Kirchen-Schicksale: Entweihung nach genau 60 Jahren

Kirchen-Schicksale : Entweihung nach genau 60 Jahren

Die Friedhofskapelle in Oberlimberg wird nicht mehr als kirchliches Gebäude genutzt. Der offizielle Akt, bei dem die Reliquien aus dem Altar genommen werden, ist am 15. August.

Seit dem 1. April 1936 gehört Oberlimberg als bevölkerungsmäßig kleinster Ortsteil politisch zu Wallerfangen. Bis dahin war der Ort mit Rehlingen, Büren/Itzbach/Siersdorf (seit dem 1.4.1937 Siersburg), Fremersdorf und Eimersdorf Bestandteil des früheren Amtes Rehlingen. Seit seiner Gründung im Jahre 1706 gehört Oberlimberg zur Pfarrei Itzbach beziehungsweise Siersburg.

Die Jahrhunderte alten Bindungen der Oberlimberger zur Pfarrei „St. Martin“ Siersburg waren für die Oberlimberger Grund, auch nach ihrer Vereinigung mit Wallerfangen in der Pfarrei Siersburg zu bleiben.

Von alters her ist Oberlimberg ein Ort christlicher Verehrung gewesen. In einem Akt des Rehlinger Tabellions (Notars) Artois vom 19. Juli 1721 ist von einer Kapelle zu Limberg die Rede, die wohl in Oberlimberg gestanden hat. In einem Visitationsbericht von 1783 wird von einer ehemaligen öffentlichen Kapelle im Ort berichtet, die zerstört sei.

Vor vielen Jahrzehnten pilgerten schon die Gläubigen an Karfreitag zum Oberlimberg. Aus dem früheren rein religiösem Brauch ist längst ein Volksfest geworden, das als „Kässchmieressen“ bekannt wurde.

Da die Toten von Oberlimberg auf dem Friedhof in Itzbach beigesetzt wurden, gab es 1956 erste Pläne, in Oberlimberg eine Friedhofskapelle zu errichten. Am 10. Februar 1957 kam es zur Gründung eines Kapellenbauvereins. Erster Vorsitzender wurde der Hüttenarbeiter Johann Bauer.

Der Oberlimberger war ein Energiebündel ohnegleichen. Er verhandelte mit den kirchlichen und weltlichen Behörden, organisierte ebenso erfolgreiche Spendenaktionen wie Tausende ehrenamtlicher Arbeitsstunden. In einer handschriftlichen Chronik von mehr als 230 Seiten hat er alles akribisch festgehalten.

Die Planung der Kapelle „Zur lieben Frau“ übernahm Dipl.-Ing. Konny Schmitz aus Dillingen. Ihm ist das architektonisch hervorragende Bauwerk zu verdanken.

Am 12. Juli 1959 fand die Grundsteinlegung statt. Dechant Alois Molter (Dillingen-Pachten) nahm die Einweihung vor.

Bei der Gestaltung der Gottesdienste in Oberlimberg wurde der Siersburger Pfarrer jahrelang von Patres aus dem lothringischen Tétèrchen und den Jesuitenpatres aus Saarlouis unterstützt.

Dechant Ingo Flach (Siersburg) hat nun angekündigt, dass die Oberlimberger Kapelle „mangels mitfeiernder Gemeinde“ nicht mehr genutzt werde. Nach gemeinsamer Beratung, Prüfung und Abwägung aller Argumente habe man sich für die Profanierung („Entweihung“) entschieden.

Flach dankte den Ehrenamtlichen, die sich viele Jahre für die Kapelle engagiert haben, stellvertretend den Küsterinnen Magda Bommersbach-Ehre, Aline Coughlan und Christel Ehre. Es gibt natürlich auch eine Reihe kritischer Stimmen gegen die „Entweihung“ ihrer Kapelle.

Die Marienkapelle im Wallerfanger Ortsteil Oberlimberg dient künftig nicht weiter als Gottesdienstraum. Was künftig mit ihr geschieht, ist derzeit noch offen. Foto: Erhard Grein

Am Hochfest „Mariä Himmelfahrt“, 15. August, beginnt um 10.30 Uhr in Oberlimberg das Festamt mit Kräuterweihe und der anschließenden Profanierung der Kapelle. Nach der Verlesung der Profanierungsurkunde und der Entfernung der Reliquien aus dem Altar kann das Gebäude anschließend in eine andere Nutzung übergehen. Marco Michel, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Siersburg, teilte mit, dass es bisher noch von keiner Seite aus ein Interesse an der Übernahme des Gebäudes gibt.

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