Dicke Luft statt zufriedener Kunden

Dicke Luft statt zufriedener Kunden

Viele Kunden sind unzufrieden mit dem neuen Busfahrplan auf dem Saargau. Bei der KVS gingen im Januar daher so viele Beschwerden ein, dass zur Bearbeitung zusätzliche Arbeitsplätze eingerichtet werden mussten.

Eine weitere Beschwerde über den neuen Busfahrplan und der damit einhergehenden Verlegung der Buslinien (wir berichteten mehrfach) kommt von Johanna Haupert aus Wallerfangen . Die langjährige KVS-Kundin wohnt im Blauloch, wo vor der Fahrplanumstellung alle Buslinien verkehrten. Doch nun fährt nur noch eine Linie.

Haupert, die auf den Bus angewiesen ist, fährt jeden Tag nach Saarlouis zur Arbeit. Ihr erstes Ärgernis mit dem neuen Fahrplan: Vorher fuhr der Bus nach Saarlouis durch. Nun muss sie in der Ortsmitte Wallerfangen umsteigen - denn dort entsteht am Rathaus eine große Umsteigehaltestelle für alle Buslinien vom Gau nach Saarlouis und Dillingen.

Und genau dort hakt es noch, das räumt auch die KVS auf Anfrage ein: Schon mehrfach war der Anschlussbus nach Saarlouis weg. "Ich bin über eine halbe Stunde zu spät zur Arbeit gekommen, weil ich auf den nächsten Bus warten musste", schildert die Kundin. "Das kann ich mir nicht erlauben."

Kein Anschlussbus

"Große Probleme" mit der neuen Umsteigehaltestelle derzeit gibt die KVS zu: "Wir weisen die Fahrer immer wieder darauf hin, dass sie auf die Anschlussbusse warten müssen", sagt Silvia Paulus, Sprecherin der KVS, "so weit es irgendwie möglich ist."

Der Rückweg von der Arbeit um 21 Uhr gestaltet sich für die Wallerfangerin noch schwieriger: Vorher musste Haupert schon gut 40 Minuten auf ihren Bus nach Hause warten. Nun fährt ihr Bus erst um 21.45 Uhr in Saarlouis ab - und endet wiederum in der Wallerfanger Ortsmitte. Von da aus hat sie einen über 20-minütigen Fußweg nach Hause, "nachts bei Wind und Wetter, den Berg hoch", ärgert sie sich. Denn einen direkten Anschlussbus, der über das Blauloch fährt, gibt es nicht. Der nächste Anschluss kommt erst gegen 23 Uhr. "Da müsste ich eine Stunde warten für eine Fahrstrecke von drei Minuten", empört sich Haupert.

"Jede Linie hat früher die Stichfahrt ins Blauloch gemacht", erklärt Paulus, "damit war das Wohngebiet überdimensional bedient. Das haben wir nun zurückgefahren."

Unzufrieden sind seit der Umstellung sehr viele Buskunden. Bei der KVS gingen im Januar so viele Beschwerden ein, dass zur Bearbeitung zusätzliche Arbeitsplätze eingerichtet werden mussten. "Man kann es nicht immer jedem Einzelnen recht machen", betont Paulus.

Sonderverkehr kostet Geld

Die KVS habe nach Fahrgastzählungen Einschnitte machen müssen. "Aber andere Gemeinden träumen von einer Bedienung, wie sie die Gemeinde Wallerfangen immer noch hat", sagt sie. Gegen Zahlung der Gemeinden biete das Unternehmen auch Sonderverkehr auf wenig genutzten Strecken an. "Wir machen das, wenn auch jemand dafür zahlt."

Meinung:

Entgegenkommen erwünscht

Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

Natürlich müssen auf wenig genutzten Buslinien irgendwann Einschnitte erfolgen. Und dass ein Bus nicht für einen einzelnen Fahrgast immer zu den Zeiten fahren kann, die für diesen gerade angenehm sind, leuchtet jedem ein.

Aber bei dieser Flut von Beschwerden verärgerter Kunden , die derzeit die KVS ereilen, sollte diese doch noch einmal ihre Fahrplanumstellung überdenken. Denn gedruckt heißt nicht in Stein gemeißelt. Und an der ein oder anderen Stelle kann sicherlich ohne allzu großen Aufwand eine Verbindung verbessert werden. Am Ende ist doch der Fahrgast derjenige, dem der Busverkehr nutzen soll, und er ist auch der, der das teure Ticket bezahlt. Da darf man durchaus auch etwas Entgegenkommen erwarten.

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