Blasmusik: Welt-Organisation für Blasmusik im Saarland

Blasmusik : Welt-Organisation für Blasmusik im Saarland

2016 in der Steiermark, 2020 in New York – und dazwischen in Wadgassen im Saarland: Blasmusik-Forscher und Blasmusik-Ensembles treffen sich zur internationalen Tagung. Im Saarland erstmals öffentlich und mit so vielen Teilnehmern wie nie zuvor.

Es ist eine dieser typischen Saarland-Geschichten, die den großen Internationalen Blasmusik-Kongress 2018 nach Wadgassen bringt. Er findet von Donnerstag, 19. Juli, bis Dienstag, 24. Juli, statt. Der Kongress davor war in Oberwölz in der Steiermark, zuvor auch schon mal in Coimbra in Portugal, der nächste im Jahr 2020 wird in der Nähe von New York sein.

Wadgassen war bis zur Französischen Revolution 1789 eine große Prämonstratenser-Abtei. Auch nach der Zerstörung der Abtei kristallisierte sich in Wadgassen vergleichsweise sehr dicht kirchliche und kulturelle Kreativität. Sie äußert sich heute vor allem in der Zahl leistungsstarker Orchester mit ungebrochener Jugendarbeit.

In diesem Milieu bewegt sich die Familie von Björn Jakobs, die seit Generationen Musiker stellt, die gleichermaßen von der örtlichen Musikszene profitierten wie umgekehrt die Szene von ihnen.

Björn Jakobs war beim letzten Kongress der Internationalen Gesellschaft zur Erforschung und Förderung der Blasmusik (IGEB) 2016 mit deren Forschungspreis ausgezeichnet worden: für seine Doktorarbeit über Amateur- und Militär-Blasmusik im Musikkreis Saarlouis. Jakobs warb dort erfolgreich für Wadgassen als Ort des nächsten Kongresses. Neu ist bei diesem Kongress die mit 72 extrem hohe Zahl von Teilnehmern. Es sind 72 der rund 300 Mitglieder aus 30 Ländern.

So kommt es zu den 72 Vorträgen dieser Tagung. Jeder ist knapp 30 Minuten lang. Um die Menge zu bewältigen, wurden zwei Reihen parallel gelegt, in zwei verschiedenen Räumen des Hotels Alte Abtei. Erstmals, sagt Björn Jakobs, wird alles öffentlich sein. Jeder kann sich alle Vorträge, die Konzerte sowieso, anhören.

Die Vorträge, teils auf Englisch, teils auf Deutsch, spannen ein denkbar breites Spektrum der Forschung auf. Es reicht von Jodlern in den Notenbüchern österreichischer Musikkapellen über die Herausforderung digitaler Techniken für die Blasmusiker, „Wein- und Instrumentenbau“, „Saxophon-Mundstücke“ bis zur Blasmusik bei Weihnachtsfeiern auf Madeira.

Die Vorträge werden ergänzt durch vier große Konzerte (siehe Info). Der Eintritt ist überall frei. Es beginnt am Donnerstag, 19. Juli, mit Indiana Wind Symphony im Abteihof Wadgassen. Es folgen die Bergkapelle Saar und die Militärmusik Luxemburg am Freitag, das Schweizer Armeespiel am Samstag und das WonderbrasS Quintett am Montag.

Den für Kenner überraschendsten Programmpunkt bildet der Auftritt des Symphonischen Orchesters Schweizer Armeespiel am Samstag, 21. Juli, im Dillinger Lokschuppen. Ein ganz exzellentes Ensemble, schwärmt Jakobs. Als Gast-Ensemble „schwer zu kriegen“.

Nach Wadgassen kommen sie aber doch. Das liegt an Damien Sagrillo. Der ist Präsident der IGEB, ihn hatte Jakobs von Wadgassen als Konferenzort überzeugt, und der kennt halt die Schweizer.

In Wadgassen „gibt es keine Musikhochschule, geschweige denn eine Universität. Aber es existiert dort eine große Blasmusiktradition, die eng mit dem Namen Jakobs verbunden ist“, schreibt Sagrillo in einem Grußwort zum Kongress. Diese Tradition beschränke sich nicht auf Wadgassen, sondern kennzeichne die ganze Region als „Schmelztiegel gewachsener blasmusikalischer Überlieferung“.

Sagrillo muss es wissen. Er lebt im nahen Luxemburg und war Björn Jakobs Doktorvater. Er hat diese erste wissenschaftliche Arbeit über heimische Blasmusik betreut.

Jakobs jedenfalls wünscht sich viele Gäste und Zuhörer. Denn er hofft, dass die Kraft von so viel blasmusikalischer Kompetenz vom Kongress aus der heimischen Szene Impulse gibt. Und es vielleicht möglich macht, dass dieser Kongress noch mal im Saarland stattfindet. Nicht zuletzt steuert der Schirmherr, Ministerpräsident Tobias Hans, die Erkenntnis bei: Auf dem Kongress gehe es um eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit der Blasmusik. Dazu brauche es Mut, denn nur was sich verändere, bleibe bestehen.

Die Militärkapelle Luxemburg wurde 1842 gegründet. Sie verfügt heute über 60 Berufsmusiker. Zu hören ist sie bei offiziellen Paraden ebenso wie bei Galakonzerten. Foto: J.M. "Lupo" Ludowicy
WonderbrasS ist ein Quintett unter dem Dach des Orchestervereins Wadgassen, sozusagen der blasmusikalische Gruß des Gastgebers. Foto: IGEB
Die Formation Indiana Wind Symphony aus den Vereinigten Staaten spielt auf ihrer ersten Europa-Tournee auch während des Kongresses in Wadgassen. Sie eröffnen sogar den Konzert-Reigen. Foto: IGEB
Björn Jakobs organisiert den Kongress. Foto: Benno Leinen/Photographer:Benno Leinen

Das komplette Tagungsprogramm im Internet unter www.igeb.net.