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Auch Wallerfangen verlegt nun Stolpersteine für ehemalige Mitbürger

Kostenpflichtiger Inhalt: Erinnerungskultur : Auch Wallerfangen verlegt Stolpersteine

Gemeinderat spricht sich einstimmig für kleine Bodenplatten zum Gedenken ermordeter und vertriebener Bürger aus.

Einstimmig hat der Gemeinderat von Wallerfangen der Verlegung von Stolpersteinen für ermordete und vertriebene Mitbürger in der Gemeinde zugestimmt. Die Verlegung der ersten sieben Steine im Rahmen des Projektes „Gegen das Vergessen“ könnte im Frühjahr 2021 erfolgen; der genaue Termin wird erst sechs Monate zuvor mitgeteilt.

Beantragt ist die Verlegung nun beim Kölner Künstler Günter Demnig, der Stolpersteine, seit 1992 zur Erinnerung an Opfer aus der Zeit des Nationalsozialismus verlegt. Inzwischen liegen sie in 1265 Kommunen Deutschlands und in einundzwanzig Ländern Europas.

Im Saarland haben bereits etliche Kommunen auf diese Weise an ihre früheren Bürger erinnert, darunter Saarwellingen, Rehlingen-Siersburg, Dillingen, Schmelz und Saarlouis. Einen Überblick dazu bietet das Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis.

In Wallerfangen hat Gina Webel den Stein ins Rollen gebracht: In einem kleinen Vortrag stellte sie im Gemeinderat die ersten möglichen Orte für Stolpersteine in Wallerfangen vor; sie hatte eigenständig die Geschichten der Wallerfanger NS-Opfer recherchiert.

Ein Stein sollte demnach vor dem früheren „Schwarzen Schloss, dem damaligen Kinderheim St. Nikolaus, liegen. Dort war die Halbwaise Ruth Hirsch zuletzt als Kind gemeldet, sie überlebte die Deportation in die KZ Theresienstadt und Auschwitz und wohnte später in Berlin, wo sie im hohen Alter starb, berichtete Webel.

An Gertrud Hanau und ihre Nichte Clementine Ferner sollen zwei weitere Steine erinnern. Sie führten neben dem heutigen KSK-Gebäude, damals „Goldener Schwan“ in der Villeroystraße, ein Weiß-, Kurz- und Wollwarengeschäft, bis sie als Jüdinnen deportiert wurden; Hanau starb im Lager, Ferner gilt als verschollen.

Gut bekannt in Wallerfangen war Selma Schömann, wie Webler herausfand, wohl auf Grund ihrer buckligen Gestalt. Sie handelte ebenfalls mit Weiß-, Kurz- und Wollwaren. Aus ihrer Wohnung in der Hauptstraße musste die Jüdin schließlich vor den Nazis nach Frankreich fliehen; dennoch wurde sie später inhaftiert und starb im polnischen Ghetto Trawniki.

Drei weitere Steine sollen an die Familie Kahn in der Sonnenstraße erinnern: Moses und Rosa Kahn sowie ihre Adoptivtochter Anneliese Kahn wohnten, wo heute das Gasthaus Berweiler steht. Sie wanderten 1936 aus Deutschland aus, wurden aber in Frankreich verhaftet.

Rosa und Anneliese Kahn starben im KZ Auschwitz; Moses Kahn lebte bis zum stolzen Alter von 102 Jahren in Metz, berichtete Webel.

Die Wallerfangerin bot an, sich in einer noch zu gründenden Arbeitsgruppe Stolpersteine einzubringen. Mit der Gemeinschaftsschule Schule am Limberg sollen die Biografien von Wallerfanger NS-Opfern aufgearbeitet und vor der Verlegung vorgestellt werden.

Bei sieben Steinen wird es wohl nicht bleiben; es gibt auch Hinweise auf Euthanasie-Opfer aus Wallerfangen und Ihn.

Die Kosten von etwa 120 Euro pro Stein werden von privaten Sponsoren getragen, ergänzte Bürgermeister Horst Trenz, der versicherte: „Von Seiten der Verwaltung aus begrüßen und unterstützen wir die Aktion.“ Auch Ortsrat und Ausschuss hatten zuvor geschlossen zugestimmt.