogeshwar bei seinem Vortrag "Nächste Ausfahrt - Zukunft" in Saarlouis kritisch unter die Lupe nahm. Foto: Harald Kiefer/KSK.

Der lang anhaltende Beifall und viele Fragen, denen sich der Sympathieträger Ranga Yogeshwar anschließend gerne stellte, bestätigten der Kreissparkasse erneut eine gute Hand bei der Wahl des Referenten. red