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Flurschäden
„Düren ist kein Truppenübungsplatz!“

Die Bundeswehr hinterlässt Spuren: Auch wenn die Fallschirmjäger hier regelmäßig landen, sorgen derzeit besonders tiefe Furchen und Wendespuren der schweren Bundeswehrfahrzeuge in Düren für Ärger.
Die Bundeswehr hinterlässt Spuren: Auch wenn die Fallschirmjäger hier regelmäßig landen, sorgen derzeit besonders tiefe Furchen und Wendespuren der schweren Bundeswehrfahrzeuge in Düren für Ärger. FOTO: Martin Horsch
Düren. Durch Sprungübungen der Bundeswehr hinterlassene Flurschäden sorgen in der Dürener Bevölkerung für Ärger. Von Jörg Laux

Düren ist seit jeher Absetzplatz der Saarlandbrigade der Fallschirmjäger, was regelmäßig zu mehr oder weniger großen Flurschäden um den Absetzplatz am Flughafen des Wallerfanger Ortsteils führt. Ein Zustand, der Leserreporter Martin Horsch ärgert, weshalb er sich an unsere Zeitung wandte. Nun fand im Dorfgemeinschaftshaus Düren ein Treffen zwischen Gemeindevertretern, der Bundeswehr und einigen betroffenen Bürgern und Landwirten statt.


Die Stimmung im Dürener Dorfgemeinschaftshaus war trotz des ernsten Anlasses entspannt, als Martin Horsch nebst einiger Dürener Landwirte dem Unmut über die Hinterlassenschaften des jüngsten Sprungdienstes der Fallschirmjäger Luft machten: Teilweise seien die Feldwege zerstört, die schweren Bundeswehrfahrzeuge hätten tiefe Wendespuren auf Äckern und große Furchen in den Wiesen hinterlassen. Kein schöner Anblick, so Martin Horsch. Und nicht nur das. Die Wege seien teilweise nicht mehr passierbar. „Düren ist doch kein Truppenübungsplatz! Das sind landwirtschaftliche Flächen“, fasst er seinen Frust zusammen.

Vor allem befürchten die Dürener, dass es in diesem Jahr besonders heftig werden könnte, denn nie zuvor wurde in Düren so oft gesprungen, wie es in diesem Jahr geplant ist. „Früher war das fünf oder sechs Mal im Jahr“, sagte Marie Luise Grundhefer, Ortsvorsteherin des Wallerfanger Ortsteils Düren. „In diesem Jahr stehen allerdings 13 Sprungdienste auf der Liste.“



Der Vertreter der Bundeswehr, Hauptmann Frank Stautz, nahm die Bedenken mit großer Ernsthaftigkeit auf. Tatsächlich sei es so, dass seitens der übenden Soldaten immer wieder vereinzelt eine gewisse Gedankenlosigkeit zu beobachten sei, der man allerdings mit allen gegebenen Möglichkeiten entgegentrete. „Wir weisen jedes Mal darauf hin“, so Hauptmann Stautz. Allerdings könne man nicht garantieren, „dass es irgendein Idiot nicht rafft!“

Dennoch werde man hier die Sensibilisierung der Soldaten noch einmal intensivieren. Werkzeuge hierzu seien ein Grundsatzbefehl zum angemessenen Fahren und klare Vorgaben bezüglich der Wege, die befahren werden dürfen. Laut Agrar-Ingenieurin Petra Geiger, die am Standort Saarlouis für die Schadensregulierung nach solchen Sprungdiensten zuständig ist, hätten die gemeldeten Schäden jedoch nicht zugenommen. Die Landwirte würden regelmäßig von der Bundeswehr entschädigt. Das funktioniere auch reibungslos, unterstrich Bürgermeister Günter Zahn.

Auch vom Flugplatz Düren selbst gebe es keine Probleme mit der Bundeswehr, ergänzte Andreas Michels, seitens des Landkreises Geschäftsführer des Flugplatzes. Dennoch sei zu erwarten, dass die Belastung in diesem Jahr durch die Sprungdienste höher ausfallen werde als in der Vergangenheit. Den Hintergrund erläuterte Hauptmann Stautz. Von ehemals elf Absetzmöglichkeiten in der Region seien im Laufe von 16 Jahren nur noch zwei übrig geblieben. Einer sei Düren, der andere Weierweiler, der allerdings aufgrund einer Photovoltaikanlage wegfalle.

Es bleibt also nur noch Düren, was natürlich dazu führt, dass die Sprungfrequenz hier 2018 stark zunimmt. „Wir sind überall – teilweise auch in Luxemburg und Frankreich – auf der Suche nach geeigneten Absetzplätzen“, versichert Stautz. Allerdings bis dato ohne Erfolg, gestand er ein. „Das Saarland ist von seiner Lage her schlecht für Springer“, so der Fallschirmjäger. Auch vor diesem Hintergrund wolle die Bundeswehr wieder enger mit Gemeinde und Bürgern zusammenrücken. „Wir hatten immer ein gutes Miteinander“, fasst Stautz zusammen.

Damit das auch so bleibt, wurde gleich vereinbart, dass eine neue Schadensaufnahme vor Ort und ein gemeinsamer Termin mit dem Bauamt stattfinden sollen. Für Leserreporter Horsch war das Treffen mit der Bundeswehr unter dem Strich in Ordnung. Er hofft auf das Verantwortungsbewusstsein der Soldaten, Flurschäden so weit es geht zu vermeiden. „Die Bundeswehr soll den Platz einfach so verlassen, wie sie ihn vorgefunden hat“, so sein Wunsch. „Die Bevölkerung soll die Bundeswehr nicht als Belastung wahrnehmen“, formulierte Bürgermeister Zahn abschließend seine Hoffnung. Einzig bittere Pille: Die Zunahme an Sprungdiensten in Düren, zumindest in diesem Jahr, wird aus Mangel an Alternativen nicht zu vermeiden sein. Gerade vor diesem Hintergrund bleibt seitens aller Beteiligten zu hoffen, dass ein vernünftiges und verantwortungsvolles Miteinander das zukünftige Handeln bestimmen. Man bleibt im Dialog.

Tiefe Gräben
Tiefe Gräben FOTO: Martin Horsch