Saarländische Jäger setzen Drohne zur Rettung von Jungtieren ein

Gefahr erkannt – Gefahr gebannt : Drohne rettet Kitze vor Mähmessern

Saarländische Jäger setzen Fluggerät ein, um Jungtiere aufzuspüren. Acht kleine Rehe werden an einem Morgen entdeckt.

Der Katze, deren Wärmesignatur die Drohne aus rund 18 Meter Höhe auf zwei kleine Monitore übermittelt, droht an diesem frühen Morgen keine Gefahr vor dem wartenden Traktor mit anmontiertem Mähwerk. „Die hätte sich vor dieser herannahenden Gefahr ohnehin rechtzeitig verdrückt“, versichert Heiner Kausch, Kreisjägermeister von Saarbrücken. Schlimmer hätte es für die beiden Rehkitze ausgehen können, die der Drohnen-Pilot ebenfalls in der Wiese bei Gisingen aufspürt. Beide Jungtiere bringen sich vor ihren Rettern mit Riesensätzen in Sicherheit, bevor wenig später die Mähmesser ihre ansonsten oft tödlichen Bahnen durch das hohe Gras ziehen, in dessen Deckung sie sich seit ihrer Geburt im Mai sicher fühlen durften.

Die SZ ist bereits um 5 Uhr auf dem Sportplatz zur Stelle, wo sich wenige Tage zuvor die Pächter des Jagdreviers, Landesjägermeister Josef Schneider, und sein Bruder Hermann Schneider, mit Kausch und dessen Stellvertreter, Carsten Jenal, sowie einigen Jagdfreunden und dem mit seinem Traktor wartenden Landwirt zum Drohneneinsatz verabredet hatten. Während der farbenprächtige Sonnenaufgang langsam gegen das gleißender werdende Sonnenlicht verliert, wird zunächst die Reihenfolge der abzusuchenden Wiesen festgelegt.

Kurz nach dem Sonnenaufgang wird die Drohne für den ersten Start vorbereitet. Von rechts: Carsten Jenal, Heiner Kausch, Josef und Hermann Schneider.   FOTO: DIETER ACKERMANN. Foto: a-n

Ein Jahr zuvor hatte ein Lohnunternehmer bei der Mahd in verschiedenen Jagdrevieren von St. Wendel insgesamt 15 Rehe mit den Messern seiner Mähmaschine getötet oder so verstümmelt, dass sie anschließend von ihren Qualen erlöst werden mussten. Weil er den Revierpächtern vorab keinen Hinweis auf seinen Mähereinsatz gegeben hatte, der es den Jägern ermöglicht hätte, vor der Mahd die Wiesen nach Jungwild abzusuchen, wurde der 54-jährige Angeklagte vor wenigen Monaten zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu jeweils 40 Euro verurteilt.

Die Drohne sucht als fliegendes Jägerauge die Wiesen knapp 20 Meter unter ihr nach Jungwild ab. Foto: a-n

Um im eigenen Revier eine solche Tragödie ausschließen zu können, hatte der Landesjägermeister sich bei seinem kooperativen Landwirt nach dessen Mähtermin erkundigt und das Drohnen-Team der Vereinigung der Jäger des Saarlandes (VJS) um Unterstützung gebeten. So startet Kausch jetzt die Drohne vom umgehängten Kommandostand aus. Überraschend leise schwirren die Propeller und schon huscht das fliegende Jägerauge in die Höhe.

Ängstlich drückt sich ein aufgespürtes Kitz an den Boden. Ohne Drohne wäre es in tödlicher Gefahr. Foto: a-n

Je deutlicher sich die Umgebungstemperatur von der Körperwärme beispielsweise eines Rehkitzes (etwa 27 Grad) unterscheidet, desto detailgenauer überträgt die Wärmebildkamera bis zu einer Flughöhe von rund 30 Metern die Signatur des Tieres. Interessiert schauten die Jäger Kausch und Jenal über die Schulter, um auf den Monitoren die erhofften weißen Punkte zu erspähen, die beim Suchflug der Drohne die im hohen Gras versteckten Kitze anzeigen würden.

Die zuvor hier versteckten Kitze sind dank der Drohne in Sicherheit – jetzt kann der Traktor mit seinem Mähwerk die Mahd beginnen. Foto: a-n

Und es dauert auch gar nicht lange, bis der Pilot seinen Flugkörper in der Luft stoppt. Weißer Punkt – und schon flitzten Josef Schneider und sein Bruder mit einem Karton los. Mit Funkgeräten werden sie direkt unter die schwebende Drohne dirigiert. Aber bevor sie das Jungtier mit Gummihandschuhen ergreifen und in die mitgebrachte Box legen können, springt das bereits einige Wochen alte Kitz putzmunter auf und davon. „Macht nix“, versichert der Landesjägermeister, „so können wir mit Sicherheit ausschließen, dass es gleich dem Mähwerk zum Opfer fällt.“ Und Jenal berichtet von früheren Drohneneinsätzen, als die erst wenige Tage alten Jungtiere noch keinen solchen Fluchtreflex aufwiesen, und sich von ihren Rettern in den mitgebrachten Kartons an den sicheren Waldrand tragen ließen.

Während Jäger und Drohnen-Team schon zur nächsten Wiese fahren, rauscht der Traktor mit seinen sirrenden Mähmessern durch die abgesuchte Fläche und erntet tatsächlich nur das gewünschte, grüne Mähgut.

Allein die Akkulaufzeiten von etwa 20 Minuten bestimmen an diesem Vormittag die Dauer des Einsatzes. Mit sechs Reserveakkus wird dieser Rettungseinsatz nach etwa drei Stunden abgeschlossen. Die Bilanz: Insgesamt acht Rehkitze verdanken dem Drohneneinsatz diesmal ihr Leben.

Nicht zuletzt wegen dieser Bilanz wegen will der Landesjägermeister versuchen, mit finanzieller Hilfe des Bauernverbandes, des Umweltministeriums und eigener Mittel weitere Drohnen zur Jungwildrettung anzuschaffen. „Niemand, der schon einmal die verzweifelten Klagelaute ausgemähter, verstümmelter Kitze gehört hat, wird diesen Drohneneinsatz in Frage ziehen können“, ist sich Schneider sicher.

Mehr von Saarbrücker Zeitung