Himbert war Kaufmann vom alten Schlag

Himbert war Kaufmann vom alten Schlag

Wallerfangen. Zuhören, fragen, kleine Dinge im großen Zusammenhang betrachten - das zeichnet Unternehmer-Persönlichkeiten aus. Gib dem Menschen eine Erdbeere, er wird reinbeißen und sein Geschmacksurteil abgeben. Gib dem Wallerfanger Früchtehändler Walter Himbert eine Erdbeere, und er will wissen, wo sie wuchs, wer sie brachte und wie sie bei den Leuten ankommt

Der Unternehmer Walter Himbert an einer Palette mit Äpfeln. Foto: Becker & Bredel.
Der Unternehmer Walter Himbert an einer Palette mit Äpfeln. Foto: Becker & Bredel.

Wallerfangen. Zuhören, fragen, kleine Dinge im großen Zusammenhang betrachten - das zeichnet Unternehmer-Persönlichkeiten aus. Gib dem Menschen eine Erdbeere, er wird reinbeißen und sein Geschmacksurteil abgeben. Gib dem Wallerfanger Früchtehändler Walter Himbert eine Erdbeere, und er will wissen, wo sie wuchs, wer sie brachte und wie sie bei den Leuten ankommt. Der aus einfachen Verhältnissen stammende Walter Himbert hatte schon als Bub mit Botengängen zum Familien-Einkommen beigetragen. Es machte ihn stolz, die Eltern zu entlasten; die Arbeit ging ihm leicht von der Hand. Nach dem Krieg begründete er daheim einen Handel mit Obst und Gemüse. Da er aus Wallerfangen heraus nicht ins Mark der Dinge vordringen konnte - warum sind Äpfel rot und die Bananen krumm? - reiste er ihnen in alle Welt entgegen, den Vermarktungsweg rückwärts nehmend. Der fleißige und wissensdurstige, mit feiner Ironie ausgestattete Selfmade-Unternehmer pflegte eine nahezu sinnliche Nähe zum Obst und baute aus dieser Leidenschaft die Früchte Himbert GmbH zu einem blühenden mittelständischen Importgeschäft mit Bananenreiferei auf. 1980 war die Firma so groß, dass sie aus Platzgründen nach Völklingen-Fenne umsiedelte. Auch nach dem Rückzug aus dem Tagesgeschäft blieb Walter Himbert ihr als Gesellschafter und geschätzter Berater erhalten.Der Branche galt er als hoch angesehener "Kaufmann vom alten Schlag", dessen Wort mehr galt als zwei Regalmeter Verträge. Zum 80. Geburtstag vor gut zwei Jahren hatte sich Walter Himbert gewünscht, trotz nicht ganz intakter Gesundheit noch zehn Jahre an seinem Lebenswerk weiterarbeiten zu dürfen. Es war ihm nicht gegönnt. Er starb am 7. April. Am heutigen Dienstag, 14 Uhr, ist das Sterbeamt in der katholischen Kirche Wallerfangen, anschließend die Beerdigung.