Dreifarbig freundliches Willkommen

Wallerfangen · Drei große, farbig voneinander abgesetzte Abteilungen umfasst das neu zugeschnittene Heimatmuseum Wallerfangen: Kelten und Römer, das Mittelalter und das 19. Jahrhundert, in dem die Keramik-Fabrik Villeroy & Boch den Ort prägte.Die Macher des Museums standen vor der Aufgabe, Informationen und Exponate einer langen Geschichte sinnvoll auf dem relativ engen Raum der früheren Schule auf der Adolphshöhe unterzubringen.

Heißt: zu verdichten. Das ist gelungen. Vor allem die Präsentation zeigt sich absolut professionell.

Auf Wallerfanger Gebiet haben seit der Steinzeit Menschen gelebt, und sehr früh, seit der Mittleren Bronzezeit, haben sie hier kontinuierlich gesiedelt. Über diese keltischen Anfänge informiert ein neu eingerichteter Kellerraum. Die kostbaren Wallerfanger Funde der keltischen und der römischen Zeit liegen allerdings in anderen Museen, sind hier nur durch Abbildungen vertreten. Dafür veranschaulicht ein neues, aufwendiges Geländemodell, das im 3D-Druck hergestellt wurde, wo und warum hier die ersten Befestigungen entstanden: die Ringwälle auf dem Limberg, die mittelalterliche Hansenburg. Das Modell ließe sich sicher noch ausführlicher nutzen.

Instruktiv auch die Erläuterungen zu einer weiteren Besonderheit Wallerfangens, dem Azurit-Bergwerk in St. Barbara, das die Römer anlegten, und das bis ins 19. Jahrhundert benutzt wurde. Die Texte für diesen Bereich schrieb Dr. Rudolf Echt, Professor für Vor- und Frühgeschichte und Mitglied des Vereins.

Helmut Grein schrieb die Texte zum kleinen Raum über Mittelalter und frühe Neuzeit in Wallerfangen. Eines der wenigen neuen Exponate dort ist ein schweres Würfelkapitell und eine wohl antike, im Mittelalter wiederverwendete Säule mit skulptiertem Kapitell. Die Stücke stammen von einer Burg auf dem Humberg und werden um 1000 datiert.

Sehenswert auch ein Alabaster-Relief, aus dem 16. Jahrhundert, endlich würdig präsentiert.

Eine große Tafel erinnert daran, dass Lothringen zu den Regionen mit den meisten Hexenverbrennungen gehörte und Wallerfangen darin eine der traurigsten Bilanzen vorweisen muss. Über 100 Männer und Frauen wurden in den Jahrzehnten vor und nach 1600 als Hexer oder Hexen verbrannt, erklärt der Vorsitzende des Vereins für Heimatforschung, Dr. Peter Winter . Die Tafel im Museum nennt die Namen vieler von ihnen.

Festlesen kann man sich auch an einer Karte, die zeigt, wie groß der Bezirk des Herzogtums Lothringen war, der von Wallerfangen aus verwaltet wurde: das so genannte Bellistum, das die deutschsprachigen Gebiete Lothringens umfasste.

Es gehört zur Tragik des Ortes, dass ihm immer wieder genommen wurde, was er doch hatte. Im Dreißigjährigen Krieg zum Beispiel wurde Wallerfangen 1635 komplett zerstört. Kaum wieder aufgebaut, ließen es die Militäringenieure des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. 1688 ganz abreißen, den Ort auflösen. Die Bewohner, selbst die Steine ihrer Häuser, kamen ins neu entstehende Saarlouis.

Genommen wurde Wallerfangen 1931 auch das, was dem Ort bis heute wohl die größte Bekanntheit beschert: die Keramikfabrik von Villeroy und Boch. Technologischer Fortschritt, Wirtschaftskrise und die ungewisse Zukunft der Saar zwischen Deutschland und Frankreich trugen dazu bei, erklärt Winter . Er hat den dritten und größten Raum des Museums konzipiert, die Texte geschrieben: gewidmet der Keramik-Fabrik Villeroy und Boch. 1791 hatte Nicolas Villeroy die Produktion aus Frauenberg auf der französischen Blies-Seite hierher verlegt. Drei große, vornehm blau gestaltete Vitrinen zeigen Produkte in zeitlicher Reihenfolge. An der Außenseite komplettieren Dokumente der Fabrikgeschichte die Exponate . So sind Protokolle zu sehen, in denen die preußische Provinzregierung kontrolliert, ob die Vorschriften für die Kinderarbeit eingehalten wurden. Die Fabrik ließ ihre Arbeiter zwischen 1880 und 1901 mehrfach durchfotografieren. Einzigartig, dass der für Wallerfangen grundlegende Heimatforscher Theodor Liebertz die meisten der Dargestellten identifizieren konnte. Im Museum sind die Ergebnisse als Album ausgestellt, in dem man blättern kann.

In die Hand nehmen kann man auch stabile Papptafeln mit Fotos diverser Dokumente, die lesbare Übertragung in heutiges Deutsch auf der Rückseite. Davon könnte man sich noch mehr wünschen. Oder es gleich so machen wie viele englische Heimatmuseen . Die legen Scherben in einen kleinen Sandkasten, damit Besucher ein Stück Geschichte in die Hand nehmen können. Und Scherben aus der alten V&B-Produktion gibt es ja genug.

Der Verein für Heimatforschung ist Träger des Museums auf der Adolphshöhe, einem städtebaulich reizvollen Quartier aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Gut eine viertelmillion Euro hat der Verein für den Umbau aufgebracht; 100 000 Euro davon eigene Mittel, wie Winter betont. Das Geld stammt unter anderem aus den Einnahmen der Keramikmärkte auf der Adolphshöhe.

Verein-fuer-heimatforschung-wallerfangen.de

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort