Jetzt kommen die Bagger

Saarlouis. Niemand am Freitag beim Startschuss zur Erschließung des Lisdorfer Berges als Industriegebiet kehrte unter den Teppich, dass der Weg bis dahin lang war: 45 Jahre. Ein Weg voller Streit. "Endlich", sagte Wirtschaftsminister Heiko Maas. "Darum wird gestritten, seit ich auf der Welt bin

Saarlouis. Niemand am Freitag beim Startschuss zur Erschließung des Lisdorfer Berges als Industriegebiet kehrte unter den Teppich, dass der Weg bis dahin lang war: 45 Jahre. Ein Weg voller Streit. "Endlich", sagte Wirtschaftsminister Heiko Maas. "Darum wird gestritten, seit ich auf der Welt bin." Jetzt aber können die ersten Aufträge vergeben werden für das "größte zusammenhängende Industriegebiet, der Lisdorfer Berg ist unter den Top Ten in Deutschland" (Maas).

160 Hektar werden umgestaltet, 97 Hektar davon werden Unternehmen mit sehr großem Platzbedarf besiedeln. Sechs Hektar kann die Stadt an heimische Firmen in eigener Regie vergeben. "Ein solches Gelände hat das Saarland noch nicht gesehen", freute sich Maas.

Es war "ein schwieriges Projekt", erinnerte sich am Freitag Thomas Schuck, Geschäftsführer der landeseigenen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung gwSaar, die das Gelände nun erschließt und vermarktet. Für ihn habe es 2005 "mit einem Streit mit dem heutigen Staatssekretär Georg Jungmann" begonnen. Auch mit dem Baudezernenten Manfred Heyer "und seinem Team wurden eine Menge Schlachten geschlagen. Wir sind beide nicht ganz pflegeleicht." Jetzt aber habe man "ein wirklich gutes Ergebnis. Ohne Heyer und sein Team hätten wir das zumal in dieser Zeitachse nicht geschafft." Auch Maas und OB Roland Henz schlossen sich diesem speziellen Dank an.

OB Roland Henz erinnerte an einen Beschluss der Saarlouiser Großen Koalition 2005, das Gebiet mit der gwSaar (damals hieß sie noch SBB) gemeinsam anzupacken. "Das", sagte Henz, "begann wieder mit Prügel." Alle widerstreitenden Interessen der vergangenen Jahrzehnte, Landwirtschaft Industrie, klimatische und ökologische Interessen, seien da wieder auf der Tagesordnung gewesen. Aber "es gab den festen Willen zum Neuanfang". 2011 habe die Stadt mit der SBB einen ersten Vertrag geschlossen, nach einstimmigem Ratsbeschluss. Es begann "Hektik im Rathaus".

Ein Grund war das ökologische Ausgleichskonzept, gegen das vor allem der Naturschutzbund Nabu vorging. "Das ist sein Auftrag, die Sicherung von ökologisch wertvollen Flächen. Den erfüllt er, auch wenn uns das nicht immer gefällt", unterstrich Wirtschaftsminister Maas. "Der Nabu war aber immer gesprächsbereit." Eine letzte Änderung dieses Konzeptes erforderte denn auch den letzten formalen Schritt: Der Gemeinderat Wallerfangen stimmte jetzt, am 4. Dezember, dem Teil des Ausgleichs in dieser Gemeinde zu. Dafür zeigte sich Maas Bürgermeister Günther Zahn und dem Rat "ganz besonders dankbar". Nach dieser Entscheidung schloss die Stadt mit der gwSaar einen städtebaulichen Vertrag.

Startschuss heißt nun: Die ersten Aufträge können vergeben werden. Das wird eine Geländemodellierung sein. 1,2 Millionen Kubikmeter werden im ersten Abschnitt bewegt, um drei ebene Plateaus zu schaffen. Diese ersten Aufträge können nun vor dem 31. Dezember erteilt werden. Sonst wären die EU-Fördermittel in zweistelliger Millionenhöhe verfallen. Die Erschließung einschließlich Grundstückskauf kostet laut Maas 48 Millionen Euro.

 Aline Pink ist das Fotomodell, das auf einer Stele an der B 269 neu für den Lisdorfer Berg wirbt.
Aline Pink ist das Fotomodell, das auf einer Stele an der B 269 neu für den Lisdorfer Berg wirbt.
 Leinen los für den Lisdorfer Berg (von links): Georg Jungmann, Thomas Schuck, Reinhold Jost, Heiko Maas, Roland Henz, Alina Pink, Manfred Heyer. Fotos: Hartmann Jenal
Leinen los für den Lisdorfer Berg (von links): Georg Jungmann, Thomas Schuck, Reinhold Jost, Heiko Maas, Roland Henz, Alina Pink, Manfred Heyer. Fotos: Hartmann Jenal
 Aline Pink ist das Fotomodell, das auf einer Stele an der B 269 neu für den Lisdorfer Berg wirbt.
Aline Pink ist das Fotomodell, das auf einer Stele an der B 269 neu für den Lisdorfer Berg wirbt.

Laut gwSaar hat als erstes Unternehmen die MEWA-Textil-Service AG zugesagt, 55 000 Quadratmeter zu kaufen; 140 neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Mit weiteren 20 Unternehmen sei man im Gespräch. > Seite A 9: weiterer Bericht