1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Wadgassen

Schüler bringen lieber Fastnachtsschlager statt Argumente

Schüler bringen lieber Fastnachtsschlager statt Argumente

Saarlouis. Die Glocke zur Pause um 11.10 Uhr hörte man am Dienstag am Max-Planck-Gymnasium (MPG) noch. Danach nur noch lautes Geschrei, Stampfen, Klopfen. "Humba humba täterä", grölten hunderte Kinder und Jugendliche im Lichthof des MPG. Lauter als alle Handys und MP3-Spieler demonstrierten sie mit diesem Flashmob gegen das Verbot der Multimediageräte

Saarlouis. Die Glocke zur Pause um 11.10 Uhr hörte man am Dienstag am Max-Planck-Gymnasium (MPG) noch. Danach nur noch lautes Geschrei, Stampfen, Klopfen. "Humba humba täterä", grölten hunderte Kinder und Jugendliche im Lichthof des MPG. Lauter als alle Handys und MP3-Spieler demonstrierten sie mit diesem Flashmob gegen das Verbot der Multimediageräte.

Fastnachtsschlager statt Argumente? Darüber kann Schuldirektor Jürgen Hannig nur den Kopf schütteln. "Das war kein Flashmob, bei dem Leute plötzlich auftauchen, um ein Zeichen zu setzen, sondern ein ganz billiges Event." Dabei lehne er nicht Kritik am Verbot ab, sondern nur, wie die Schüler diese äußerten: "In dieser Form ist keine vernünftige Diskussion möglich."

Daniel Braun, Schüler am MPG und Vorsitzender der Jungen Liberalen in Wadgassen, hatte an die Schüler appelliert, das Verbot "in dieser Form nicht zu akzepzieren" und zum Flashmob aufgerufen. Hunderte Schüler konnte er mobilisieren, ganz zufrieden ist er nicht. "Es lief nicht wie geplant. Sie sollten ihre Handys ans Ohr halten, Kopfhörer anziehen." Von Grölen und Stampfen habe er nichts gesagt. Die Wut des Direktors versteht er nicht. "Wir haben die Pause genutzt, um keinen zu stören." Und obwohl Hannig mit seiner Durchsage um 11.25 Uhr, dass nun der Unterricht weitergehe, erst nur ein lautes "Buh" erwirkte, leerte sich darauf der Hof, schon wenige Sekunden später war der Spuk vorbei und jeder Schüler in seiner Klasse.

Der Direktor ließ sich vom Protest nicht beeindrucken. "Ich werde das Verbot zäh durchsetzen, solange ich Schulleiter bin. Das war heute eine Unverschämtheit", sagte Hannig, der vermutet: "Da waren auch viele dabei, die nur mitgemacht haben, weil's lustig ist, in der Schule mal laut rumzugrölen." Tatsächlich gibt nicht nur Jan zu: "Ich war da, weil alle da waren. Das Verbot ist mir eigentlich egal." Auch Johannes hat aus Spaß mitgemacht: "Da waren so viele Leute, es war lustig." Und Joana fand es "einfach cool, dass die ganze Schule zusammen singt und tanzt". Dennoch stört das Verbot einige; die Argumente gegen Handys in der Pause schmettern sie ab. Bewegungsmangel? "Wir spielen fangen und hören dann Musik", sagt Matthias. Stress statt Erholung? "Ich entspanne mich mit Musik", sagt Oliver. Das Handy als Statussymbol? "Ist doch egal, welches Handy man hat. Das ist nur für den Eigengebrauch", sagt Hanna.

 Hunderte MPG'ler wehrten sich gegen ein Handyverbot. Foto: rup
Hunderte MPG'ler wehrten sich gegen ein Handyverbot. Foto: rup