Schmerzlicher Abschied der Nonnen Borromäerinnen verlassen Wallerfangen

Wallerfangen · Nach 174 Jahren wird der Konvent der Barmherzigen Schwestern in Wallerfangen aufgelöst. Mit einem Pontifikalamt wurden die letzten beiden Ordensschwestern am 6. Dezember verabschiedet.

 Mit einem feierlichen Gottesdienst wurden die Borromäerinnen Schwester Claudia (links) und Schwester Waltraud in St. Katharina in Wallerfangen verabschiedet.

Mit einem feierlichen Gottesdienst wurden die Borromäerinnen Schwester Claudia (links) und Schwester Waltraud in St. Katharina in Wallerfangen verabschiedet.

Foto: Ute Kirch

Eine Ära ist in Wallerfangen zu Ende. Am Freitag verließen die beiden letzten Borromäerinnen eine Wirkungsstätte, an welcher ihr Orden 174 Jahre lang tätig gewesen war. Der offizielle Abschied erfolgte am Nikolausdienstag mit einem Gottesdienst und einer kleinen Feier in der Sophienstiftung. Um die 100 Personen waren in die Wallerfanger Pfarrkirche St. Katharina gekommen. Auf der Empore sang der Kirchenchor, unterstützt von Michael Reiland und Franz-Josef Altmeyer an der Orgel. Zehn Messdiener und fünf Priester gestalteten den Gottesdienst. Darunter Wallerfangens Pfarrer Herbert Gräff und aus Trier Weihbischof Franz Josef Gebert. „Den Menschen Trost zu spenden, das haben auch die Borromäerinnen mit ihrem Wirken getan“, sagte Gebert beim Dank an die Nonnen. Aber „das ist immer etwas Trauriges“, wenn etwas weggehe, das so lange Teil des sozialen Lebens gewesen sei.

Sogar ein Jahr älter als das Mutterhaus in Trier sei der Wallerfanger Konvent der Borromäerinnen, sagte bei der anschließenden Feier in der Cafeteria der Geriatrie Manfred Klein, Geschäftsführender Direktor der Sophienstiftung. Die hiesige Niederlassung der Ordensschwestern habe seit 1848 den Menschen in Wallerfangen zur Seite gestanden, präzisierte Dominique Villeroy de Galhau als Vorsitzender der Sophienstiftung.

Damals waren drei Nonnen vom Orden des Heiligen Karl Borromäus vom Mutterhaus in Nancy nach Wallerfangen gekommen. Sie unterstützten auf Bitte des 1838 gegründeten Armenvereins dessen Arbeit. Eine der Nonnen war für die Betreuung kranker Menschen zuständig, eine andere für die Leitung des Altenheims und die dritte hatte die Verwaltung der Einrichtung unter sich. Der Armenverein war entstanden in einer Zeit, als es noch keine staatliche Fürsorge gab. Wer arbeitslos wurde, krank oder zu alt war, der musste auf seine Familie zählen oder landete in widrigen Lebensumständen. Die ärmsten der Armen hausten zeitweise in dunklen feuchten Wohnungen, die in die Sandsteinwand zwischen Wallerfangen und Dillingen gegraben waren. An Gründung und Aufbau des Armenvereins waren die Familien Villeroy de Galhau und von Papen maßgeblich beteiligt. Als treibende Kraft erwies sich der Wallerfanger Unternehmer Nicolas Adolphe de Galhau. Er wandelte 1857 den Armenverein in die Sophienstiftung um. Damit schuf er eine dauerhafte Basis für karitative Tätigkeiten, einschließlich des Betriebes des nach ihm benannten Krankenhauses. In diesem Rahmen sorgten sich die Borromäerinnen um hilfebedürftige Menschen. Eine der schwierigsten Zeiten bewältigten Krankenhaus und Sophienstiftung Dank der Borromäerinnen. In den 1970er Jahre sollte das Krankenhaus einem neuen Bedarfsplan des Saarlandes zum Opfer fallen, stellte Villeroy de Galhau dar. Doch die 2020 verstorbene Oberin Schwester Astrid kämpfte für den Erhalt der Einrichtung und ging bis vors Bundessozialgericht.

Damit erreichte sie 1991 einen Vergleich mit der Landesregierung und den Kostenträgern. „Das war die Rettung.“

Mehr als 500 Nonnen haben in diesen 174 Jahren in Wallerfangen gelebt, den Menschen gedient und in schwierigen Lebenszeiten beigestanden, fasste Villeroy de Galhau zusammen. Hinzu kamen 20 Oberinnen. Als letzte Oberin ging Schwester Claudia Meyer, die 2009 nach Wallerfangen gekommen war, in den Ruhestand im Mutterhaus in Trier. Mit ihr verließ die seit 2020 tätige Schwester Waltraud Schnitker die Sophienstiftung. Wesentliche Aufgabe der Beiden war, wie auch in früheren Zeiten, die Seelsorge für kranke und alte Menschen.

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