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Aus vier Wochen wurden 60 Jahre

Pastor Hans-Jürgen Bier überreichte der 85-jährigen Küsterin Maria Müller eine Urkunde des Bischofs. Foto: Ruth Solander
Pastor Hans-Jürgen Bier überreichte der 85-jährigen Küsterin Maria Müller eine Urkunde des Bischofs. Foto: Ruth Solander
Hausbach. Vor 60 Jahren wurde Maria Müller vom damaligen Pastor Josef Michels gefragt, ob sie für vier Wochen in der Kirche aushelfen könne. "Meine Mutter war nicht dafür, weil wir in unserem Landwirtschaftsbetrieb viel Arbeit hatten. Es musste morgens, mittags und abends geläutet werden - und das bis 1964 von Hand mit dem Strick", erzählt sie

Hausbach. Vor 60 Jahren wurde Maria Müller vom damaligen Pastor Josef Michels gefragt, ob sie für vier Wochen in der Kirche aushelfen könne. "Meine Mutter war nicht dafür, weil wir in unserem Landwirtschaftsbetrieb viel Arbeit hatten. Es musste morgens, mittags und abends geläutet werden - und das bis 1964 von Hand mit dem Strick", erzählt sie. Da sich aus der Pfarrgemeinde keiner bereit erklärte, den Küsterdienst zu übernehmen, wurden aus vier Wochen schließlich sechs Jahrzehnte. Das heißt: 60 Mal den großen Adventskranz binden, 60 Mal die Krippe aus Wurzeln und Moos aufbauen, 60 Mal Sternsinger-Aktion organisieren und die Kinder in den eigenen vier Wänden betreuen, 60 Mal die Osterraspel-Aktion organisieren und betreuen und vieles mehr. Vieles, auch über den Arbeitsvertrag hinaus.


Maria Müller, die eigentlich keine Ehrung für ihr Jubiläum wollte, wurde nun in der Messe überrascht. Weil alle elf Messdiener anwesend waren, wunderte sie sich, und 15 Minuten vor Messbeginn wurde dann das Geheimnis gelüftet: Familie, Kirchengemeinde, der Kirchenchor Britten-Scheiden-Waldhölzbach und die Zivilgemeinde hatten einen feierlichen Gottesdienst vorbereitet. "Im Anschluss hatten wir eine kleine Feier im Pfarrheim Britten vorbereitet", berichtet Tochter Anette Blaes. Selbst Müllers Ehemann Ewald wusste von alledem nichts.

"Frau Müller war es immer ein Herzensanliegen, alles in Ordnung zu halten. Der Stellenplan aus heutiger Zeit reicht auf keinem Fall für die Stunden aus, die sie in und um die Kirche leistet. Auch die Familie muss mit geehrt werden, weil sie immer dabei war und unsere Küsterin bei ihrer Arbeit tatkräftig bis heute unterstützt", würdigte Pastor Hans-Jürgen Bier die Hausbacherin. Er überreichte eine Urkunde des Bistums Trier, unterzeichnet von Bischof Stephan Ackermann.



Sehr persönliche Rede

In einer sehr persönlichen Rede dankte Bernd Quinten, Mitglied im Kirchengemeinderat, Maria Müller für ihre langjährige Arbeit und erzählte so manche Anekdote. "Viele Pastöre hat sie erlebt und viele haben nicht immer so gemacht, wie sie es wollte. Aber mit der Zeit dann doch. Maria Müller hatte oft das Regiment", sagte Quinten nicht ohne ein kleines Schmunzeln.

Auch Ortsvorsteher Dietmar Kerwer hob die vielen Jahre im Dienste der Kirche hervor. Kaum einer, der in Hausbach zur Kommunion gegangen ist, sei nicht von Maria Müller angesprochen worden, Messdiener zu werden. Dabei sind die ersten Generationen der Messdiener, die sie als Heranwachsende geformt hat, inzwischen schon im Rentenalter. Die Arbeit mit den Messdienern habe sie jung gehalten, sagt die 85-Jährige. "Die Dienstzeit von Maria kann man mit dem Bestehen der Filialkirche in Verbindung bringen. Diese wurde 1952 eingeweiht", sagte Kerwer. Viele Handwerker musste sie seit dieser Zeit "ertragen", wie sie sagt.

Die Küsterin zeigte sich überwältigt von so vielen Würdigungen, gab den Dank zurück an die vielen Menschen, die ihr in den 60 Jahren zur Seite gestanden haben und mit denen sie zusammen gearbeitet hat. Unterbrochen hat sie ihren Dienst nur kurz nach der Geburt ihrer Töchter 1963 und 1976 und drei Wochen im Jahre 1985, als sie eine Gesichtslähmung hatte - hervorgerufen durch Blumen, mit Insektiziden gespritzt. Sie denkt noch nicht ans Aufhören. "So lange ich gesund bleibe, mache ich weiter", sagt sie - und hofft auf Gottes Lohn im Himmel. rso