Manchen macht die Klinik Angst

Die geriatrische Klinik im St.-Nikolaus-Hospital in Wallerfangen hat das Sophienstübchen eingerichtet. Hier betreuen zurzeit zwei Mitarbeiterinnen Patienten mit Demenz. Das erleichtert den Klinikalltag.

Patienten , die stationär in der geriatrischen Klinik im St.-Nikolaus-Hospital in Wallerfangen in Behandlung sind, haben ihre Haupterkrankungen, etwa einen Oberschenkelhalsbruch, und werden individuell therapiert. Doch einigen Senioren, die auch wegen akuter Erkrankungen dort sind, macht der Aufenthalt in der Klinik Angst - sie leiden an Demenz , haben Schwierigkeiten, sich in den Klinikalltag einzufügen. Für sie wurde vor einigen Wochen das Sophienstübchen eingerichtet.

Dort haben es sich beim Besuch der Saarbrücker Zeitung rund zehn Patienten gemütlich gemacht. Nach dem Frühstück und dem Alltagstreiben auf der Station geht es für diese Patienten ins Erdgeschoss. "Sophienstübchen" steht auf dem Schild neben der Tür. Was sich dahinter verbirgt? Helle und freundliche Räume mit einem großen Esstisch, einer Küche und zwei großen Räumen, die Platz für vielfältige Aktivitäten bieten. Nichts erinnert hier an Krankenhaus, es ist fast ein bisschen wie zu Hause.

Rätsel und Geschichten

"Einmal in der Woche backen wir mit den Patienten , die das noch können, jeden Tag gibt es am Tisch ein gemeinsames Mittagessen", erzählt Astrid Krächan. Sie ist Fachaltenpflegerin der Psychiatrie, das Stübchen, das vor einigen Wochen seinen Betrieb aufgenommen hat, ist auch ihr Kind. Und das pflegt sie sehr liebevoll.

Nach der Begrüßung der Patienten greift sie zuerst zur Saarbrücker Zeitung. "Heute ist Montag, am Wochenende ist Fidel Castro gestorben, Nico Rosberg ist Formel eins Weltmeister geworden", informiert sie. Bei Fidel Castro nicken die Senioren, der Name ist vielen ein Begriff. Nach der Zeitungslektüre nimmt Krächan, passend zur Jahreszeit, ein Weihnachtsbuch hervor, es gibt Geschichten, Lieder und auch ein Rätsel. Zwischendurch huscht eine Schwester in den Raum, nimmt einer Patientin Blut ab - völlig problemlos fügt sich der Klinikalltag in die Arbeit des Sophienstübchens ein.

Doch das, was sich hier als deutliche Erleichterung für alle, die dementen Patienten , die Mitpatienten, die Angehörigen und nicht zuletzt das Personal auf den Stationen, als eingespielt präsentiert, brauchte eine recht lange Zeit der Reife. "Wenn wir jetzt zurückblicken, dann kommt uns das gar nicht so lange vor", erklärt Pflegedirektor Siegfried Witti. Er stattet an diesem Morgen dem Stübchen auch einen Besuch ab und ist sichtlich begeistert von der Arbeit in der völlig entspannten Atmosphäre.

Alle arbeiten Hand in Hand

Die ersten Überlegungen gab es bereits im Jahr 2011, sagt er: "Wir mussten anfangs viel Überzeugungsarbeit leisten, damit alle Berufsgruppen, die hier Hand in Hand arbeiten, sich auf das Projekt einlassen." Denn auch die Physiotherapeuten verlagern ihren Arbeitsplatz für diese Patientengruppe, was einen Mehraufwand bedeutet. "Ganz besonders schön ist es, wenn Angehörige, die nachmittags herzlich hier eingeladen sind, plötzlich sehen, was ihr Angehöriger zu leisten vermag. Das beflügelt uns bei der Arbeit", sagt Krächan.

Diese Arbeit ist für Witti überaus wertvoll, doch von den Kostenträgern, sagt er, noch nicht refinanziert. "Es muss noch ganz viel passieren. Gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung werden wir es zunehmend mit Demenz in Krankenhäusern zu tun haben. Hier müssen neue Wege beschritten werden und die kosten Geld".

Personalisiert wurde das Stübchen mit zwei Mitarbeiterinnen, gesucht werden, sagt er, auch Ehrenamtler. "Besonders froh sind wir, dass wir den Freundeskreis für unsere Idee gewinnen konnten. Die Räume wurden zum großen Teil aus Spendengeldern finanziert".