Schuld war das viele Holz

Dieses Jahr werden die Krippe in Wallerfangen wohl keine Kinder mehr besuchen. Die Schadstoffbelastung ist zwar deutlich gesunken, aber Gemeinde und Träger Kinderland gGmbH wollen noch kein Risiko eingehen.

Die schlechte Nachricht: Die neue Krippe Kinderland Wallerfangen wird wohl erst 2015 den Betrieb wieder aufnehmen können. Die gute Nachricht: Die Konzentration der Schadstoffe in der Raumluft ist in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen.

In einer Pressekonferenz teilten gestern die Gemeindeverwaltung als Bauherr, Kinderland im Kreis Saarlouis GgmbH als Träger und das Gesundheitsamt Saarlouis Einzelheiten zu der Belastung mit gesundheitsgefährdenden Stoffen mit. Demnach ist die Konzentration der Schadstoffe um 50 bis 75 Prozent gesunken, erläuterte der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Wolfgang Schmitt. Damit liege sie zum Teil unter den Richtwerten. "Diese sind allerdings auf Erwachsene bezogen, und da die Einrichtung von kleinen Kindern besucht wird, gehen wir hier kein Risiko ein", ergänzte Bürgermeister Zahn. "Wir wollen erst wieder öffnen, wenn die Belastung gegen null geht."

Die Schadstoffe sind laut Schmitt "flüchtige chemische Verbindungen, Aldehyde, Terpine und andere, die sich summieren", und die sind weiterhin in der Raumluft nachweisbar. Sie stammen aus den natürlichen Baustoffen, also dem Holz , das verbaut worden ist. Da der Neubau fast nur aus Holz besteht, ist die Konzentration der Stoffe besonders hoch. Dabei wurden die Hölzer weder behandelt noch wurden minderwertige Baustoffe verwendet, "im Gegenteil", betont Thorsten Biehl vom Bauamt der Gemeinde.

Die nächste Messung ist für den 15. Dezember angesetzt; dann wird sich entscheiden, wann die Krippe wieder öffnen kann. Bis dahin werden weiterhin die Räume auf 30 Grad geheizt, gelüftet und befeuchtet. Diese Maßnahmen sollen die Ausgasung des Holzes beschleunigen.

Die Belastung machte sich in erster Linie durch einen unangenehmen Geruch bemerkbar, der den Erziehern auffiel. Reaktionen auf die Schadstoffe könnten zum Beispiel Augenreizungen und -rötungen sein, erklärte Schmitt. Beeinträchtigungen der Kinder und Erzieher seien nicht bekannt.

Offen bleibt, wer die Verantwortung für die Schließung trägt. Zahn räumte ein, dass die Kita zu schnell eröffnet worden sei. "Für uns war das der erste Bau dieser Art, und wir haben hier Lehrgeld bezahlt." Neben den Mehrkosten für den Energieaufwand hat die Gemeinde trotz der Schließung hohe Personalkosten. Zum Stichwort Regressforderungen sagte Zahn: "Wir werden natürlich mit dem Architekten in die Diskussion einsteigen und die Frage der Verantwortlichkeit klären." Der Geschäftsführer der Kinderland gGmbH, Ralf Weber, unterstrich, dass der Architekt den Auftrag für einen "funktionsfähigen Bau" hatte.

Meinung:

Skandalisierung ist ungerecht

Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Ein Schreck für Eltern: Schadstoffe in der Krippe! Aber es ist - zum Glück - kein Mensch zu Schaden gekommen. Und es ist auch weder etwas vertuscht noch beschönigt worden. Genau das prangert aber eine angebliche Elterninitiative in anonymen Briefen an. Das ist nicht nur stillos, sondern diese Skandalisierung ist auch ungerecht. Ausgerechnet die Kinderland gGmbH hat bisher nur durch sehr gute pädagogische Arbeit auf sich aufmerksam gemacht. Und die Gemeinde muss für ihren Fehler, zu schnell zu eröffnen, ohnehin teuer bezahlen.