Gisinger packen gerne an

Gisingen. Sieben Uhr in der Frühe. Draußen ist es noch dunkel, die ersten Kunden kommen mit einem munteren "Moin" in den Gisinger Saargau-Dorfladen. Darunter auch eine nicht ganz alltägliche Besucherin, nämlich Anke Rehlinger, Ministerin für Justiz sowie Umwelt und Verbraucherschutz im Saarland."Ein Arbeitsgespräch", erklärt sie ihre Anwesenheit

Gisingen. Sieben Uhr in der Frühe. Draußen ist es noch dunkel, die ersten Kunden kommen mit einem munteren "Moin" in den Gisinger Saargau-Dorfladen. Darunter auch eine nicht ganz alltägliche Besucherin, nämlich Anke Rehlinger, Ministerin für Justiz sowie Umwelt und Verbraucherschutz im Saarland."Ein Arbeitsgespräch", erklärt sie ihre Anwesenheit. Den Ort dafür hatte Otmar Weber ausgesucht, Leiter der Agentur ländlicher Raum. Da der Gisinger Dorfladen ein Beispiel sei, was machbar ist, wenn sich Bürger für ihr Dorf einsetzen. Die Einwohner der Dörfer tun sich selbst etwas Gutes, wenn sie tatkräftig anpacken, wird im Laufe des Gespräches deutlich. Denn für die Zukunft sind nicht bloß schrumpfende Finanzen der Gemeinden ein Problem. Hinzu kommen rückläufige Bevölkerungszahlen, zunehmend ältere Bürger und eine steigende Zahl leer stehender Häuser.

Auf diese Entwicklung weist Weber seit Jahren hin und sei dabei oftmals auf taube Ohren gestoßen. In Gisingen jedoch fielen seine Vorschläge auf fruchtbaren Boden. 2004 kauften zwei Bürger die Räume einer früheren Bank und vermieteten sie weiter für einen Dorfladen. Der "Saargau-Dorfladen" öffnete Mitte 2005 und kam gleich bei den Menschen in Gisingen und Umgebung gut an. Fünf Jahre später erfolgte der Umzug zum heutigen Standort in der Gaustraße 28. Inhaberin dieses Vorzeige-Projekts ist Kerstin Hector. "Wenn sie mit 30 oder 40 Jahren nicht im eigenen Ort kaufen", erinnert Weber seit Jahren an die Konsequenzen, "wundern sie sich nicht, wenn sie mit 70 keinen Laden mehr vor der Tür haben". Aber so etwas müsse unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrieben werden. "Da muss man morgens um sechs Uhr parat stehen."

Einen neuen Wanderweg spricht Gisingens Ortsvorsteherin Ulrike Heffinger an. Und es gebe Planungen für ein Projekt, das Wohnen im Alter ermögliche. All das werde von Menschen des 800-Einwohner zählenden Dorfes geplant und umgesetzt. "Wir brauchen in Zukunft noch mehr Mitmacher in den Dörfern", erklärt Weber der Ministerin, "aber nicht immer die gleichen Leute." Dafür mache sich die Agentur ländlicher Raum stark und unterstütze sinnvolle Maßnahmen auch finanziell.

"Die Muskelkraft der Bürger als Kofinanzierung", umreißt Anke Rehlinger den Grundgedanken. Es gehe dabei oftmals um kleine Beträge von 2000 oder 3000 Euro. Ein Vorteil dabei sei, "dass dann auch gemacht wird, was wirklich gebraucht wird". Eine Palette an Vorschlägen und Ideen präsentiert Weber der Ministerin in dem fast zweistündigen Gespräch. Sie werde sich das alles noch in Ruhe ansehen, versprach Rehlinger, dann gebe es ein Folgegespräch.