| 20:51 Uhr

Handwerk
Feuer und Flamme für Kohle und Stahl

Die Jungs von der Saarland-Schmiede (von links) Julian Schmitt, Marvin Schmidt und Pascal Pitz posieren mit ihrem Handwerkszeug vor dem Schlosser- und Schmiedemuseum Schwalbach.
Die Jungs von der Saarland-Schmiede (von links) Julian Schmitt, Marvin Schmidt und Pascal Pitz posieren mit ihrem Handwerkszeug vor dem Schlosser- und Schmiedemuseum Schwalbach. FOTO: Thomas Seeber
Ittersdorf/Saarlouis. Die Saarland-Schmiede nennt sich ein Team aus jungen Hobby-Schmieden aus dem Kreis Saarlouis. Sie wollen das alte Handwerk wiederbeleben. Von Nicole Bastong

„Kohle, Feuer, Stahl! Geile Typen, hartes Eisen und ein Traum!“ So werben Julian Schmitt aus Ittersdorf und Pascal Pitz aus Dillingen für ihre Idee: die Saarland-Schmiede. „Das Handwerk stirbt, wir finden uns damit nicht ab“, sagen die beiden Hobby-Schmiede. Sie wollen das Startkapital für eine eigene Schmiede-Werkstatt sammeln – und dabei nutzen sie die modernste Form der Finanzierung: Crowdfunding (zu deutsch: Sammelfinanzierung) im Internet.


Die beiden Hobby-Schmiede und ihr zehnköpfiges Team wollen sich ihren Traum erfüllen und eine eigene große Werkstatt einrichten. Eine Halle haben sie schon: Auf dem SHG-Gelände in Saarlouis nahe dem Bahnhof dürfen sie sich ab Juni einmieten. Doch leider fehlt noch einiges an Profi-Ausrüstung – und Schmieden ist ein teures Hobby. Hierfür bräuchten die jungen Handwerker rund 30 000 Euro. Auf der Internetplattform startnext.com will das Team aus dem Kreis Saarlouis Spenden von Unterstützern sammeln. Ihr Plan: „Wir wollen dieses schöne und faszinierende Handwerk im Saarland bewahren. Es gibt zwar noch viele Schlossereien hier, aber keine reine Schmiede.“ Dabei wollen sie nicht nur selbst Hand anlegen, sondern auch anderen zeigen, wie es geht: Besuche von Schulklassen oder Einsteiger-Kurse sollen möglich werden.

Seit zehn Jahren begeistert sich der 27-jährige Ittersdorfer Schmitt für das Handwerk, hätte auch gerne den Beruf gelernt. „Doch es gibt im Saarland keine Möglichkeit mehr dazu.“ So wurde Schmitt Versicherungskaufmann – und brachte sich in seiner Freizeit das Schmieden selbst bei, „mit Büchern, Youtube-Videos und durch Ausprobieren“. Nach und nach kaufte er sich eine Grundausrüstung für die heimische Gartenschmiede zusammen. Schmitt meldete ein Gewerbe an, verkauft seine Werke zum Beispiel auf Messen und Mittelalter-Treffen.



Mit den Jahren fand sich eine Clique von Hobbyschmieden regelmäßig zusammen. Darunter auch Pascal Pitz, 26, Zerspanungsmechaniker und daher „schon immer an Metall interessiert“, wie er sagt. „Beim Schmieden kann ich gut abschalten, gerade nach einer stressigen Arbeitswoche“, erklärt er die Faszination. „Man ist einfach stolz, wenn man was mit seinen eigenen Händen hergestellt hat.“

Die Saarland-Schmiede stellen vor allem Messer, aber auch Dekoartikel, Beile, Skulpturgüsse und vieles mehr in Handarbeit her. Auch Flohmarktfunde werden upgecycelt. „Wie überall im Handwerk hat Handgefertigtes eine ganz andere Qualität als Massenware“, schwärmt Schmitt. Rund 40 Stunden arbeitet er an einem Messer, je nach Materialwert kostet das dann gut 800 Euro. „Das hält dann aber auch jahrzehntelang.“

Noch bis Donnerstag, 19. April, läuft die Spendenaktion im Internet. Mitmachen kann jeder, ein Risiko gehen die Spender nicht ein, betont Schmitt: „Sollte unsere Finanzierung fehlschlagen, gehen die gesamten Spenden an die Unterstützer zurück.“ Je nach Höhe der Spende gibt es außerdem ein kleines Dankeschön: geschmiedete Flaschenöffner, Küchenmesser oder ähnliches. Knapp 4000 Euro sind erst eingegangen, die erhofften Spender aus der im Saarland noch vielfach ansässigen Stahlindustrie seien leider bislang ausgeblieben, bedauert Schmitt. Auch von den Ministerien habe es kaum Rückmeldung gegeben. Unterstützt wird ihr Vorhaben bislang durch die Handwerkskammer Saar, außerdem kooperieren sie mit dem Schmiede- und Schlossermuseum Schwalbach.

Auch wenn das Spendenziel von 30 000 Euro noch in weiter Ferne scheint, bleiben Schmitt und Pitz optimistisch: „Wenn es nicht klappt, müssen wir halt kleiner starten als gewollt. Aber wir legen auf jeden Fall los.“

Kontakt: Julian Schmitt und Pascal Pitz, Saarland-Schmiede, E-Mail: saarland-schmiede@web.de, Telefon (01 76) 70 10 84 76.

Viele Stunden und viel Kraft braucht es, um aus einem Rohling ein Messer zu schmieden.
Viele Stunden und viel Kraft braucht es, um aus einem Rohling ein Messer zu schmieden. FOTO: Pascal Pitz
Ein handgefertigtes Santoku-Messer aus Damaststahl.
Ein handgefertigtes Santoku-Messer aus Damaststahl. FOTO: Pascal Pitz
Heiße Glut: Die Esse mit dem Schmiedefeuer.
Heiße Glut: Die Esse mit dem Schmiedefeuer. FOTO: Pascal Pitz