Auf Entdeckungstour

Wallerfangen · Für rund 250 000 Euro hat der Verein für Heimatforschung das Museum in Wallerfangen umgestaltet. Ein Augenmerk gilt der deutsch-französischen Geschichte um 1800. Die hat mehr Beachtung als bisher verdient.

 Der Eingang zum Museum ist verlegt worden. Fotos: Hartmann Jenal

Der Eingang zum Museum ist verlegt worden. Fotos: Hartmann Jenal

 Peter Winter kennt vergessene Geheimnisse Wallerfangens.

Peter Winter kennt vergessene Geheimnisse Wallerfangens.

 Frischer als bisher und präzise beschriftet kommen Exponate von V&B daher, hier aus der Zeit um 1900.

Frischer als bisher und präzise beschriftet kommen Exponate von V&B daher, hier aus der Zeit um 1900.

Vor genau 200 Jahren wechselte die Festung Saarlouis von französischer in preußische Herrschaft (wir berichteten), und mit ihr auch viele andere Gemeinden. Wallerfangen zum Beispiel. Der Ort war 1688 eigentlich komplett abgerissen worden, um Menschen und Steine ins neue Saarlouis zu verfrachten. Er hatte sich aber doch zaghaft erholt. Seit 1791 gewann er wieder Bedeutung, allerdings nicht wie früher als Verwaltungszentrum des deutschsprachigen Teils des Herzogtums Lothringen.

Diese Zeit um 1800 gehört zu den mit Abstand interessantesten Teilen der Geschichte Wallerfangens. Wichtige Eckpunkte ruft jetzt das neu gestaltete Heimatmuseum Wallerfangen ins Bewusstsein. Der dritte von drei Räumen ist dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert gewidmet, und das ist in Wallerfangen eben V&B. Die vielleicht spannendsten Aspekte sind kaum im Bewusstsein - zum Glück hat der Verein für Heimatforschung sie im neu ausstaffierten Museum deutlich unterstrichen. Wohl niemand kennt die politischen und rechtlichen Details dieser Zeit besser als der Vorsitzende des Vereins für Heimatforschung , Dr. Peter Winter. Davon profitiert das Museum, das jetzt "Historisches Museum Wallerfangen " heißt.

Wallerfangen war Verwaltungsort des deutschsprachigen Lothringen, eines so genannten Bellistums, eines Bezirkes des Herzogtums Lothringen. Mit Lothringen kam es 1766 an Frankreich.

1791 war Nicolas Villeroy nach Wallerfangen gekommen, um dort eine Keramikfabrik zu gründen. 1815, nach der endgültigen Niederlage Napoleons in Waterloo, kam Wallerfangen an Preußen. Der Übergang war ganz wie der in Saarlouis bemerkenswert.

In Saarlouis blieb der französische Maire Michel Reneauld, ein General der Revolutionsarmee, einfach im Amt.

In Wallerfangen brachte es der Franzose Nicolas Villeroy zum stellvertretenden preußischen Landrat des Kreises Saarlouis. Er gehörte als Liberaler dem Rheinischen Landtag an und half zu verhindern, dass in den früher französischen und jetzt preußischen Gebieten das als rückständig geltende Preußische Landrecht den fortschrittlichen Code Civil Napoleons ersetzte. Von nationaler Schärfe war damals in Wallerfangen noch nichts zu spüren.

Der Verein für Heimatforschung ist Träger des Museums in der alten Schule auf der Adolphshöhe, einem städtebaulich reizvollen Quartier aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Gut eine viertelmillion Euro hat der Verein für den Umbau aufgebracht; 100 000 Euro davon eigene Mittel, wie der Vorsitzende des Vereins, Dr. Peter Winter betont.

Das Geld stammt unter anderem aus den Einnahmen der Keramikmärkte auf der Adolphshöhe; in diesem Jahr gab es ihn zum 26. Mal.

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