| 20:04 Uhr

Vor Jahr und Tag
Gut aufgehoben im Sophienstübchen

Vor einem Jahr berichtete die SZ über die Eröffnung des „Sophienstübchens“ für demenzkranke Patienten am St. Nikolaus-Hospital in Wallerfangen.
Vor einem Jahr berichtete die SZ über die Eröffnung des „Sophienstübchens“ für demenzkranke Patienten am St. Nikolaus-Hospital in Wallerfangen. FOTO: SZ
Wallerfangen. Fazit nach einem Jahr: Positive Erfahrungen mit dem „Raum der Entlastung“ am Wallerfanger St. Nikolaus-Hospital. Von Carolin Merkel

Ende 2016 hat das Wallerfanger St. Nikolaus-Hospital in seiner geriatrischen Klinik das „Sophienstübchen“ eingerichtet. Damals noch ganz frisch, gewährte Astrid Krächan, Fachaltenpflegerin und Mitinitiatorin des Angebotes speziell für demente Patienten, Einblick in die Räume. Denn gerade Patienten mit Demenz hätten oftmals Angst vor dem, was ihnen alles in einer Klinik begegnet.


Abhilfe geschaffen hat die Geriatrie Wallerfangen mit diesem speziellen Angebot im stationären Bereich. Gut besucht zeigte sich das Stübchen, das mit großem Esstisch, gemütlichen Sitzgelegenheiten und einer Küche zum Verweilen einlädt, bereits bei unserem ersten Besuch. Ein gemeinsames Frühstück, danach die Zeitungslektüre, später das Mittagessen und eine kleine Ruhepause – im Sophienstübchen ist der Alltag entspannt und fast so wie zu Hause. Der „Raum der Entlastung“, wie ihn Verwaltungsdirektorin Anette Fritz nennt, kommt auch rund ein Jahr nach der Einführung sehr gut bei Patienten, aber auch Angehörigen und dem Personal an. Besonders stolz ist die Leitung über die Auszeichnung mit dem Friederike-Fliedner-Pflegepreis im Februar 2017. „Das Sophienstübchen ist ein Alleinstellungsmerkmal, um das uns viele Kliniken beneiden“, sagt Fritz. Während auf den Stationen die Patienten mit Demenz oft Unruhe zeigten und auch weglaufen wollten, was das Pflegepersonal zusätzlich belastet, komme dies im Stübchen im Erdgeschoss fast gar nicht vor. „Unruhe, Schreien und Rufen, auch Hin- und Weglaufen, all das begegnet dem Personal im Sophienstübchen so gut wie gar nicht“, sagt Fritz.

Im Gegenteil würden Ängste rasch abgebaut, die Konzentration gesteigert, die Stimmungslage der Patienten verbessert. Sehr wichtig, erklärt Fachaltenpflegerin Krächan, sind Rituale, die den Alltag im Sophienstübchen bestimmen. Bereits die gemeinsamen Mahlzeiten gewährleisteten ganz nebenbei, dass die Patienten genügend essen und trinken. „Wir freuen uns immer, wenn Angehörige dazukommen. Die sind meist begeistert, wenn sie sehen, welche Ressourcen noch in ihren Angehörigen stecken“, erzählt Fritz. Oft wird die Klinik angesprochen, ob die Patienten nicht auch nach der Entlassung weiter kommen dürfen. „Das ist nicht möglich. Aber wir verweisen auf unsere Tagespflege im Altenheim. Hier konnten wir das Konzept mittlerweile ebenfalls etablieren“, sagt die Verwaltungsdirektorin. Einige Probleme in der Kommunikation an den Schnittstellen zwischen Pflegepersonal, Ärzten und Therapeuten gelte es noch zu bearbeiten, insgesamt habe sich das Sophienstübchen aber sehr positiv entwickelt. Einzig die Personalisierung stelle weiterhin eine besondere Herausforderung dar. Im Mai ist eine Evaluation im Klinikbereich vorgesehen.