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„Es ist das beste Festival im Südwesten“

„Es ist das beste Festival im Südwesten“

Die Saarbrücker Sommermusik (SSM) hat einen hohen künstlerischen Anspruch, zahlt aber mangels Etat minimale Gagen. Trotzdem erfreut sich das von Kulturamtsmitarbeiter Thomas Altpeter geleitete Festival seit Jahren bei den Künstlern größter Beliebtheit. SZ-Redakteurin Susanne Brenner wollte von einigen der Stammkünstler wissen, warum das so ist.

Sie alle sind seit vielen Jahren fester Bestandteil der Saarbrücker Sommermusik. Was macht dieses Festival für Sie so wichtig?

Martin Tchiba: Die Sommermusik ist mit ihrem Konzept und ihrer künstlerischen Innovationskraft auch im bundesweiten Maßstab ein einzigartiges Event . Mit meinen regelmäßigen Auftritten möchte ich weiterhin zur lebhaften Ausgestaltung des Festivals beitragen. Zudem hat sich ein tolles und breites Stammpublikum gebildet, das die Konzerte Jahr für Jahr mit großem Interesse verfolgt.

Götz Hartmann: Entscheidend ist für mich der programmatische Ansatz von Thomas Altpeter, die große Freiheit, innerhalb des vorgegebenen Themas Projekte realisieren zu können mit Werken, die man immer schon einmal spielen wollte. Dazu gibt es mittlerweile eine persönlich- freundschaftliche Verbindung zu Thomas.

Barbara Schachtner : Durch Thomas Altpeters Anregungen für neue Konzertprogramme wurde das Repertoire unseres Ensembles Unterwegs wunderbar angereichert. Diese Inspiration ist uns vieren sehr wichtig geworden, und wir wissen die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Thomas Altpeter und dem Küster der Schinkelkirche in Bischofsheim sehr zu schätzen. Auch haben wir mittlerweile ein sehr beständiges Publikum, was uns sehr freut und anrührt.

Christof Thewes: Es ist eins der wenigen Festivals im Saarland, das in kleineren Räumen stattfindet und auf Inhalt statt Eventkultur aufbaut.

Stefan Scheib: Die Sommermusik präsentiert ihr Programm einem immer größer werdenden Publikum, baut damit Berührungsängste gegenüber avancierten Kunstformen ab und trägt zu deren Verständnis bei, bringt diese sozusagen in die Breite. Das spürt man zum Teil im Vergleich zu anderen Städten.

Sie bringen immer wieder großen künstlerischen Einsatz bei doch eher sehr bescheidener finanzieller Vergütung. Warum?

Ralf Peter: Ich würde mal ganz offen und wenig romantisch sagen, als Künstler kann man nicht anders, als künstlerische Projekte anzugehen. Das ist wie atmen.

Stefan Scheib: Einerseits, weil ich die Idee Sommermusik unterstützen möchte, andererseits möchte der Stadt etwas zurückgeben. Schließlich wurden und werden ja auch Produktionen von mir gefördert.

Christof Thewes: Weil die Stadt und das Land für andere Dinge das gesamte Geld verprassen - Stichwort: Eventkultur - und man für meine Art der Musik im Saarland leider nicht mehr Geld bekommt, nimmt man, was man kriegt. Ich bin ja kein Hobbykünstler. Leider sind wir saarländischen Künstler dem Saarland halt nicht so wichtig, weder im Jazz noch in sonstigen Bereichen. Allerdings merkt man, dass sich in dem Bereich mit Tommy Brück (dem neuen Kulturdezernenten, die Red) einiges ändert, und ich bin für die Zukunft sehr optimistisch.

Martin Tchiba: Ich trete bei der Sommermusik auf, weil ich von der Wichtigkeit der Veranstaltungsreihe und der Richtigkeit des Konzepts überzeugt bin. Die bekanntermaßen sehr niedrige finanzielle Vergütung betrachte ich als eine Art Aufwandsentschädigung. Freilich wäre es gut, wenn die finanziellen Mittel vorhanden wären, die Sommermusik-Honorare zumindest ein wenig nach oben anzupassen.

Worin liegt jenseits der Kunst der professionelle Nutzen des Festivals für Sie? Knüpft man hier Kontakte für spätere Aufträge vielleicht? Ist der Auftritt hier gut fürs Netzwerken? Bringt er Renommee?

Götz Hartmann: Eher nicht.

Stefan Scheib: Eher weniger.

Martin Tchiba: Mich interessieren in diesem Zusammenhang die inhaltlichen/musikalischen Aspekte.

Christof Thewes: Jede Auftrittsmöglichkeit ist für uns von Vorteil, was Kontakte ect. angeht. Wir können es uns als Profis gar nicht leisten, auf Jobs zu verzichten. Leider ist Thomas Altpeter im Saarland der Einzige - neben iniart und dem Spielraum Heiligenwald in Schiffweiler -, der experimentelle Musik fördert.

Wie war der Jahrgang 2016 für Sie? Einer der guten? War das Thema reizoll und inspirierend?

Martin Tchiba: Auf jeden Fall! Die von Thomas Altpeter entwickelten Themen der Sommermusik nehme ich stets zum Anlass, auch neues Repertoire zu erkunden. Oft inspirieren mich die Sommermusik-Themen auch zu anderen Projekten: Das Programm, das ich für die diesjährige Sommermusik entworfen habe, spiele ich z.B. jetzt auch in Düsseldorf.

Ralf Peter: Ich muss sagen, dass ich mich mit Adelbert Chamisso, dem diesjährigen Stichwortgeber, ohne die SSM wohl eher nicht befasst hätte. Sein Oeuvre ist aber wirklich entdeckenswert, vor allem die längeren Balladen. Das haben auch die Reaktionen des überraschten Publikums gezeigt.

: Für mich persönlich war 2016 ein wundervolles Jahr. Ich war bislang mit zwei Konzerten bei dem Festival dabei, gerade erst als Solistin für die Uraufführung von Maria Teresa Treccozzi. Und die "Winterreise", die ich mit dem Ensemble Unterwegs darbringen werde, steht noch bevor. Wir freuen uns darauf.

Christof Thewes: Hervorragend. Tolle Konzerte. Die von Altpeter angestoßenen Themen der Sommermusik sind immer inspirierend. Es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten.

Götz Hartmann: Für mich war Adelbert von Chamisso eine Entdeckung.

Bleiben Sie der Sommermusik auch im nächsten Jahr erhalten?

Barbara Schachtner : Gerne kommen wir 2017 wieder. Wir sind schon sehr darauf gespannt, welches Thema sich Thomas Altpeter für das kommende Jahr einfallen lässt.

Götz Hartmann: Sehr gerne bin ich auch nächstes Jahr wieder dabei.

Ralf Peter: Ich freue mich sehr auf die neuen Herausforderungen 2017. Überhaupt finde ich für mein künstlerisches Arbeiten Themenvorgaben sehr reizvoll. Man entdeckt Dinge, auf die man sonst eher nicht gestoßen wäre.

Martin Tchiba: Ja, sehr gerne. Die Sommermusik hat für mich eine Art Tradition - oft nehme ich sie zum Anlass, mit meiner Freundin auch noch einige Tage nach dem Konzert im schönen Saarland zu verweilen, so auch dieses Jahr.

Christof Thewes: Wenn ich darf, selbstverständlich. Es ist das mit Abstand beste Festival des südwestdeutschen Raums - neben dem Saarbrücker Freejazzfestival.

Stefan Scheib: Ich denke, ja.

Zum Thema:

Barbara Schachtner (´in der Mitte) und das Ensemble Unterwegs haben treue Fans in Saarbrücken. Foto: Klaus Betzel Foto: Klaus Betzel
Stefan Scheib und Katharina Bihler. Foto: Kerstin Krämer Foto: Kerstin Krämer

Zur Person Was bedeutet die Saarbrücker Sommermusik für die Künstler? Das wollten wir von langjährigen Teilnehmern des Festivals wissen. Die befragten Künstler gehören dabei zu ganz unterschiedlichen musikalischen Genres. Barbara Schachtner ist klassische Sängerin und Performerin und Mitglied des Ensembles Unterwegs. Sie sind seit einigen Jahren regelmäßig Gäste beim Festival. Stefan Scheib bildet im Duo mit seiner Partnerin Katharina Bihler das Liquid Penguin Ensemble, über die Landesgrenzen bekannt für seine Klänge erforschenden Performances. Martin Tchiba ist klassischer Pianist, hat länger in Saarbrücken gelebt und reist jedes Jahr für die Sommermusik an. Götz Hartmann ist Geiger und Dirigent und leitet mehrere regionale Ensembles, darunter das Kammerorchester Ricercare, das traditionell das Abschlusskonzert des Festivals gestaltet. Christof Thewes ist als experimenteller Jazz-Posaunist eine der herausragenden Künstler-Persönlichkeiten im Land. Ralf Peter ist Countertenor in Saarbrücken und arbeitet genreübergreifend mit Kollegen, auch gern experimentell. red