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Endgültiges Aus für das Jugenddorf

Endgültiges Aus für das Jugenddorf

2005 hat sich der Landkreis schon vom früheren Jugenddorf im Wallerfanger Blauloch getrennt. Die Gemeinde übernahm es, hat aber keine Pächter mehr gefunden. Jetzt kauft die Naturlandstiftung Saar das Gelände und renaturiert es.

Das ehemalige Jugenddorf Blauloch wird verkauft: Die Naturlandstiftung Saar (NLS) will das seit zweieinhalb Jahren komplett brachliegende Gelände renaturieren. Zuletzt hatte der Partyservice und Schulcaterer Rettel das Anwesen, das unter anderem über eine Großküche verfügt, gepachtet. Ende 2012 war die Firma jedoch nach Saarwellingen umgezogen. Nachdem die Gemeinde Wallerfangen als Eigentümer keinen Pächter mehr für die frühere Freizeitanlage des Landkreises gefunden hatte, war ihr Verkauf die letzte Möglichkeit, schildert Bürgermeister Günter Zahn .

Alle Ideen scheiterten

Die Naturlandstiftung bot nun der Gemeinde Wallerfangen 30 000 Euro für das rund 3,5 Hektar große Grundstück. Darauf befinden sich noch die sieben inzwischen baufälligen Nur-Dach-Häuser sowie das zentrale Versorgungshaus mit Küche und Speisesaal.

Der Gemeinderat hat dem Verkauf zugestimmt, nur der Landkreis, von dem Wallerfangen das Gelände 2005 zum symbolischen Preis von einem Euro übernommen hatte, muss noch grünes Licht geben.

1981 hatte der Landkreis das Freizeitdorf nahe dem Wallerfanger Schwimmbad eröffnet. Die gut ausgestattete Anlage für Jugendliche kostete damals 2,2 Millionen Mark. Das Konzept der Jugendbildung wurde mit den Jahren aber immer unattraktiver; auch der Versuch des Landkreises, dieses auszuweiten, etwa auf Wanderer oder Senioren, scheiterte. Letztlich kostete die Anlage den Kreis 150 000 Euro im Jahr, er trennte sich von ihr.

Häuser werden abgerissen

Das Gelände will die NLS renaturieren: Das heißt, die Nur-Dach-Häuser werden abgerissen, Flächen entsiegelt, etwa alte Tennis- und Volleyballfelder , der Spielplatz wird abgebaut, der verrohrte Bachlauf soll gepflegt werden, berichtet Eberhard Veith, Geschäftsführer der NLS. Langfristig will die NLS den gesamten Bachlauf bis zum Sportplatz hin rekultivieren, entsprechende Grundstücksanfragen liefen bereits. Wallerfanger Bürger und Vereine sollen das festgebaute Haus auf dem Gelände aber in Zukunft noch nutzen können, sagte Veith zu.

Obwohl das ehemalige Freizeitdorf attraktiv ausgestattet war, war es nahezu unmöglich, einen neuen Pächter zu finden, erklärt Zahn: Denn die Lage und Zuwegung über Feldwirtschaftswege ist schwierig. Zwar gab es etliche Interessenten, darunter einen Kletterpark und eine Jugendorganisation. Doch liegt das Gelände außerhalb des Bebauungsplan, was zum Beispiel den Bau einer Halle unmöglich macht. Zudem gab es einen hohen Sanierungsbedarf an den Hütten, die zum Beispiel auch den Brandschutzbestimmungen nicht mehr entsprachen. Letzteres machte den Weiterbetrieb als Jugenddorf oder -herberge noch uninteressanter. "Auch sind die Häuser nicht mehr auf dem Stand dessen, was die Jugend heute erwartet", meinte Zahn. "Und die Nähe zum Schwimmbad und zu Wanderwegen reicht heute nicht mehr aus."

Meinung:

Den Klotz vom Bein geschafft

Die Nur-Dach-Häuser waren 1981 hochmodern, heute sind sie nicht mehr zeitgemäß.

Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Auch wenn es etwas schade ist, dass nun eine einzigartige Freizeitstätte das Zeitliche segnet, war schon lange klar, dass es so kommen musste. Das Konzept des Jugenddorfs ist zwar romantisch, aber nicht mehr zeitgemäß. Selbst Jugendherbergen müssen heute eine gehobene Ausstattung bieten, um noch Gäste anzuziehen. Klassenfahrten gehen eher nach London oder in die Toskana als ins Blauloch. Die Gemeinde hat jetzt einen Klotz vom Bein, der nur Geld kostet.