1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Wallerfangen

Gerüchte und Fakten um das Freibad Wallerfangen

Freibad Wallerfangen : Es ist ein funktionierendes Museum

Ein Gespenst geht um in Wallerfangen. Und das Gespenst heißt „Freibadschließung“. Wir sprachen mit Verwaltung, Bademeister und Förderverein über die Zukunft des Wallerfanger Freibades.

Das Freibad in Wallerfangen ist ein Schmuckstück, allerdings eins, das in die Jahre gekommen ist. „Es ist ein funktionierendes Museum“, sagt der Bademeister des über 50 Jahre alten Bades, Christian Straßburger. Dem entsprechend historisch ist die Technik. „Wir können nur so viel investieren, dass es läuft“, sagt Bürgermeister Günter Zahn, und der Leiter der Kämmerei, Joachim Lay, rechnet vor: „Wir haben in den letzten Jahren etwa 300 000 Euro in die Technik gesteckt. Etwa 100 000 pro Jahr.“ Dazu kommen Unterhaltskosten von rund 400 000 Euro im Jahr. Abzüglich der etwa 100 000 Euro an Einnahmen bleibt ein Defizit von jährlich 300 000 Euro.

Bisher sei so ein Defizit von sechs Millionen Euro aufgelaufen. Freiwillige Schulden, denn der Betrieb eines Freibades ist, laut Kommunalaufsicht, eine sogenannte freiwillige Ausgabe und damit Genehmigungspflichtig. Weshalb der Kampf um die finanziellen Mittel für das Bad mit jedem Haushalt aufs Neue beginnt. Geht es doch hier um einen ziemlichen Brocken bei einem Gesamthaushaltsvolumen von 16 Millionen Euro.

„Davon geht alleine schon ein Drittel an den Landkreis als Umlage“, sagt Lay weiter. Also, knapp über fünf Millionen. Und vom Rest müsse alles in der Gemeinde bezahlt werden, ergänzt Zahn. Schule, Kindergarten, Straßen, Kanäle . . . alles wichtige Bestandteile einer funktionierenden Infrastruktur. Dennoch will man in Wallerfangen das Freibad unbedingt halten.

Förderverein ist außerordentlich rührig

Dazu besteht nicht nur ein Konsens im Gemeinderat. Auch ein eigener Förderverein kümmert sich seit Jahren liebevoll um den Erhalt des Bades, veranstaltet jährlich unter anderem den Aktionstag „Familien in Bewegung“ im Bad, bringt einen Freibadkalender heraus, rührt die Werbetrommel auf dem Nikolausmarkt, bringt sich bei der Pflege des Bades ein, sammelt Spenden, beschafft Material über Crowdfunding-Aktionen (Gemeinschaftsfinanzierungen über das Internet). Derzeit läuft gerade eine Aktion zum Kauf einer mobilen Rutsche. Die in der Region einzigartige Dampfsauna im Freibad läuft mit der Unterstützung des Vereins und auch bei der Anschaffung eines mobilen, barrierefreien Beckenaufzugs war der Förderverein mit im Boot. Die Vorsitzende Jutta Dick ist hier sehr engagiert, knüpft Kontakte zur Landesregierung und versucht ebenfalls für das Bad rauszuholen, was möglich ist.

Dabei sieht sie gerade bei dem Versuch, Fördertöpfe für das Freibad anzuzapfen, bei der Gemeindeverwaltung noch Luft nach oben. „Wallerfangen hätte ein immenses Potenzial“, sagt Dick. Wer an einem Sommertag über den Parkplatz des Bades gehe, sehe Nummernschilder aus dem ganzen Saarland und natürlich auch aus Frankreich, was möglicherweise auch EU-Töpfe erschließen könnte, überlegt sie. Dabei sieht sie das Bad auch im Verbund mit dem Campingplatz und dem ehemaligen Jugenddorf Blauloch. Doch auch dafür müsste Geld in die Hand genommen werden, denn das Blauloch hat derzeit nur zwei bis drei sogenannte Polizeimieter, bietet also Obdachlosen ein Dach über dem Kopf.

Und einmal geht’s dann nicht um Geld

Die Idee vom Gesamtkonzept Bad/Campingplatz/Blauloch findet auch die Verwaltung sehr reizvoll, aber . . . das liebe Geld. Und „es gibt keine Fördertöpfe, die man anzapfen könnte!“, widerspricht Zahn dem Förderverein. Neben der alten Technik, ist auch die Personalsituation des Bades ein Problem. Schon 2018 berichteten wir, dass Wallerfangen mit nur einem Bademeister auskommen muss, unterstützt von einem Kollegen aus Saarlouis, wenn der mal freihat. Die Hoffnung auf Verstärkung aus dem vorigen Jahr hat sich inzwischen wieder zerschlagen. Der Azubi ist nach der Ausbildung in ein anderes Bad gewechselt.

Dennoch wird auch in diesem Jahr ein junger Mann ausgebildet, und es wird händeringend nach Fachpersonal gesucht. Ein symptomatisches Problem auf dem Bademeistermarkt. Die Nachfrage ist groß und die Möglichkeiten der Gemeinde, Anreize zu schaffen, sind minimal. Tariflich sind sie fest gebunden und größere Kommunen mit eigenem Bäderbetrieb und Hallenbad bieten attraktivere Beschäftigungsmöglichkeiten. „Ich kann die Arbeit von Herrn Straßburger so toll finden wie ich, ich darf ihm nicht mehr bezahlen“, sagt Zahn.

Es liegt einiges im Argen mit dem Wallerfanger Bad und derzeit sieht es so aus, als könne man sich einfach nur von Jahr zu Jahr weiter hangeln. Für eine Grundsanierung, die schätzungsweise vier Millionen Euro kosten würde, oder eine Verkleinerung des Bades – auch die wird mit 2,5 Millionen Euro veranschlagt – ist kein Geld da. Sicher ist jedoch, dass das Bad auch in diesem Sommer öffnen wird. Der genau Termin steht allerdings noch nicht fest. Daran ist mal nicht das Geld schuld – das hängt vom Wetter ab.