Heimatforscher Theodor Liebertz starb vor 60 Jahren in Wallerfangen

Theodor Liebertz : Ein Pionier der Heimatforschung

Vor 150 Jahren wurde Theodor Liebertz geboren, vor 60 Jahren starb er in Wallerfangen.

Ein doppeltes Gedächtnisjahr bedeutet 2019 für die Wallerfanger Geschichtsforschung. Ihr maßgeblicher Wegbereiter, Theodor Liebertz, starb hier vor 60 Jahren. Geboren wurde er vor 150 Jahren in Düren, nahe Aachen. Theodor Liebertz war das zweite Kind der Eheleute Johann Liebertz und Elisabeth Cremer, teilte auf Anfrage Rosemarie Plücken vom Stadtmuseum Düren mit. Er kam am 20. November 1869 zur Welt. Die Tauf­urkunde ging verloren, als ein Bombenangriff im November 1944 Düren fast völlig zerstörte. Theodor war eines von insgesamt 14 Kindern in der Familie.

Aber nicht alle erreichten das Erwachsenenalter. Aus dem Totenzettel des 1913 verstorbenen Joseph Liebertz gehen beispielsweise als Hinterbliebene hervor: seine Gattin und neun Kinder.

Die Ausbildung zum Lehrer absolvierte Theodor Liebertz im 1885 gegründeten „Königlichen Lehrerseminar“ in Prüm. Bis zur Schließung dieser Einrichtung 1926 waren dort etwa 1000 Lehrer ausgebildet worden. Viele von ihnen auch aus dem Saarland. Als Lehrer war Liebertz kein Einzelfall in der Familie. Auch seine Schwestern Anna Maria Josefine und Anna Maria Magdalena ergriffen diesen Beruf, ebenso seine Brüder Peter und Heinrich. Bei verschiedenen Autoren finden sich Angaben zu Liebertz’ Zeit in Wallerfangen.

Am 16. Mai 1891 trat er mit 21 Jahren seine Tätigkeit als Volksschullehrer in Wallerfangen an. Dort wurde er nach 39 Jahren Schuldienst 1930 in den Ruhestand versetzt. Kriegsbedingt übernahm er ab 1941 die Stelle als Konrektor im Ort, bis zur endgültigen Pensionierung 1950.

In den ersten Jahren in Wallerfangen soll er als Junggeselle in einem Gasthaus auf der Adolphshöhe gewohnt haben. Später bewohnte er mit seiner Familie die erste Etage eines Hauses in der Hauptstraße, gegenüber dem heutigen Parkplatz an der KSK-Filiale. Denn am 6. Mai 1905 hatte Liebertz Marie Donie aus Wallerfangen geheiratet. Die beiden bekamen drei Kinder. Er dirigierte in Wallerfangen die „Liedertafel 1839“ und ein „Männerquartett“ sowie den „Franziskus-Gesangverein“ der Stadt Saarlouis.

Liebertz war außerdem jahrelang Schiedsmann und Neben-Rendant (Kassenverwalter) einer örtlichen Sparkassenstelle. Trotzdem hatte er Zeit für Recherchen zur Geschichte seines neuen Heimatortes. In seinen umfassenden Unterlagen finden sich beispielsweise Texte zum historischen Bergbau bei Wallerfangen, der Lage von Gebäuden im Ort, über Mundart, Kirchen, Schlösser und Klöster. Aber auch der einzige bekannte Plan der alten Stadt Walderfingen von 1679 ist dort schon abgebildet. Erst 2012 wurde er in einem Pariser Archiv wiederentdeckt.

Vor seinem Hauptwerk über die Geschichte Wallerfangens schrieb er die Geschichte Lothringens, unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Ballei Wallerfangen. Denn der Ort war lange Zeit Hauptstadt der deutschen Region in Lothringen. Liebertz beklagte in seinen Aufzeichnungen, dass Teile seiner historischen Textsammlungen Ende 1944 verloren gegangen waren. Der Großteil jedoch füllt rund 90 Hefte und Bände, die heute im Kreisarchiv Saarlouis zu finden sind. Auf dieser Grundlage erstellte er das erste und bislang einzige Wallerfanger Geschichtsbuch. Unterstützt von seinem ehemaligen Schüler, dem 1965 verstorbenen Dr. Albert Kronenberger.

Den Entwurf zu „Wallerfangen und seine Geschichte“ übergab er am 10. August 1953 dem örtlichen Rat. Der ernannte Liebertz zum Ehrenbürger. Theodor Liebertz starb am 7. Februar 1959 in Wallerfangen. Als Zugereister hatte er den Blick auf die historische Bedeutung des Ortes geschärft. So wurde er zum Begründer der Wallerfanger Heimatforschung, auch das Heimatmuseum geht auf seine Idee zurück.

Der aus der Eifel stammende Lehrer Theodor Liebertz weckte das Interesse der Wallerfanger an ihrer Geschichte. Foto: Archiv Verein für Heimatforschung Wallerfangen. Foto: Archiv Verein für Heimatforschung Wallerfangen

Zu Ehren von Theodor Liebertz stellt der Verein für Heimatforschung Wallerfangen am Freitag, 22. November, 18 Uhr, in der Aula der Grundschule ein 200 Seiten starkes Buch mit 14 Aufsätzen zu Wallerfanger Themen vor.