Die Schloss-Malerin

Ihre Sujets sind vielfältig, ihre Produktivität beeindruckend: Odile Villeroy de Galhau, die in einem Schloss in Wallerfangen wohnt und deren Familie Teilhaber der Weltfirma Villeroy und Boch ist, malt mit Leidenschaft. Wir haben sie besucht.

Bescheiden und freundlich bittet die Dame des Hauses hereinzukommen durch das Portal in die prunkvollen, geschmackvoll und stilgerecht eingerichteten Räume von Schloss Wallerfangen , dem Stammsitz der Familien-Mitglieder derer von Villeroy, Repräsentanten und Teilhaber der Weltfirma Villeroy und Boch. Madame Odile Villeroy de Galhau, 79, zeigt Kunstliebhabern auf Wunsch gerne schon mal ihr Maler-Atelier in der ersten Etage mit Blick auf die 200 Jahre alten Bäume im Schlosspark. Dass sie diese stolzen Buchen und Platanen aus der Zeit um 1820, der Zeit des Schloss-Baus, besonders liebt und sich schon lange mit ihnen verbunden fühlt, fällt gleich ins Auge, wenn Madame ihre Kunstmappen zum Thema Bäume aus einem der Regale zieht. Auf ihren Zeichnungen und Radierungen hat sich die Naturliebhaberin in letzter Zeit bevorzugt mit der besonderen Ausstrahlung uralter Bäume künstlerisch auseinandergesetzt. Ihr Sohn Matthieu, Schriftsteller und Journalist, hat gerade einen Teil dieser Baum-Kunstwerke in einem Buch seiner Mutter als Baum-Portraits mit poesiehaften Texten versehen. Odile Villeroy hat zusammen mit ihrem Mann Claude insgesamt fünf Kinder großgezogen, vier Söhne und eine Tochter, die im Schloss Wallerfangen einen Teil ihrer Kindheit und Jugend verbrachten.

In einem der Schloss-Flure hängt ein Ölbild, auf dem sie in den 80er Jahren auf originelle Weise ihre Kinder verewigt hat: Es ist ein Stillleben, das lediglich die Freizeit-Schuhe zeigt, in denen sie zuvor im Schlosspark herumgetollt waren, so wie die fünf sie gerade auf dem Gras haben liegen lassen. Wenn François, ältester der vier Söhne , und seit dem letzten Jahr Chef der französischen Nationalbank, mehrmals "Heimaturlaub" im Saarland macht, muss er jedesmal schmunzeln über dieses ausdrucksstarke Bild.

Noch ein anderes Thema setzt Odile Villeroy in den letzten Jahren besonders gerne um: Es sind die durch Erosion und Wasser geformten Felsen der Bretagne. Hier hat sie als Kind und Jugendliche oft ihre Ferien verbracht. Das Haus und der Park aus Familienbesitz bleibt ihre zweite Heimat. Mindestens zweimal im Jahr fährt sie zusammen mit ihrem Mann dorthin, um Urlaub zu machen und natürlich zu malen.

"Für mich ist die Natur die größte Künstlerin. Formen und Farben hat sie in unendlicher Weise zu bieten. Ich interpretiere sie lediglich durch meine Malerei", sagt Odile Villeroy zu ihrer gegenständlichen Kunst. Die begleitet sie seit ihren Kindheits- und Jugendjahren. An der renommierten Kunsthochschule "Ecole du Louvre " sowie an der Sorbonne in Paris studiert sie mit Anfang 20, unter anderem Kunstgeschichte.

Als Odile Villeroy zusammen mit ihrer Familie 1982 das Schloss in Wallerfangen bezieht, wird sie im Saar-Lor-Lux-Raum auch künstlerisch aktiv. Sogleich ist sie Mitbegründerin einer Künstlergruppe in Metz. Aktuell hat sie von der Kirchengemeinde St. Martin in Metz den Auftrag erhalten, für das historische Gotteshaus ein Ölbild mit dem Thema "Geborgenheit" zu malen. In ihrem Schloss-Atelier lässt sich gerade mitverfolgen, wie weit das Bild bereits gediehen ist. Zu sehen sind zwei Hände, die gemeinsam ein Kind halten. Dahinter die Erde als schützender Planet im einsamen Weltraum.

Im kommenden Jahr ist eine umfangreiche Ausstellung mit einem Querschnitt ihrer aktuellen Arbeiten im Schloss Fellenberg in Merzig geplant. Dann wird die Wallerfanger Schlossherrin am 23. März 80 Jahre alt.