Standuhr sorgt für Verwirrung

Eine alte Standuhr sorgt derzeit für Aufregung in Wadgassen. Experten sind sich uneins: Wann wurde die Comtoise-Uhr gebaut? Um dieses Rätsel zu lösen, soll das Relikt jetzt auseinander gebaut werden.

Noch ist offen, ob die Aufstellung einer alten Standuhr im Deutschen Zeitungsmuseum in Wadgassen zu Recht als Rückkehr einer alten Klosteruhr an ihren alten Standort, die Prämonstratenserabtei Wadgassen , bezeichnet wurde oder nicht. Der Verein für die kulturelle und geschichtliche Arbeit im Bisttal hatte die Uhr aus dem Nachlass des Wadgasser Dichters Johannes Kirschweng (1900 bis 1951) als früheres Klostereigentum bekommen. Auf einen Beitrag in der SZ hin meldeten Uhrenfachleute Zweifel an der Datierung an.

Jetzt soll die Uhr auseinandergenommen und von einem Uhrmachermeister generalüberholt werden, kündigte der Vorsitzende des Vereins, Partrik Feltes, an. Er hofft dabei auf eindeutige Hinweise im Uhrwerk. Feltes kann zwar die Kritik an der Datierung nachvollziehen, weist aber auf Besonderheiten hin: So sei das Zifferblatt der Uhr - kaum erkennbar - aus Holz. Weitere Besonderheit: Wie viele Comtoise-Uhren habe die Wadgasser Uhr einen Repetierschlag. Das heißt: Es schlägt zur vollen Stunde, und zwei Minuten später wiederholt sich der Schlag. Zusätzlich aber verfüge die Uhr über eine Art Weckfunktion, die auf eine bestimmte Uhrzeit eingestellt werden könne. Das funktioniere immer noch - nach Meinung von Feltes ein Indiz dafür, dass es eine Klosteruhr war: So habe der Mönch ein zusätzliches Signal zum rechtzeitigen Aufsuchen des Chorgebetes erhalten.

Höchst skeptisch beurteilt dies alles Viktor Weber, Sammler von Comtoise-Uhren in Dillingen. Weber, Kriminalhauptkommissar im Ruhestand: Keine Comtoise-Uhr hatte je ein Zifferblatt aus Holz. Das muss einfach nachträglich eingebaut worden sein. Man sehe auch eine Schraube, die diese Annahme nahelege. Die Uhr müsse aus den Jahren zwischen 1815 und 1840 sein. Denn sie habe eine zweigeteilte Blechumrahmung. Aus Blech waren diese mit einer Sonne verzierten Umrahmungen ab 1815. Zweigeteilt, aus technischen Gründen, aber nur bis 1840.

Die eigenartige Weckfunktion, sagt Weber, sei keine Besonderheit. Es gebe sie seit etwa 1700. Sie sei das häufigste Extra ("Komplikation") der Comtoise-Uhren. "Ich selbst habe fünf Uhren mit dieser Funktion." Sie habe nichts mit den Gebetsstunden eines Klosters und mehr mit dem Leben auf größeren Höfen zu tun. Weber: "Ich vermute, da hat ein Antiquitätenhändler vorsätzlich oder fahrlässig falsche Eigenschaften angegeben. Das ist heute nicht mehr klärbar." Mit dem letzten Satz jedenfalls hat er auf jeden Fall Recht. Denn verkauft worden war die Uhr mutmaßlich in den dreißiger oder vierziger Jahren irgendwo am Rhein an den Wadgasser Priester und Dichter Johannes Kirschweng (1900 bis 1951).