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Literaturpreis
Sie liebt das Skurrile und Abgründige

Das freie Schreiben ist ihr Hobby, als Ausgleich zum Beruf: Rebekka Thiel aus Wallerfangen.
Das freie Schreiben ist ihr Hobby, als Ausgleich zum Beruf: Rebekka Thiel aus Wallerfangen. FOTO: Thomas Seeber
Wallerfangen. Hobby-Autorin Rebekka Thiel aus Wallerfangen wurde mit dem Schiff-Förderpreis ausgezeichnet. Von Nicole Bastong

Rebekka Thiel hat ein Faible für seltsame Typen. Sie mag das Skurrile, Abgründige und Komische. Und das dörfliche Leben. Sie schreibt gern über Hausentrümpelungen, Unsichtbares oder einen alten Nussbaum.


Zum dritten Mal hat die 33-Jährige aus Wallerfangen eine ihrer Kurzgeschichten beim Bernhard-Schiff-Literaturpreis eingereicht – und diesmal setzte sie sich gegen über 100 andere Autoren durch. Mit einem Förderpreis wurde ihre Kurzprosa „Thees“ in der vergangenen Woche in Saarbrücken ausgezeichnet (die SZ berichtete).

Ihr antriebsloser, gestrandeter Ich-Erzähler ist „ein verpeilter Typ“, sagt Thiel selbst, der glaubt, mit dem Geist seines Vormieters, Thees, zu leben. Dieser Geist spukt als Art Doppelgänger durch sein Leben, beeinflusst seinen Alltag, seine Entscheidungen, sogar seine Beziehung.



Rebekka Thiel, 1985 in Merzig geboren, hat ein Magisterstudium der Germanistik und Anglistik in Trier abgeschlossen und arbeitet derzeit als Texterin bei einem Online-Unternehmen in Merchweiler. Das freie Schreiben ist ihr Hobby, als Ausgleich zu dem mehr technischen Gebrauch von Sprache in ihrem Beruf. Außerdem geht sie gern in Konzerte und ins Theater, eine weitere Inspiration – und sie singt auch selbst.

Einen großen Einfluss habe, sagt sie, die Erzählweise ihrer Großeltern und deren Generation, die Geschichten und Gerüchte, die man sich im Dorf, am Kaffeetisch oder auf dem Friedhof über andere erzählt. „Als Kind habe ich viele Hörspiele gehört, mich hat also mehr das Hören von Geschichten geprägt“, meint Thiel. Als eine Mischung aus Alltagspoesie, Humor und Melancholie beschreibt sie selbst ihren Stil. Als die Nachwuchsautorin die Nachricht erhielt, dass sie unter den Preisträgern sei, war sie durchaus verblüfft: „Ich dachte erst mal, dass es eine Verwechslung sei. Aber jetzt, nach der Preisverleihung, und mit dem Geld auf dem Konto, glaube ich es allmählich.“ Konkrete Ideen, wofür sie das Preisgeld ausgeben will, hat sie noch nicht.

Bisher beschränkt sich Thiel beim Schreiben auf Kurzgeschichten, „aber man hat ja immer noch ein paar andere Pläne in der Schublade“, verrät sie. Dass sie am Ende auch mal einen Roman herauszieht, sei nicht ausgeschlossen. Das Schreiben ist bei ihr ein längerer Prozess, über Wochen, abends vor dem Kamin, mit dem Laptop auf der Couch: „Ich bin mit einem Text eigentlich nie zufrieden, er ist auch nie fertig.“

Ihre Texte betrachtet Thiel als Kunst. Optik und Klang eines Wortes sind ihr gleichermaßen wichtig. „Es dauert, bis das Richtige gefunden ist“, beschreibt sie es. „Ich möchte einen gewissen Rhythmus im Text entwickeln. Damit verbringe ich schon viel Zeit, es darf aber am Ende nicht gewollt wirken.“