Mit Fuchsschwanz, ohne Vokuhila

So ein Auto kann man schon lieb haben. Wenn es einen so anguckt, mit seinen runden Scheinwerfern und dem Markenlogo-Stupsnäschen. Manfred Lieblang aus Wallerfangen hat seinen Opel Manta "Manni" genannt. Und pflegt das Kultauto seit 40 Jahren.

Wallerfangen. Schon wieder eine Fremde auf dem Grundstück von Manfred Lieblang in Wallerfangen. "Schon wieder eine, die dir dein Auto abkaufen will?", rufen die Nachbarn herüber. Nein. Die Frau ist von der Zeitung. Um das Auto geht es aber trotzdem. Manni heißt es, und sein makelloser Lack in knalligem Orange glänzt in der Sonne. "Das ist Rot!", korrigiert der Besitzer schnell, "Ziegelrot!". So stehe es in den Papieren des rüstigen Opel Mantas. Und der Lack ist ja auch original. Auch nach 40 Jahren noch.

340 000 Kilometer gefahren

Am 19. April 1972 hatte Manfred Lieblang seinen Manta "Manni" zum ersten Mal zugelassen. 32 Jahre jung war er damals und ein typischer Manta-Fahrer, wie er sagt. Mit 70er-Jahre-Matte auf dem Kopf ("aber kein Vokuhila!") und mit Fuchsschwanz an der Autoantenne. Goldkettchen, Sonnenbrille und Schirmkappe trägt er noch heute. Aber er ist inzwischen 72, "nicht mehr so verrückt wie damals", und der Manta ist inzwischen nur noch der Zweitwagen. "Wenn's regnet, geht der nicht raus!", sagt Lieblang.

Dennoch hat er inzwischen rund 340 000 Kilometer auf dem Buckel, der Wagen mit dem grimmigen Blick unter der spitzen Motorhaube. "Seine Form, dieses Schnittige, hat mir immer imponiert", sagt Lieblang. 12 000 Mark hatte er damals dafür hingelegt, für fellbezogene Sitze, Stoßstangen aus glänzendem Chrom und 90 PS. "Das war damals eine Rakete!" Und auch die vier Lampen waren damals der Hit, sagt er.

Unzählige Male habe man ihm mehr Geld für das Auto geboten als er damals dafür gezahlt hatte. "Einmal kamen meine Frau und ich zurück zum Parkplatz, und es lag ein Mann unter dem Auto. Er sagte, er wollte unbedingt mal sehen, wie er denn von unten aussieht!" Und auch beim TÜV sind Manfred Lieblang und sein Manni gut bekannt. "Wenn Sie wiederkommen, müssen Sie einen ausgeben", hatten sie ihm beim letzten Mal hinterhergerufen. Lieblang grinst. "Nächsten Monat ist es soweit!"

Schild zum Geburtstag

Anfang der 2000er Jahre war er in Beckingen, um sein Oldtimerkennzeichen zu beantragen. "Da haben die all ihre Ingenieure zusammengerufen", erzählt er. Einen Oldtimer, der vom ersten Tag an auf denselben Besitzer zugelassen war, hatten sie noch nie gesehen. Ein paar Opel Mantas sieht man noch auf den Straßen, sagt Lieblang. "Aber die meisten sind ziemlich durch und nicht mehr gut in Schuss." Ein "Charakterauto" nennt Manfred Lieblang seinen alten Manni, zu seinem Geburtstag hat er ihm sogar ein Schild gebastelt: "40 Jahre Manni Manta". Und auch heute noch tourt er mit seinem rüstigen Gefährten durch das Saarland. "Wenn schönes Wetter ist, dann kann ich ihn in der Garage scharren hören. Wie ein Pferd, das aus dem Stall will."

Hintergrund

Manfred Lieblang ist stolz auf seinen 40 Jahre alten Opel Manta. Foto: Jenny Kallenbrunnen.

Heute vor 175 Jahren, am 9. Mai 1837, wurde Adam Opel geboren. Ab 1862 produzierte der Industriekaufmann zunächst Nähmaschinen, ab 1886 stellte seine Fabrik Fahrräder her. Opel hatte nie vor, Automobile zu bauen, da er davon ausging, dass sie sich nicht durchsetzen würden. Erst nach seinem Tod 1895 startete seine Familie die Autoproduktion, um damit der Industriekrise zu entgehen. kj