Schülerakademie : Auf der Suche nach der Büroklammer

Hochbegabte junge Leute treffen sich zur Schülerakademie im Haus Sonnental in Wallerfangen.

Der Blick schwebt über die asphaltierte Fläche, die Augen blicken rechts und links, die Füße bewegen sich nur langsam über den Boden nach vorne. Wo ist sie? Wo ist die kleine, silberne Büroklammer, die irgendwo in dem Suchfeld liegt? In Bahnen läuft ein Schüler das Feld ab, sein Schulkamerad sucht das Feld diagonal ab, bis er sie findet. Dauer? Keine Minute, sie gehen taktisch vor. Ihre Suche filmt über ihnen eine Drohne ihres Mitschülers.

Um solche optimierten Suchmechanismen geht es im Kurs Biophysik, für den sich rund 14 Schüler der 21. Schülerakademie für Hochbegabte in Wallerfangen anmeldeten. Ihre Ergebnisse helfen ihnen zum Beispiel bei der Programmierung eines Mähroboters.

Mit dem Bau eines stabilen Trägers in Form einer Brücke beschäftigen sich wiederum die Schüler im Kurs Materialwissenschaften. Die Voraussetzungen: Der Träger muss 50 Zentimeter lang und 20 Zentimeter breit sein, unter einem Kilo wiegen und darf sich – stellen sich zwei Menschen darauf – nur um wenige Millimeter nach unten beugen. Sie haben nur einen Versuch, um das Experiment zu meistern, gebaut werden soll der Träger aus mit Harz verdickten Glasfasern.

Keine leichte Angelegenheit, die Aufgaben stammen zum Teil aus dem ersten Semester eines Studiums und erfordern Wissen, das die Schüler mitunter noch gar nicht haben und hier praxisnah vermittelt bekommen. „In der ersten Woche beschäftigten wir uns nur mit Theorie“, erzählt der 14-jährige Haram, bevor mithilfe von Integral- und Matrizenrechnung Berechnungen angestellt und in einer Tabelle zur Weiterverarbeitung festgehalten werden. „Es fasziniert mich, wie viel wir mit Formeln durchrechnen können“, findet der 15-jährige Pirim, seine Mitschülerin Nuri zeigt sich davon ebenfalls beeindruckt. Für sie steht fest: „Ich will was mit Naturwissenschaft studieren“, sagt die 16-Jährige.

Wieso sich die Schülerakademie den naturwissenschaftlichen Fächern widmet? „Diese gelten als schwieriger und bergen die größeren Herausforderungen“, erzählt Herbert Jacob, einer der Leiter der Akademie.

Weniger naturwissenschaftlich präsentiert sich die 17. Saarländische Junior-Akademie. An der nehmen Schüler der Klassenstufen 7 bis 10 teil und befassen sich in drei Werkstätten mit dem Thema „Kampf dem Chaos“ und lernen, wie Regeln, Normen und Gesetze Ordnung in die Welt bringen. Mit einem Gedicht über die Gepflogenheiten am Tisch von Hans Sachs beschäftigt sich der 15-jährige Sebastian. „Allein, dass es dieses Gedicht gibt, zeigt die Notwendigkeit von Regeln bei Tisch“, findet er.

Jacob ist es wichtig, dass die Schüler früh wissenschaftliches Arbeiten lernen, die Vermittlung der Inhalte sei Nebensache. Viel mehr gehe es darum, den Schülern eine intellektuelle und soziale Herausforderung zu bieten, an der sie wachsen.

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