Willkommen im Auenland

Seit 40 Jahren kauft die Naturlandstiftung Saar (NLS) ökologisch wertvolle Flächen, um die heimische Tier- und Pflanzenwelt zu schützen. In einer Serie stellen wir die Arbeit der NLS vor. Dazu haben wir uns Schutzgebiete im Landkreis Saarlouis angesehen. Heute das Renaturierungs-Projekt bei Hostenbach.

Für Orstunkundige sind die wenigen Zugänge zu den renaturierten Saarauen bei Hostenbach nicht leicht zu finden. Zwischen alter Bahnlinie und Saar liegt ein Projektgebiet der Naturlandstiftung Saar (NLS). Axel Didion ist Biologe und für die Stiftung tätig. Er kennt sich hier aus. "Der ganze Bereich zwischen Treidelpfad und Bahnlinie war hier aufgefüllt", erzählt er. Dadurch sei die Saarschiene deutlich verengt worden - ungünstig bei Hochwassersituationen. Bei Hochwasser konnte die Saar hier nicht mehr in die Breite ausweichen, der so genannte Retentionsraum war verloren. Hochwasser, erklärt Didion, sei allerdings natürlich und durch die Verlagerung von Sand- und Kiesbänken sowie Tümpeln für die immer neue Entstehung bestimmter Lebensräume wichtig. "Das schafft Vielfalt."

Auf rund vier Hektar hat die Naturlandstiftung hier zusammen mit ihrer Tochtergesellschaft Naturland Ökoflächen-Management GmbH (ÖFM) versucht, diesen ursprünglichen Lebensraum in der Saar aue zu reaktivieren. In einem ersten Bereich wurden 30 000 Kubikmeter aufgeschüttetes Material abgetragen. Wo einst der überwachsene Schutt lagerte, liegt jetzt ein Tümpel, dessen Bewuchs dabei ist, sich zu einem typischen Auwald zu entwickeln - ganz zur Zufriedenheit des Biologen. Das Projekt war 2010 fertiggestellt worden. Mittlerweile sind hier verschiedene Libellenarten, zum Beispiel die Winterlibelle, aber auch die Kreuzkröte heimisch.

Auch der Hochwasserschutz profitiert von dem Projekt. Der Auwald fungiert als ein hydraulisches Hindernis, bremst also Wasser und hilft so, Hochwasserwellen abzuschwächen.

Saarabwärts schließen sich ältere Baumbestände an. "Typisch für die Auenlandschaft sind hier Erlen, Eschen und verschiedene Baumeichen", erklärt Didion. Hier gibt es einen großen Bereich mit undurchdringlicher Vegetation, in den nicht eingegriffen wird.

Die Autobahn ist deutlich hörbar. Wer jetzt denkt, dass es den Tieren hier zu laut sei, irrt. Laut Didion gewöhnen sich die Arten an die Umgebung; außerdem passen sie ihren Gesang, zum Beispiel durch Frequenzänderungen, an.

 Schon kurz nach dem Anlegen des Gewässers hatten sich erste Pflanzen angesiedelt.
Schon kurz nach dem Anlegen des Gewässers hatten sich erste Pflanzen angesiedelt.
 Zwei solcher Durchlassbauwerke stellen eine direkte Verbindung des angelegten Gewässers mit der Saar her. Die kann sich hier bei Hochwasser ungehindert ausdehnen.
Zwei solcher Durchlassbauwerke stellen eine direkte Verbindung des angelegten Gewässers mit der Saar her. Die kann sich hier bei Hochwasser ungehindert ausdehnen.

Hinter diesem Abschnitt liegt ein Bereich, dessen Gestaltung deutlich anspruchsvoller war. "100 000 Kubikmeter wurden hier abgetragen", erzählt Didion. Zwei große Tümpel sind hier entstanden. Das Besondere: sie sind mit zwei Durchlassbauwerken direkt mit der Saar verbunden. Bei Hochwasser kann der Fluss also direkt in das Gebiet ausweichen. Graureiher, Silberreiher, Enten, Teichhuhn, Blesshuhn und im Winterhalbjahr verschiedene rastende Wattvögel - Didion kommt aus dem Aufzählen gar nicht mehr raus, würde ihn nicht der typisch-scharfe Ruf des Eisvogels unterbrechen, der vorbeifliegt. "Dieser typische Auenlebensraum ist hochinteressant und wichtig für viele Arten, besonders auch Amphibien", betont Didion. "Und das in der so dicht besiedelten Saaraue."