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Kultur entdecken
Wo Geschichte heute noch sichtbar ist

Die Oranna-Kapelle in Berus ist ein Ziel beim Tag des offenen Denkmals.
Die Oranna-Kapelle in Berus ist ein Ziel beim Tag des offenen Denkmals. FOTO: Alfred Schmitt
Kreis Saarlouis. Beim Tag des offenen Denkmals im Kreis Saarlouis steht unter anderem der Grenzblickweg in Leidingen auf dem Programm. red

Der Tag des offenen Denkmals im Landkreis Saarlouis lädt am Sonntag, 9. September, zum Entdecken ein: Unter dem Motto: „Entdecken, was uns verbindet“ bietet der Landkreis an vier Orten kostenlose Führungen an.


Im Historischen Museum Wallerfangen ist die Geschichte, die viele Saarländer miteinander verbindet, zu sehen: Um 11 und 15.30 Uhr wird Peter Winter (Landrat a. D. des Kreises Saarlouis) im Historischen Museum Wallerfangen je eine Stunde lang die gemeinsame Geschichte unserer Region vorstellen. Denn längst nicht alle Saarländer wissen, dass viele Mitglieder der Bevölkerung über 500 Jahre lang Lothringer waren.

Helmut Grein bietet um 13 Uhr eine einstündige Führung auf den Grenzblickweg in Leidingen. Der Bann der Gemeinde Leidingen wurde in Folge des Zweiten Pariser Friedens von 1815 in einen französischen und in einen deutschen Teil getrennt. Die Grenze verläuft auf der die beiden Orte Leiding und Leidingen trennenden Straße, der neutralen Straße. Die Bewohner des französischen Teils besuchten bis in die 1930er Jahre die katholische Kirche auf deutscher Seite, bis in dem kleinen Leiding für die wenigen Bewohner eine eigene Kirche gebaut wurde. Beide Orte verbinden familiäre Beziehungen und eine gemeinsame Bautradition. Grenze, Kirchen und Geschichte bieten einen interessanten Blick in den Mikrokosmos der deutsch-französischen Beziehungen in den vergangenen etwas mehr als 200 Jahren. Treffpunkt ist die Rue de la Frontière, Abzweigung Ihner Straße.



Das Haus Saargau ist ein typisches Lothringer Bauernhaus, ein Haustyp, der sowohl in Lothringen als auch im westlichen Saarland verbreitet ist. Somit verbindet seine Architektur die Orte beiderseits der deutsch-französischen Grenze. In dem landwirtschaftlich genutzten Einhaus lebten Mensch und Tier unter einem Dach zusammen. Liebevoll renoviert steht das aus dem 18. Jahrhundert stammende Haus Gästen seit 1998 offen. Es hat sich zu einem Kulturort an der deutsch-französischen Grenze entwickelt. Am 9. September feiert das Haus, das in Trägerschaft des Landkreises Saarlouis steht, sein 20-jähriges Bestehen. Erkunden können Besucher es im Rahmen einer einstündigen Führung von Helmut Grein um 11.30 Uhr, Treffpunkt ist die Adresse Zum Scheidberg 11.

Um 10 und um 14 Uhr führt Barbara Ames-Adler in Berus zur Oranna-Kapelle und zum Europa-Denkmal. Die Heilige Oranna gilt als Schutzpatronin des saarländisch-lothringischen Grenzraumes. In der Oranna-Kapelle, ehemals Pfarrkirche des im 30-jährigen Krieg untergegangenen Dorfes Eschweiler, werden ihre und die Gebeine ihrer Gefährtin Cyrilla verehrt. Die vielbesuchte Wallfahrtskapelle steht nahe der deutsch-französischen Grenze zwischen Berus und Berwiller-en-Moselle. Nicht weit entfernt steht das Europa-Denkmal, symbolhaft an der Stelle des 1934/35 errichteten und bei Kriegsbeginn gesprengten Hindenburg-Turms. 1970 eingeweiht, ist das Denkmal Zeichen für die deutsch-französische Aussöhnung und die europäische Einigung. Schrifttafeln erinnern an das Wirken der Großen Europäer Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi. Von der Aussichtsplattform bietet sich dem Besucher ein weiter Blick ins Saartal und ins benachbarte Frankreich. Treffpunkt ist vor der St. Oranna-Kapelle in Berus.

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals bei Guisy Vella, Amt für Schulen, Kultur und Sport des Landkreis Saarlouis, Tel. (0 68 31) 44 43 20.

In Leidingen gibt es eine Führung.
In Leidingen gibt es eine Führung. FOTO: Helmut Grein