Heimatzeugnisse mit Stil

Zwei Bauernhäuser im Landkreis waren für den Landeswettbewerb "Zeugnisse unserer Heimat" nominiert. Das Haus von Martina und Josef Petry aus Michelbach landete auf dem dritten Platz.

Michelbach/Niedaltdorf. Wohnhaus, Gasthaus, Schreinerei und Atelier. Das Bauernhaus der Familie Petry in Michelbach könnte viel erzählen. Doch das übernehmen die Besitzer selbst. Gestern besichtigte eine neunköpfige Jury die beiden Objekte in Michelbach und Niedaltdorf, die auf Kreisebene an dem Landeswettbewerb Saarländische Bauernhäuser "Zeugnisse unserer Heimat" teilgenommen haben.

Martina und Josef Petry stecken seit Jahren viel Zeit, Mühe und auch Geld in die stilgerechte Renovierung ihres Hauses. Die Beiden leben und arbeiten in Berlin, ihren Urlaub und ihre Freizeit dagegen verbringen sie in Michelbach. Martina Petry (54), geborene Noss, ist Architektin, ihr Mann (59) künstlerischer Werkstattleiter an der Universität der Künste in Berlin. Bereits die Urgroßeltern von Martina Petry führten in dem Haus eine Wirtschaft. Daher gibt es noch einen Gewölbekeller, im dem das Bier gelagert wurde. Im Originalzustand sind auch die Boden- und Wandfliesen im Flur des Hauses, ebenso die Türen. "Das Haus sieht seit 1920 so aus, es ist aber älter", erklärt die Besitzerin. 1995 hat das Ehepaar Petry angefangen, das Haus zu renovieren. Das Scheunentor konnte noch im Original erhalten bleiben, ebenso große Teile der Klappläden. "Es ist nicht einfach gewesen, einen Schreiner zu finden, der alles wieder wie im Original nacharbeiten konnte", spricht Petry aus Erfahrung. Einiges konnte der gelernte Schlossermeister auch selbst tun. Die Schreinerei stammt von seinem Schwiegervater. Die Werkstatt hat der 59-Jährige mehrmals für Ausstellungen genutzt. Der Bruder von Martina Petry wohnt im Haus, über der Werkstatt die Nichte. Doch für die Petrys ist immer eine Wohnung im Haus frei.

Im Anschluss fährt die Landesjury zum Lothringischen Bauernhaus von Maria und Edgar Cavelius in Niedaltdorf. Das einzige Bauernhaus dieses Typs im diesjährigen Wettbewerb. Der Großonkel von Edgar Cavelius Großmutter hatte das Haus verkauft, als er nach Frankreich ging, später kauften es die Großeltern wieder zurück. Seit den 70er Jahren hat die Familie das Haus Schritt für Schritt renoviert.

Typisch lothringisch ist die Tiefe des Bauernhauses mit den drei Räumen. Die Familie heizt mit einem Holzofen: "Das kann ich nur empfehlen, das gibt eine unheimliche Wärme", schwärmt Maria Cavelius beim Rundgang. Bis 2003 betrieben sie noch Landwirtschaft, nun werden im alten Schweinestall Hasen und Hühner gehalten.

Delf Slotta, Direktor des Saar-Instituts für Landeskunde, findet die Fassade mit Sprossenfenstern, Klappläden und Gewänden sehr schön: "Sie ist mehr oder weniger unverändert." Auch die Dachhaut haben die Besitzer in guten Zustand gebracht. Falzziegel zwar statt der ursprünglichen Mönch- und Nonnenziegel, aber dafür im klassischen Rot.