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Sein Herz blieb in Saarlouis

Thomas de Choisy hat das Bild der Festung Saarlouis stark mitgeprägt. Foto: SZ
Thomas de Choisy hat das Bild der Festung Saarlouis stark mitgeprägt. Foto: SZ
Herr Balzer, was bedeutete Thomas de Choisy für Saarlouis?Balzer: Er war der Organisator der Stadt. Choisy hat dafür gesorgt und gezeigt, dass das neu gebaute Saarlouis eine lebensfähige Bürger- und Garnisonsstadt war. Man müsste ihn viel mehr ehren.Man redet viel über Vauban als berühmten Stadtgründer, aber selten über Choisy

Herr Balzer, was bedeutete Thomas de Choisy für Saarlouis?


Balzer: Er war der Organisator der Stadt. Choisy hat dafür gesorgt und gezeigt, dass das neu gebaute Saarlouis eine lebensfähige Bürger- und Garnisonsstadt war. Man müsste ihn viel mehr ehren.

Man redet viel über Vauban als berühmten Stadtgründer, aber selten über Choisy.



Balzer: Choisy hat 1679 im Auftrag König Ludwig XIV. die Saargegend inspiziert und einen Platz im Saarbogen, gegenüber der Abtei Fraulautern, als Platz für eine Festung ausgekundschaftet. Es sollte eine Überschwemmungsfestung werden. Dann kam Vauban und verlegte den Platz um 1000 Meter Richtung Wallerfangen. Denn Vauban sah, dass eine ganz von Wasser eingeschlossene Festung ziemlich nutzlos gewesen wäre. Deswegen wählte er den heutigen Platz. Die Lage dort, fester Boden, ermöglichte, die Festung an einer Seite offen zu halten. Dort, Richtung Beaumarais, hat er die ersten Bastionen hingesetzt. Sie waren etwas höher als die anderen. So konnte die Garnison im Belagerungsfall ausrücken. Gleichzeitig war der Feind an diese eine Stelle gebunden, wenn er die Festung nehmen wollte.

Choisy hat dann den Vauban- Plan umgesetzt. Hat er auch eigene Akzente gesetzt?

Balzer: Ja. Er hat zum Beispiel Kasernen, die Vauban im Winkel gesetzt hatte, gerade gebaut. Er hat die von Vauban vorgeschlagene Markthalle weggelassen, auch das Schlachthaus, und stattdessen die Metzger in der heutigen Schlächterstraße angesiedelt. Da, wo heute die Bäckerei Welling ist. Der Innenhof hat noch die alten Maße. Choisy hat viel für die Bürger von Wallerfangen getan, nachdem sie nach Saarlouis umgesiedelt wurden. Er hat ein Kloster für die Augustiner aus Wallerfangen gebaut. Und er hat den Wallerfangern zuliebe die neue Kirche nach Peter und Paul benannt, gemäß dem Patrozinium der alten Wallerfanger Kirche. Auf Wunsch von Ludwig XIV. erhielt sie auch noch das Patrozinium St. Ludwig. Und er hat, weil die Brunnen kein Trinkwasser hergaben, eine vier Kilometer lange Wasserleitung von Felsberg aus bauen lassen. Choisy ließ auch 3600 Linden pflanzen. Auch auf die Festungsmauern drauf.

Dann wäre es historisch falsch, die Festungsmauern heute wieder von Bewuchs freizulegen?

Balzer: Ja. Völlig verkehrt. Auf dem großen Markt standen diese Linden ursprünglich auch. Erst die Preußen haben sie im 19. Jahrhundert durch Platanen ersetzt.

Was wurde aus Choisy?

Balzer: Er starb am 26. Februar 1710 in Saarlouis. Seinem Testament entsprechend blieb sein Herz in Saarlouis. Es wurde in einer Kapsel eingeschlossen und in der Ludwigskirche eingemauert. Heute befindet sie sich rechts neben dem Hochaltar. Der Leichnam wurde nach Mogneville im Département Meuse überführt.

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Zur Person

Thomas de Choisy (1632 bis 26. 2. 1710), Festungsbauingenieur des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. Er realisierte unter anderem die Festung Saarlouis (ab 1680) für den Strategen und Festungsbaumeister Sébastien le Prestre de Vauban. we

Thomas de Choisy hat das Bild der Festung Saarlouis stark mitgeprägt. Foto: SZ
Thomas de Choisy hat das Bild der Festung Saarlouis stark mitgeprägt. Foto: SZ