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In der Wallerfanger Kita sind immer noch zu viele Giftstoffe

Wallerfangen. Trotz Sanierung und Entkernung ist der Schadstoffgehalt in der Wallerfanger Kita immer noch zu hoch. Das hat eine Messung ergeben. In einer Dringlichkeitssitzung nächste Woche soll der Gemeinderat entscheiden, wie es mit der Kinderkrippe weitergeht. Sarah Konrad

Der Schadstoffgehalt in der Wallerfanger Kinderkrippe ist trotz umfassender Sanierungsarbeiten immer noch zu hoch. Das ist das Ergebnis einer Messung, die ein Sachverständigenbüro für Innenraum-Schadstoffe und Gerüche am 4. Januar durchgeführt hat. "Die dortigen Emissionen überschreiten weiterhin den Grenzwert von 300 Mikrogramm pro Kubikmeter Raumluft", sagte Wallerfangens Bürgermeister Günter Zahn . Er hat den Gemeinderat nun für Dienstag, 17. Januar, um 17 Uhr zu einer öffentlichen Dringlichkeitssitzung in der Festhalle der Walderfingia zusammengerufen.



Die Kita auf der Adolfshöhe bereitet der Gemeinde schon seit über zwei Jahren Probleme. Im September 2014 musste die Einrichtung, deren Bau 1,5 Millionen Euro gekostet hat, kurz nach der Eröffnung wieder schließen. Grund dafür waren auffällige Gerüche. Messungen ergaben: Die Ausdünstungen von flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC) waren deutlich zu hoch. Als Ursache habe man die ökologische Bauausführung mit viel Holz vermutet, erinnerte sich Zahn. Versuche des Architekten, die Luftsituation zu verbessern, scheiterten.

Im Sommer 2016 beauftragte der Gemeinderat daher einen neuen Architekten mit der Entkernung des Gebäudes. Dazu wurden weitere 600 000 Euro veranschlagt. Arbeiter räumten alles aus der Kita heraus, was hätte Probleme machen können, die Holzverkleidung der Wände, Bodenbeläge, Möbel und sogar die Küchengeräte. Doch alle Versuche, die Belastung ausreichend zu senken, blieben ohne Erfolg.

In der Dringlichkeitssitzung sollen die Ratsmitglieder nun entscheiden, wie es mit der Kita weitergeht. Eine Entscheidung, die vor allem für die Eltern der rund ein Dutzend Kinder, die derzeit nach Saarwellingen statt nach Wallerfangen in die Kita müssen, wichtig ist. Die Betreuung der Jungen und Mädchen sei aber weiterhin sichergestellt, versicherte Zahn.



Grüne fordern Abriss

Mit dieser Aussage gab sich Klaus Kessler , stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen-Landtagsfraktion, jedoch nicht zufrieden. "Bürgermeister Günter Zahn und der Wallerfanger Gemeinderat haben viel zu viel Zeit ungenutzt zulasten der Eltern und Kinder verstreichen lassen", erklärte Kessler gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Er vermutet, dass der Bürgermeister sich jetzt um Transparenz bemühe, weil er den Unmut der Bürger fürchte. Die Grünen fordern Zahn und den Gemeinderat dazu auf, einen Abriss und Neubau des Gebäudes zu diskutieren. "Statt hier noch länger eine Hinhaltetaktik zu fahren, muss endlich eine Lösung für die Kinder gefunden werden, die im Kinderland Wallerfangen angemeldet sind. Diese kann nicht darin bestehen, dass sie dauerhaft den Umweg bis zur Kita in Saarwellingen in Kauf nehmen müssen."

Suche nach Verantwortlichem

Auch die Wallerfanger Bürger ärgern sich zunehmend über das Kita-Problem. Einige von ihnen haben sich daher zusammengeschlossen und einen offenen Brief geschrieben. Darin verlangen sie vor allem, dass jemand die Verantwortung für das Bauprojekt übernimmt. Sie schreiben: "Wir möchten wissen, wer die Verantwortung dafür trägt, dass Steuergelder in Millionenhöhe verbaut wurden und eine Giftkita entstanden ist."