"Ein Kuhhandel ist das!"

Saarlouis. Die Praxisgebühr fällt weg, das Betreuungsgeld kommt - das sind die zentralen Ergebnisse des Koalitionsgipfels von CDU, CSU und FDP am Sonntag

Saarlouis. Die Praxisgebühr fällt weg, das Betreuungsgeld kommt - das sind die zentralen Ergebnisse des Koalitionsgipfels von CDU, CSU und FDP am Sonntag. Ein Jahr vor der Bundestagswahl ist es den kleinen Partnern der Koalition damit gelungen, eigene Themen durchzubringen: Für ihre Zusage zu dem CSU-Projekt Betreuungsgeld setzte die FDP ihre Forderung durch, die Praxisgebühr wieder abzuschaffen. Von einer Katastrophe sprach die Opposition, die rechtliche Schritte gegen das Betreuungsgeld androhte.Dass der Wegfall der Praxisgebühr im Paket mit dem Betreuungsgeld geschnürt wurde, stößt am Tag danach auch in Saarlouis auf allgemeine Kritik.

"Grundsätzlich sollte jedes Thema einzeln beschlossen werden", sagt Manfred Hammes aus Lauterbach. "Es ist furchtbar, dass die Regierung einen Deal aus Koalitionszwängen heraus beschlossen hat. Das ist schlechter politischer Stil", urteilt der 54-Jährige.

Auch Karl-Heinz Schmitt erkennt in den Beschlüssen ein Taktieren der Bundesregierung. "Die Koalition muss etwas tun. Sie stellt sich zerstritten dar", sagt er. "Bis zur Wahl muss sie zusammenstehen." Dass die Praxisgebühr nun wegfällt, sieht er als Wahlgeschenk. "Ohne Wahlen würde sie weiter bestehen", sagt der 65-jährige Schwalbacher.

Ähnlich sieht das auch Erika Wilhelm aus Beaumarais, die für ihren Ärger knappe Worte findet: "Ein Kuhhandel ist das!"

Dem gegenüber steht die Erleichterung, die viele durch den Wegfall der Praxisgebühr unmittelbar spüren werden. "Es ist wunderbar", sagt Barbara Mai, "denn ich brauche wirklich Medikamente." Zweimal im Jahr zum Zahnarzt, dazu der Hausarzt, "das ist viel Geld, deshalb bin ich froh, dass die Gebühr abgeschafft wird", sagt die 54-jährige Lauterbacherin.

Auch Christian Solander begrüßt den Wegfall der Kosten: "Die Praxisgebühr ist äußerst umständlich", sagt er. "Wenn man mal keine Zeit hat, sich erst eine Überweisung beim Hausarzt ausstellen zu lassen, kommen schnell 20 bis 30 Euro im Quartal zusammen", sagt der 49-Jährige aus Wallerfangen. "Dazu kommen die langen Wartezeiten in den Praxen."

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Anstatt auf die Praxisgebühr zu verzichten, sollten die Kassen die Überschüsse sparen, findet Karl-Heinz Schmitt: "Durch die Rücklagen könnten Beitragserhöhungen abgefangen werden."

 Alexandra Böttcher aus Hostenbach
Alexandra Böttcher aus Hostenbach
 Barbara Mai aus Lauterbach Fotos: Sascha Schmidt
Barbara Mai aus Lauterbach Fotos: Sascha Schmidt
 Manfred Hammes, Lauterbach
Manfred Hammes, Lauterbach
 Christian Solander aus Wallerfangen
Christian Solander aus Wallerfangen
 Alexandra Böttcher aus Hostenbach
Alexandra Böttcher aus Hostenbach
 Barbara Mai aus Lauterbach Fotos: Sascha Schmidt
Barbara Mai aus Lauterbach Fotos: Sascha Schmidt
 Manfred Hammes, Lauterbach
Manfred Hammes, Lauterbach

Für Alexandra Böttcher ist es der falsche Weg, dem Gesundheitssystem die zusätzlichen Einnahmen der Gebühr zu nehmen. "Die Leute haben sich daran gewöhnt", sagt sie. "Mit dem Geld sollten Leistungen finanziert werden, die in der Vergangenheit Kürzungen zum Opfer fielen - Rollstühle oder Kuren", sagt die 41-jährige Hostenbacherin. "Die Politik verschenkt Milliarden mit der Abschaffung der Praxisgebühr", findet sie, "und in zwei, drei Jahren sind die Kassen wieder pleite."