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Abschied
„Man muss flexibel sein und kreativ“

 Herta Wölfl geht nun als Schulleiterin der Schule am Limberg Wallerfangen in den Ruhestand.
Herta Wölfl geht nun als Schulleiterin der Schule am Limberg Wallerfangen in den Ruhestand. FOTO: Thomas Seeber
Wallerfangen. Herta Wölfl, Schulleiterin der Gemeinschaftsschule am Limberg Wallerfangen, wird in den Ruhestand verabschiedet. Von Nicole Bastong

„Herrin der Lage“ steht auf dem Schild über ihrem Schreibtisch. Und das nimmt man Herta Wölfl, Schulleiterin der Schule am Limberg in Wallerfangen, durchaus ab: Sie hat alles im Griff. Am Donnerstag wird das Oberhaupt offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Dafür haben ihre 316 Schüler ein Programm vorbereitet, weiß sie: „Ich soll mich auf mindestens zwei Stunden einstellen, wurde mir gesagt. Ich lasse mich überraschen, und packe Taschentücher ein.“


Nach acht Jahren räumt Wölfl ihren Schreibtisch an der Gemeinschaftsschule Wallerfangen. Davor war sie sieben Jahre Konrektorin an der ERS Sonnenhügel in Völklingen. „Spät eingestiegen in den Schuldienst“ sei sie damals, 1981, zur Zeit der „Lehrer-Schwemme“, erzählt Wölfl, nach etlichen befristeten Verträgen. Unterrichtet hat sie unter anderem in Rehlingen, Beckingen, Theley, in ihrer Heimatstadt Merzig, auch in der Pfalz war sie. An Realschulen, Sekundarschulen, am Gymnasium und auch an der Grundschule. „Ich kenne das Schulsystem rauf und runter“, lacht die 65-Jährige. Mit der Familie, zwei Kindern, sei die Unsicherheit damals schwierig gewesen. Doch die Zeit der Wanderschaft sieht sie heute als Vorteil: „Das war total aufregend. Im Nachhinein war das sehr bereichernd, man hat über den Tellerrand geschaut. Man nimmt überall das Beste mit und nutzt das, wenn man selbst Schulleiter ist.“

Als Rektorin der Schule am Limberg hat Wölfl arbeitsreiche Jahre hinter sich: Sie hat 2011/12 den Wandel zur Gemeinschaftsschule begleitet, die Einführung der gymnasialen Oberstufe und der Inklusion; die Aufnahme vieler Flüchtlinge und die Erlasse des Ministerium zu Fahrten und Prüfungen umgesetzt und vieles mehr.



Die plötzliche Aufnahme von insgesamt über 30 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen habe die Schule „anfangs überrollt“, meint Wölfl, „die kamen ohne Sprachkenntnisse, ohne Ansprechpartner, teilweise traumatisiert – das war eine große Herausforderung.“ Viele seien nicht lange geblieben. „Aber einige machen jetzt auch ihren Abschluss bei uns“, sagt Wölfl, nicht ohne Stolz.

2016 wurde die Schule am Limberg vom Bildungsministerium evaluiert; Unterricht, Verwaltung, Raumsituation und Schulkultur wurden dabei bewertet — „mit gutem Ergebnis“, erinnert sich Wölfl. „Bei der Zufriedenheit mit der Schule hatten wir sogar einen einmalig guten Erfolg, das war auch für mich ein tolles Zeugnis, das hat gut getan“, gibt sie zu. Das gute Klima im Kollegium, in der Schule insgesamt, meint sie, „habe ich zum Teil so vorgefunden, aber auch erhalten und geformt“. Ihren Führungsstil beschreibt sie selbst, mit einem Augenzwinkern, als „sehr partnerschaftlich, aber auch autoritär – da, wo es nötig ist“.

Wölfl hinterlässt ein gut bestelltes Haus, mit stabiler Schülerzahl, fest im Ort verankert, gut saniert, sagt sie, „bis auf die alte Lehrküche ist alles in bester Ordnung“. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Schule, der gleichzeitig Träger der Nachmittagsbetreuung ist. „Medienschule“ ist die GemS Wallerfangen seit Herbst, „Schule ohne Rassismus“ folgt bald.

Das Schulleben sei „vielseitiger geworden, herausfordernder“, findet Wölfl. „Man muss flexibel sein und kreativ, und bereit, sich auf alles einzulassen.“ Ein Rat, den sie auch gerne dem nächsten Rektor mitgeben würde. Doch der oder die steht leider nicht fest, bedauert sie. „Meine Nachfolge ist von Seiten des Ministeriums noch nicht gesichert. Darüber bin ich etwas unglücklich.“

Unterrichtet hat Wölfl selbst Deutsch und Französisch, fachfremd auch Ethik, Religion und Bildende Kunst. Am Herzen liegen der Rektorin besonders die Schul-Partnerschaften mit Haiti und Bochnia/Polen. Nach Haiti will die Schulleiterin nun auch unbedingt einmal reisen und ihr Patenkind besuchen.

Im Ruhestand will die Lehrerin „ausschlafen, alles etwas gemütlicher angehen und reisen außerhalb der Ferien“. Mit Malen, Haus und Garten habe sie einiges zu tun, außerdem ist sie noch Vorsitzende der AWO in Besseringen: „Weniger Zeitdruck, darauf freue ich mich.“