Kerlingen kann Dorfgemeinschaftshaus nicht weiter bauen

Dorfleben : In Kerlingen fehlt immer noch das Geld

Seit 2015 will Kerlingen das Clubheim zum Dorfgemeinschaftshaus umbauen. Doch finanziell fehlt die Unterstützung.

Die Baustelle ist bereit, die Helfer sind es auch. Nur das Geld fehlt. „Alle machen mit, bis auf die Gemeinde“ war schon die Überschrift über dem SZ-Artikel im Mai 2016: Der Umbau des Clubheims am Fußballplatz Kerlingen zum Dorfgemeinschaftshaus scheiterte am Geld.

Schon seit 2015 will der Ortsinteressenverein (OIV), der vor allem zu diesem Zweck gegründet wurde, das leerstehende Clubheim eigenhändig umbauen. Begeisterte Helfer gab es genug. Doch die Vorfreude wurde ausgebremst: Nachdem die ersten Räum- und Vorarbeiten geschafft waren, verhängte die Gemeinde einen Baustopp. Erst müsse ein Prüfverfahren durchgeführt werden, schildert Werner Schmidt, der Ortsvorsteher und erste Vorsitzende des OIV.

Die Genehmigung ließ dann eine ganze Weile auf sich warten – zur Enttäuschung der Kerlinger: Erst im Oktober 2018 durfte der OIV offiziell weiterbauen, gut drei Jahre nach Beginn der Sanierung. „Das ist schon schwierig, die Helfer bei Laune zu halten. Das sorgt für Frustration, wenn es einfach nicht weitergeht“, sagt Schmidt.

Die lange Wartezeit nutzte der OIV, um Geld für sein Projekt zu sammeln: Veranstaltungen wurden organisiert wie das Oktoberfest oder das Dorffest in Kerlingen, der Verein suchte nach Spenden, Zuschüssen und Fördermöglichkeiten. Rund 20 000 Euro hat der Verein inzwischen selbst beschafft. Damit geht es nun mühsam voran, meint Schmidt: „Jetzt arbeiten wir Stück für Stück weiter, wie das Geld da ist.“

Über 90 Mitglieder hat der Verein heute; bei rund 600 Einwohnern in Kerlingen. Im Ort gibt es seit Jahren überhaupt keinen Treffpunkt mehr, berichtet Ortsvorsteher Schmidt. Neun Vereine gibt es in Kerlingen; aber selbst für kleine Gruppen wie die Sternsinger oder für Kurse gibt es keinen Raum. Die Idee, gemeinsam ein Haus für alle im Dorf einzurichten, wurde deshalb sehr begrüßt.

Seit Oktober haben die Kerlinger bei Arbeitseinsätzen gemauert, eine Wand herausgenommen, einen Träger gesetzt und somit den Hauptraum auf rund 75 Quadratmeter vergrößert; außerdem sollen noch eine Küche, ein kleiner Versammlungsraum und Toiletten, auch für Behinderte, entstehen. Das Haus könnte später auch für private Feiern vermietet werden. Und der Verein der Musikfreunde Saargau soll einen Anbau erhalten: Denn der benötigt dringend eine Abstellmöglichkeit für Instrumente und Ausstattung.

Insgesamt rund 50 000 Euro soll der Umbau kosten – davon sind 95 Prozent Materialkosten. Denn der Verein hat sich verpflichtet, alle Arbeiten selbst zu stemmen. Doch seit 2015 beantragt der Ortsrat jedes Jahr Unterstützung für den Umbau; doch im Gemeindehaushalt ist diese bisher nicht vorgesehen. „Für alle Dorfgemeinschaftshäuser in der Gemeinde gab es bisher Zuschüsse“, betont Schmidt. „Warum dann nicht hier?“

Von Seiten der Verwaltung gab es zwei Probleme, erklärt der Wallerfanger Bürgermeister Günter Zahn auf Anfrage: Zum Einen sei das Gebäude seinerzeit im Außenbereich nur als Sportlerheim genehmigt worden. „Bei einer Umnutzung muss dies, mit dem entsprechenden Aufwand, beantragt und natürlich dann genehmigt werden.“ Zum Zweiten sei der Gemeinde keine finanzielle Unterstützung möglich: „Wir hatten die Kosten immer im Haushaltsentwurf, sind aber auch immer bei der Vorstellung beim Landesverwaltungsamt heimgeschickt worden, da es keine Pflichtaufgabe, sondern ,Freiwillige Leistung’ ist“, erläutert Zahn. Und ergänzt: „Gleiches ist der Sanierung des Dorfgemeinschaftshauses in St. Barbara widerfahren.“ Die Gemeinde stelle im Moment nur zur Erhaltung der Bausubstanz Material zur Verfügung, um unter anderem den Trainingsbetrieb für die Vereine auf dem Gau, die Kerlingen als Ausweichplatz nutzen, zu gewährleisten.

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