Demenz-Café hat seine Pforten geöffnet

Demenz-Café hat seine Pforten geöffnet

Lebach. "Den Menschen dort abholen, wo er gerade steht." Dr. Thomas Hovenbitzer, Neurologe am Lebacher Krankenhaus, trifft mit dieser Aussage die ganze Problematik, die eine Demenz mit sich bringt. In der Inneren Abteilung des Krankenhauses läuft das Projekt "Demenz im Krankenhaus", kurz Dem-i-K. In Lebach wurde dazu ein Demenzcafé eingerichtet

Lebach. "Den Menschen dort abholen, wo er gerade steht." Dr. Thomas Hovenbitzer, Neurologe am Lebacher Krankenhaus, trifft mit dieser Aussage die ganze Problematik, die eine Demenz mit sich bringt. In der Inneren Abteilung des Krankenhauses läuft das Projekt "Demenz im Krankenhaus", kurz Dem-i-K. In Lebach wurde dazu ein Demenzcafé eingerichtet. In diesem Raum werden täglich vier an Demenz Erkrankte von Fachpersonal und Ehrenamtlichen betreut. In der Betreuung, so Hovenbitzer und die stellvertretende Pflegebereichsleiterin Heike Wallerich, wird nicht nur auf die Menschen achtgegeben. Es wird gemeinsam gesungen, gespielt, vorgelesen.

Jeder macht, was er kann

Sprichwörter werden zum Beispiel ergänzt, mit Wäscheklammern, die auf einen Papierteller gesteckt werden, wird die Motorik gestärkt. Jeder Patient macht das, was er noch kann. "Und wenn nur in einem Schmuckkästchen gekramt wird", merkt Karoline Engeldinger an. Sie gehört zu den Grünen Engeln. Elf von ihnen haben eine besondere Schulung mitgemacht, damit sie wissen, wie sie mit den Kranken umgehen müssen. Ebenso wurde das Personal entsprechend geschult. Zweimal die Woche kommt auch ein Physiotherapeut in die Gruppe. Angehörige sind gern gesehen. Ein wichtiger Aspekt ist das gemeinsame Essen. Da werden oft wieder Mechanismen oder Automatismen in Gang gesetzt. "Am Tisch wird gegessen, im Bett wird geschlafen." Immer mehr Menschen mit Demenz kommen ins Krankenhaus. Für die meisten ist das oft eine richtige Stresssituation. "Sie können sich nicht mehr ändern, wir müssen uns auf sie einstellen", erklärt der Neuorologe.

Wo oder was tut weh?

Der Ablauf in einer Klinik ist ihnen nicht vertraut, sie verstehen auch nicht, warum einzelne Untersuchungen gemacht werden müssen. Oft können sich die Patienten auch nicht artikulieren, sagen, wo oder was ihnen wehtut. Da gelte es, sich vorsichtig vorzutasten. Warum weigern sich Menschen, zu essen? Kann es ein Pilz im Mund- oder Rachenbereich sein? Oder essen sie nicht, weil man im Bett nicht isst? Auch haben viele unterschiedliche Medikamente von verschiedenen Ärzten. Auch diese, so der Neurologe, können sich negativ auf die Demenz auswirken. Hier gelte es, sehr behutsam vorzugehen und bereits im Vorfeld jeden organisch bedingten Verwirrtheitszustand (Delir) auszuschalten. Gut sei, wenn das Personal viel vom Patienten weiß, über den Beruf, die Familie oder Hobbys. "Denn die Dementen können uns nicht mehr verstehen, wir müssen versuchen, sie zu verstehen."

Landesweit machen bei diesem Modellprojekt das St.-Nikolaus-Hospital, Wallerfangen, die Caritas-Klinik St. Theresia, das Marienhaus-Klinikum St. Elisabeth Saarlouis und das Marienkrankenhaus St. Wendel mit.

Informationen: Martina Altmeier, Öffentlichkeitsarbeit, Telefon (0 68 81) 50 16 11.

Meinung

Vertraute Umgebung tut gut

Von SZ-RedakteurinMonika Kühn

Es braucht viel Einfühlungsvermögen, um kranke Menschen zu verstehen. Wie viel mehr bedarf es, wenn sie dement sind, die Orientierung verloren haben, sie nicht mehr wissen oder verstehen können, was in der fremden Umgebung auf sie zukommt? Die Seniorenheime haben sich schon verstärkt mit dieser Problematik beschäftigt, ihre Häuser darauf eingerichtet. Gut, dass die Krankenhäuser nachziehen. Obwohl es für sie sicherlich schwieriger ist. Die Patienten leben bei ihnen nur kurze Zeit, außerdem ist der Krankenhausalltag ein ganz anderer. Und die Menschen sind schließlich auch gesundheitlich nicht fit. Da tut es den dementen Patienten sicherlich mehr als gut, ein paar Stunden in vertrauter Umgebung und mit besonderen Zuwendungen zu verbringen. Für Personal und die geschulten Ehrenamtlichen ist dies immer wieder eine Herausforderung, das darf nicht vergessen werden. Wenn auch am Ende das Wohl des Patienten steht, Mitarbeiter und Helfer dürfen nicht auf der Strecke bleiben.

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