Jo Enzweiler arbeitet nach einem festen Plan

Jo Enzweiler arbeitet nach einem festen Plan

St. Ingbert/Wallerfangen. Es ist Brauch, dass der Oberbürgermeister der Stadt St. Ingbert, die den Albert-Weisgerber-Preis vergibt, den aktuellen Preisträger in seinem Atelier besucht. So kam Georg Jung nach Wallerfangen in das Wohn- und Atelierhaus von Jo Enzweiler (wir berichteten)

St. Ingbert/Wallerfangen. Es ist Brauch, dass der Oberbürgermeister der Stadt St. Ingbert, die den Albert-Weisgerber-Preis vergibt, den aktuellen Preisträger in seinem Atelier besucht. So kam Georg Jung nach Wallerfangen in das Wohn- und Atelierhaus von Jo Enzweiler (wir berichteten). Dass man ihn gerade für seine künstlerische Arbeit auszeichne, habe ihn besonders gefreut, bekennt Jo Enzweiler, weil es zeigt, "dass ich als Künstler im Land nicht ganz unbekannt geblieben bin".Was nach Tiefstapelei klingt, führt direkt zum Kern: Wie schafft es einer, diese vielen Aufgaben auszufüllen? "Wann machst du das?", diese Frage höre er oft, wenn seine Arbeit als Künstler Thema ist, erzählt er. Er versuche, alles, was er mache, zusammenzuführen. Wenn sich die verschiedenen Bereiche ohnehin überschneiden, fügt er hinzu. So liegt Enzweilers Aktivität als Künstler wie auch als Galerist auf dem Feld der Konstruktiv-Konkreten Kunst, seine Tätigkeit als Direktor des Instituts für aktuelle Kunst im Saarland beginnt in der Zeit, als er an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, deren Gründungsrektor er war, eine Professur für Malerei hatte. Die Fähigkeit, diese vielfältigen Arbeitsbereiche zusammenzuhalten, hatte ihn jedoch ursprünglich nicht zur Kunst, sondern zur Rechtswissenschaft geführt, erzählte er der Delegation um den Oberbürgermeister: "Es war die Erkenntnis, dass ich gut organisieren kann." Jurastudium und dann diplomatischer Dienst, das war sein Plan. Er gab ihn auf und nutzte sein Talent für ein Kunststudium in München, Aix, Saarbrücken und perfektionierte es seitdem im Nebeneinander von Galerist, Lehrer und Künstler. Das war kein Agieren im luftleeren Raum, sondern mit Blick auf seine Umgebung: "Ich glaube schon, dass man eine Verantwortung für die Region hat, in der man lebt." Enzweilers aktuelles Projekt, ein Museum für Sammlungen und Lebenswerke von Künstlern und Sammlern der Großregion zeigt seine Verantwortung und den dahinter stehenden Plan, der Raum und Zeit strukturiert. Ein fester Tagesplan weist der eigenen Arbeit und der Kunstvermittlung ihre Zeit zu. Das muss sein, "um die Zwischenräume in den Griff bekommen", sagt Jo Enzweiler und führt die Gäste aus St. Ingbert durch seine Arbeitsräume, blättert in Mappen mit Stempel- und Prägedrucken, führt die Delegation vorbei an den für ihn typischen Reißreliefen und greift zu seinen mit Packpapier verkleideten Plastiken aus Holz und zu seinen neueren aus Stein. Wobei die Zuarbeit Dritter, etwa einer Radier- oder Steinwerkstatt dazu gehört, jedoch stets nach seiner exakten Vorgabe. Darauf ist sein Arbeits- und Wohnort, von den Büros unterm Dach bis zu den Arbeitsräumen im Keller, abgestimmt: "Die Dinge müssen zur Hand sein", erklärt Jo Enzweiler, und alles um ihn, von der Wasserwaage bis zur sorgfältig auf dem Tisch ausgelegten Reihe der Stifte fügt sich, zum Einsatz bereit. Aus dieser Fülle kann die im kommenden Jahr stattfindende Ausstellung schöpfen. Mit dieser Gewissheit verabschiedete sich die Delegation aus St. Ingbert. Die Preisverleihung an Jo Enzweiler findet am Sonntag, 10. Mai, um elf Uhr in der Stadthalle St. Ingbert statt.