Pfarrer Manfred Werle feierte in Wallerfangen sein 50. Priesterjubiläum

Priesterjubiläum : „Es gibt so vieles, was gut ist“

Manfred Werle feierte in Wallerfangen sein goldenes Priesterjubiläum: Vor 50 Jahren wurde er zum Priester geweiht. Heute unterstützt er die Seelsorger in Wadgassen.

Der Ruf des Bistums kam 1988. Damals war Pfarrer Manfred Werle, 77, noch in Neuwied-Niederbieber am Rhein. Danach wurde Wallerfangen 23 Jahre lang seine Pfarrei. Am Sonntag feierte Werle das 50. Priesterjubiläum mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Katharina. Zwei Organisten wechselten sich auf der Empore an der Orgel ab, während ein stattlicher Chor das Kirchenschiff mit Liedern füllte. Sieben weitere Priester umgaben Werle, dazu über ein Dutzend aktuelle und ehemalige Messdiener. Die Kirchenbänke waren besetzt wie sonst an hohen Feiertagen.

Man steige nie zweimal in den selben Fluss, sprach Werle eine alte Weisheit an. Auch „ich bin in einen Fluss gestiegen“, sagte er zu seiner Entscheidung für die Kirche. Nach 50 Jahren stelle er fest, „die Kirche ist anders geworden, und auch ich bin ein Anderer geworden“.

Geboren wurde Manfred Werle in Rohrbach im Kreis Birkenfeld, aufgewachsen ist er in Saarburg-Beurig. 1969 fand seine Priesterweihe statt. In einer Zeit, die Werle als „Kirche im Aufbruch“ beschrieb. Heute stelle sich mehr die Frage, „welche Richtung wird die Zukunft der Kirche bestimmen?“ Eine, die mehr an Struktur und Verwaltung orientiert ist, oder eine, welche die Menschen zu Gott bringt?

Kritisch sah Werle „die schlimmen Fälle von Kindesmissbrauch“ auch das Zögern der Kirche beim Priesteramt für Frauen sowie für verheiratete Männer. Reagiere die Kirche hier nicht, „wird die Abwanderung vieler Gläubigen von der Kirche noch größer“. Denn vielen stelle sich die Frage, warum brauche ich Gott zum Leben? Er vermisse Gott in „einer Zeit, in der Egoismus auf dem Vormarsch ist“.

Wenn Hilfe zum Leben fehle, Geduld und Menschlichkeit, dann „sehe ich das als Verarmung an“. Blicke er auf Jesus, „fehlt mir in der Kirche die deutliche Zuwendung zu den Armen“. Ebenso fehle ihm „ein deutlicher Ruck“ für ein anderes Miteinander.

Doch nicht nur das Negative solle betrachtet werden, mahnte Manfred Werle. „Es gibt so vieles, was gut ist.“ Stünden viele Menschen zusammen, „dann wird es einen Ruck und einen Neuanfang in der Kirche geben“. Werle wohnt in Wallerfangen. Vor rund acht Jahren war er in den Ruhestand verabschiedet worden und ist seither als Seelsorger in sechs Orten der Gemeinde Wadgassen tätig.

Seine Aufgabe sieht er immer noch darin, Menschen zu Gott zu führen. Dafür sei erforderlich, „dass die Glut unter der Asche neu zu glühen beginnt“ und „der Geist Jesu Christi die Herzen der Gläubigen erfüllt“.

Sein Priesterjubiläum ging in lockerer Form in der Cafeteria des St.-Nikolaus-Hospitals weiter. Dort sprach der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Rainer Glatigny, Werles Amtszeit an. Das sei die zweitlängste von allen Pfarrern in den vergangenen 220 Jahren in Wallerfangen. Nach Pfarrer Josef Hoff, der von 1941 bis 1966 in Wallerfangen tätig gewesen war. Statt Geschenken hatte Werle um Spenden gebeten. Die sind für Projekte von Bischof Jean-Pierre Kwambamba im Bistum Kenge/Kongo. Dazu gehören unter anderen ein Trinkwasserbrunnen sowie eine Entbindungsstation und Apotheke.

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