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Krippenneubau muss nun saniert werden

Krachneu, aber leider immer noch geschlossen: Die 1,5 Millionen Euro teure Krippe auf der Wallerfanger Adolphshöhe. Der Neubau muss wegen Schadstoffen nun grundlegend saniert werden. Foto: Seeber
Krachneu, aber leider immer noch geschlossen: Die 1,5 Millionen Euro teure Krippe auf der Wallerfanger Adolphshöhe. Der Neubau muss wegen Schadstoffen nun grundlegend saniert werden. Foto: Seeber FOTO: Seeber
Wallerfangen. Wegen Schadstoffbelastung ist die Wallerfanger Krippe seit über einem Jahr außer Betrieb. Ein Gutachten empfiehlt nun: Alle innenliegenden Holzwände und -decken raus. Wer die Sanierung bezahlt, ist noch unklar. Nicole Bastong

Die neu gebaute und seit über einem Jahr geschlossene Krippe Kinderland Wallerfangen muss nun umfassend saniert werden, damit sie wieder benutzt werden kann. Zu dieser Empfehlung kommt ein neues Gutachten , das der Gemeinde seit etwa drei Wochen vorliegt, erklärte Bürgermeister Günter Zahn . Erstellt hat es ein vereidigter und zertifizierter Sachverständiger für Geruchsbelästigung aus Frankfurt im Auftrag der Gemeinde als Bauträger.

Die neuesten Messungen des Gesundheitsamtes hatten kein gutes Ergebnis gebracht: Die Belastung der Raumluft durch Schadstoffe ist seit Monaten gleich hoch. "Die Werte sind zwar stark gesunken, aber sie haben sich auf einem gewissen Niveau eingependelt", sagte Zahn. "Wir haben inzwischen keine Hoffnung mehr, dass sich das auf natürlichem Wege löst." Das bedeutet einen Strategiewechsel: Nachdem die Gemeinde über ein Jahr lang geheizt und stoßgelüftet hat und die Nachbesserungsversuche fehlschlugen, werden nun die Holzelemente ausgebaut.

Ein neuer Architekt soll nun damit beauftragt werden, "in zeitlich und finanziell vertretbarem Rahmen, mit Erfolgsgarantie" den Neubau in Holzständerweise umzurüsten. Alle innenliegenden Wandverkleidungen, so genannte OSB-Platten, sowie alle Decken müssen raus. Zwar seien die Platten selbst als Baustoff schadstoffgeprüft, aber die Menge, die verbaut worden war, und auch die Verbauungsart selbst (Zahn: "Das Holz kann nicht atmen!") bedinge die hohe Konzentration an Schadstoffen, die zur Schließung führte, erklärte der Bürgermeister. "In der Saarwellinger Kinderland-Einrichtung haben wir dieselbe Bauweise. Aber hier sind nur punktuell OSB-Platten angebracht, die zudem doppelt hinterlüftet sind", ergänzte Ralf Weber, Geschäftsführer der Kinderland gGmbH des Landkreises, die die Krippe betreibt.

Die Holzplatten sollen voraussichtlich durch Gipskartonplatten ersetzt werden. Das Problem dabei: Die Platten haben durchaus statische Funktion. Damit der Neubau nach dem Austausch nicht zusammenkracht, ist ein Statiker beauftragt, eine Lösung zu finden, zum Beispiel die Wände mit Stützen zu versehen.

Der Gutachter empfiehlt darüber hinaus den Austausch der Kautschukböden, da von ihnen ebenfalls ein "unangenehmer, aber nicht schädlicher Geruch" ausgehe. "Die Vergabe an einen neuen Architekten will ich in diesem Jahr noch abwickeln", kündigte Zahn an. Das letzte Wort hat dabei der Gemeinderat.

Streit landet vor Gericht



Wer nun die Kosten für die Sanierung des Neubaus tragen muss, müsse das Landgericht entscheiden. "Da eine gütliche Einigung mit dem Architekten zur Schadensregulierung nicht in Sicht ist", wie Zahn erklärt. Ein Fachanwalt für Baurecht vertritt die Gemeinde. Nach seiner Ansicht müsse die Versicherung des Architekten für den Schaden in fünfstelliger Höhe aufkommen. "Wir haben beim Architekten eine betriebsfertige Kita bestellt und nicht bekommen", ärgert sich Zahn. Doch er weiß: "Eine Gerichtsentscheidung kann sehr langwierig sein." Also muss die Gemeinde zunächst selbst finanzieren, über Sonderkredite. Ob das Land weitere Zuschüsse für den Umbau des bereits bezuschussten Neubaus gewährt, ist noch nicht abgeklärt.

Zur "Beweissicherung" sei die Gemeinde außerdem verpflichtet. "Doch wir können das ja nicht jahrelang so lassen", meint Zahn. Deshalb habe man nun die Idee, "zur Dokumentierung einen der Gruppenräume zu versiegeln und so zu belassen". Der Bürgermeister verspricht lieber nichts mehr: "Erst wenn Art und Umfang der Sanierung feststehen, wird es eine Prognose zur Wiedereröffnung geben." Die anfangs fünf, inzwischen elf Kleinkinder aus der Wallerfanger Krippe sind nach wie vor im Kinderland Saarwellingen 2 untergebracht. Sie werden dort zusammen in einem Raum betreut, von einem Teil der für Wallerfangen eingestellten Erzieherinnen, erklärt der Kinderland-Geschäftsführer Ralf Weber.

Alle weiteren Kinder, die in der Krippe Wallerfangen angemeldet werden, laut Gemeinde acht ab Januar, sollen auf die übrigen Kinderland-Gruppen in Saarwellingen verteilt werden. Denn die Containerlösung, die Bürgermeister Günter Zahn kürzlich angekündigt hatte, wurde aus baurechtlichen Gründen verworfen. Und die einzige gemeindeeigene Kita mit Krippenplätzen in Ittersdorf habe keine Kapazität.

Dennoch sind Weber keine Beschwerden oder gar Klagen von Eltern bekannt, die keinen Betreuungsplatz in der Gemeinde finden. "Im Moment können wir jeden Rechtsanspruch erfüllen." Zum Teil müssten die Eltern aber auf andere Kommunen ausweichen. Die Unterbringung in Saarwellingen "kann und soll keine Dauerlösung sein", meint Weber. "Aber wir können den Eltern sagen: Die Betreuung ist sichergestellt."

Der Kritik der Eltern , dass der erste Infoabend erst jetzt, über ein Jahr nach der plötzlichen Schließung stattfand, hält Weber entgegen: "Was an Info weitergegeben werden konnte und durfte, haben die Eltern über die Mitarbeiter erfahren." Und Zahn räumt ein: "Wir sind nicht so häufig mit den Eltern in Kontakt getreten, aber es gab auch nichts, was wir hätten sagen können." Am 1. September ging der Krippen-Neubau für 33 Kinder auf der Adolphshöhe in Betrieb. Am 29. September untersagte das Gesundheitsamt Saarlouis des Betrieb in der Krippe, nachdem während der stundenweisen Eingewöhnung der ersten Kinder "beißende Gerüche" aufgefallen waren. Sieben Mal war seitdem eine Wiedereröffnung angekündigt und verschoben worden.

Zunächst ging man davon aus, dass der Neubau in ökologischer Holzbauweise nur zu früh eröffnet worden war und sich das Problem mit nachträglicher Lüftung beheben ließe. Sechs Messungen der Raumluft hat das Institut Fresenius für das Gesundheitsamt vorgenommen, seit die Krippe geschlossen ist. Gemessen wurde dabei die Konzentration an Schadstoffen (Aldehyden) aus den Ausdünstungen des verbauten Holzes. Zum Zeitpunkt der Schließung lagen die Werte bei rund 13 000 Mügramm. Die Belastungswerte bewegen sich aktuell zwischen 1100 und 1400 Mügramm; die Höhe ist in den einzelnen Räumen unterschiedlich.

Als "hygienisch unbedenklich" gilt erst ein Wert unter 1000, und auch nur für Erwachsene. Das Gesundheitsamt will die Krippe erst freigeben, wenn ein Wert unter 300 vorliegt.

Zunächst sah es aus, als könnten Heizen und Lüften die Werte senken. Um den Ausbau der Materialien kommt die Gemeinde nun doch nicht umhin.

Nachbesserungsversuche des Architekten Marcel Giebel im Juni, mit einer Holzlasur und Gipskarton, schlugen fehl; im Gegenteil stiegen die Werte sogar nochmals an.

Rund 1,5 Millionen Euro hat der Neubau gekostet, rund 150 000 Euro mehr als ursprünglich geplant. Die Kosten für die Messungen und Gutachten belaufen sich inzwischen auf weitere rund 19 000 Euro. Dazu kommen rund 400 Euro Energiekosten im Monat für das Heizen auf 30 Grad Raumtemperatur. Und die noch unklaren Kosten für den Umbau des Neubaus.

Eröffnung der neuen Krippe im September 2014. Die Holzplatten an den Wänden führten bald zur Schließung. Foto: R. Ruppenthal
Eröffnung der neuen Krippe im September 2014. Die Holzplatten an den Wänden führten bald zur Schließung. Foto: R. Ruppenthal FOTO: R. Ruppenthal