In Leidingen treffen sich zum Seniorennachmittag Deutsche und Franzosen

Treffpunkt : Diese Generation kennt keine Grenze

Sie sind einfach Nachbarn: Im Grenzort Leidingen kommen beim Seniorennachmittag Deutsche und Franzosen ganz selbstverständlich zusammen. Das und viel anderes organisiert die Feuerwehrkameradschaft, einziger Verein im Dorf.

Ob deutsch oder französisch, das ist doch nicht wichtig: Die Leute hier sind in erster Linie Nachbarn, man kennt sich und versteht sich – denn alle schwätzen Platt. Ein Mal im Monat kommen im Saal der Alten Schule in Leidingen 15 bis 20 Männer und Frauen zusammen, zum Seniorennachmittag für Leidinger und Ehemalige sowie für die französischen Freunde aus Leiding, Heining und Schreckling.

Die Treffen organisiert der Verein der Feuerwehrkameradschaft Leidingen. Dieser Verein, der einzige übrigens im Ort, entstand, als der frühere Feuerwehr-Löschbezirk 2009 mit Ihn zusammengelegt wurde. „Der Name hat schon anfangs für Verwirrung gesorgt“, lacht Alois Tasch, Vorstandsmitglied und ehemaliger Löschbezirksführer. „Aber inzwischen weiß jeder, wer wir sind.“

Leute aus zwei Ländern an einen Tisch bringen, das ist hier im Grenzort ganz selbstverständlich. „Früher war die Grenze ja sichtbar, aber heute nimmt man das gar nicht mehr wahr“, findet der 70-jährige Tasch, der in Leidingen geboren wurde. Edwin Grasmück, ebenfalls gebürtiger Leidinger,  kann sich erinnern, wie er als Kind die Wachposten täglich erlebte; heute weisen nur noch Schilder darauf hin, dass man ein anderes Land betritt.

„Früher, da war keine Grenze“, meint hingegen der 85-jährige Werner Hart, „die haben wir erst heute selbst aufgebaut, durch die Sprache!“ Die Kinder hätten hüben wie drüben miteinander gespielt, jeder hatte Verwandte und Land im Nachbarort. Die meisten sprachen Deutsch und Französisch, vor allem aber Moselfränkisch. Heute hat jeder seine eigene Sprache, es gibt kaum noch Kinder und weniger Kontakt, findet Hart, der aus Leidingen stammt und mit seiner französischen Frau in Creutzwald lebt. „Wann wurde denn hier das letzte Mal über die Grenze geheiratet?“, fragt er, „daran sieht man doch, wie sich das geändert hat.“

Deutsch, Französisch – egal. Diese Generation ist vor allem eins: „Einmal Leidinger, immer Leidinger!“, sagt Tasch. Und deshalb hat der Ort auch seine eigene Nationalhymne, die gern mal beim Seniorennachmittag erklingt: „Leidingen, oh Leidingen, Du mein Stolz, mein ganzes Glück, dir gehört mein ganzes Leben, immer kehre ich zurück“, heißt es darin.

„Wir sind ganz einfach eine Gemeinschaft“, sagt Trudi Bauer, „so einen Zusammenhalt findet man heute selten.“ Und „von wegen Senioren“, lacht sie: Kommen dürfen alle ab 60. Sie freut sich auf jedes Treffen: „Und zu erzählen hat man auch immer was.“ Das findet auch Annette Seger, die für den Kuchen sorgt: „Hier wird das Brauchtum gepflegt, man sitzt zusammen, das ist einfach schön.“

Der Bürgermeister des Nachbarortes Heining, Barthelemy Lemal, ist nun, da er in Rente ist, mit seiner Frau regelmäßiger Gast: „Hier kriegt man alle Neuigkeiten mit. Und in den kleinen Orten bei uns gibt es kaum Veranstaltungen, deshalb kommen wir gern hierher.“

Die Frauen im Verein übernehmen, ganz traditionell, die Verpflegung, es gibt Wurst- und Käseplatten, danach Kaffee und Kuchen. Wein und Bier, natürlich beides, zwischendurch ein Schnäpschen. Das alles zahlt der Verein; Spenden sind aber willkommen, berichtet Tasch. Denn was zusammenkommt, gibt der Verein ein Mal im Jahr an soziale Zwecke weiter.

52 Mitglieder hat die rege Kameradschaft, viele davon ehemalige Feuerwehrmänner. Sie führen die Traditionsveranstaltungen weiter, die zuvor die Feuerwehr im Ort organisierte: Seit 1979 gibt es das Dorffest, außerdem das Maibaumsetzen, die Kirmes, die Nikolausfeier und eben den Seniorennachmittag.

Lyoner und Flutes, Kuchen und Wein, dazwischen ein Schnäpschen - das Beste aus beiden Ländern kommt in Leidingen auf den Tisch. Foto: Nicole Bastong

Ein Höhepunkt im Jahr ist die Martinsfeier, zum Umzug kommen gut 150 Kinder und Eltern von beiden Seiten der Grenze, denn in den französischen Orten gibt es keinen Martinsumzug, berichtet Tasch. Ein weiterer ist die Übergabe des Friedenslichtes der Pfadfinder im Advent, von Kindern an Kinder auf der Grenze mitten im Ort. „Wir sorgen im weitesten Sinne dafür, dass die Leute zusammenkommen“, fasst Tasch zusammen.