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"Schade, wenn die Kultur verschwindet"

Wadgassen. Der Chef der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz will das Deutsche Zeitungsmuseum von Wadgassen nach Saarbrücken verlegen. Wadgasser Bürger und Gewerbetreibende sind dagegen. Sie wollen das Museum im Ort lassen. Von SZ-Mitarbeiter Sascha Schmidt

Wadgassen. "Mein Chef war außer sich, als er davon gehört hat", ärgert sich Doris Schuh über den Plan, das Zeitungsmuseum nach Saarbrücken zu verlegen. Die 47-Jährige arbeitet an der Rezeption des Hotels Wadegotia. Der Tourismus in der Gemeinde spielt für sie eine große Rolle. "Einen solchen Publikumsmagneten zu schließen, finde ich wirklich traurig."Auch Paul Riedel, 49, bestätigt, dass das Museum regelmäßig Touristen anlockt. Der Angestellte einer Vermögensverwaltung wohnt an einer Hauptstraße in Wadgassen. "Immer wieder fragen mich Leute von Außerhalb, wie sie dorthin kommen. Das Zeitungsmuseum ist sehr bekannt und mit Wadgassen verbunden." Der alte Abteihof ist für Riedel ein geeignetes Gebäude für das Museum, und "er liegt in einer netten Umgebung". Sollte das Museum geschlossen werden, fürchtet er den Leerstand: "Es wird schwierig sein, dieses Gebäude wieder zu besetzen."



Obwohl Michael Hilt, 50, selbst noch nicht dort gewesen ist, schätzt er das Zeitungsmuseum als Kulturzentrum. Eine Verlegung des Museums nach Saarbrücken findet der Projektleiter des Lifestyle Outlet-Centers deshalb nicht gut: "Es wäre schade, wenn die Kultur aus der Gegend verschwindet."

Das sieht auch Klaus Terres, 58, Geschäftsführer des Autohauses Terres, so. "Für Wadgassen ist das nicht gut, denn das Museum lockt Leute in den Ort, und das ist wichtig." Persönlich sieht Terres den geplanten Umzug aber gelassener: "Mich selbst betrifft die Verlegung nicht."

Für Lisa Greiber, 44, wäre die Schließung des Museums hingegen ein großer Verlust: "Wadgassen verliert dadurch an Attraktivität, weil es wieder ein Aushängeschild weniger gibt." Gerade für Schüler aus Saarlouis und Völklingen sei das Zeitungsmuseum ein beliebtes Ausflugsziel, sagt die Inhaberin von Spirit of Sports.

Melanie Linnenweber, 31, vom Friseursalon Reichrath sieht das genauso: "Mein Sohn hat sich schon darauf gefreut, dass er das Museum nächstes Jahr als Vorschüler besichtigen sollte." Auch im Friseursalon fragen immer wieder Leute nach dem Deutschen Zeitungsmuseum, und nicht selten lassen sich Reisende und Montagearbeiter dann auch gleich die Haare schneiden.



"Natürlich kostet ein Museum auch eine Menge Geld", gibt Bernd Gröhn, 68, zu bedenken "und man muss sich fragen, ob sich das eine kleine Gemeinde auf Dauer leisten kann." Trotzdem findet der Rentner das Zeitungsmuseum wichtig, weil es als Kultureinrichtung dabei hilft, sich im Leben zu orientieren: "Wenn man an der Kultur spart, bedeutet das geistige Verödung".


"Haus muss voll funktionsfähig bleiben"

Wadgassen. "Ich habe Verständnis für die Überlegungen von Grewenig", sagt Wadgassens Bürgermeister Harald Braun. Sicherlich würde ein Zeitungsmuseum in Saarbrücken - von Schulklassen abgesehen - mehr Zulauf bekommen. Allerdings sei das Museum eines für ein spezielles Interesse, also nicht etwas, um Massen anzulocken. Und so sieht Braun den Publikumszuspruch im Hofhaus der Alten Abtei bei den Veranstaltungen der Gemeinde doch um einiges höher als im Museum.

Was Wadgassens Bürgermeister wundert, ist die Aussage von Grewenig, dem aktuellen Chef der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, mit einem Verkauf des Hofhauses eine siebenstellige Summe (wir berichteten) erzielen zu können. "Wie das gehen soll, nachdem der Bereich für das Museum derartig verhunzt wurde, ist mir ein Rätsel", sagt Braun. Er spielt damit insbesondere darauf an, dass in Museumsräumen 700 Jahre alte Eichenbalken weiß gestrichen wurden.

Vom Miteigentümer des Hofhauses, der Stiftung, fordert Braun, dass das Haus vollständig funktionsfähig bleiben muss. Und "betriebswirtschaftlich" rechnet er damit, dass die Stiftung im Falle des Standortwechsels "hohe Abschreibungen realisieren" muss. pum

Meinung

Warum immer Saarbrücken?

Von SZ-RedakteurMathias Winters

Klingt so, als wäre das Hofhaus der Alten Prämonstratenser-Abtei die Bruchbude neben dem wackligen Gestell für die Milchkannen: Auf dem Land in Wadgassen kannst du nicht erwarten, dass ein anspruchsvolles Kulturangebot angenommen wird. Nächstes Beispiel unglaublicher Hauptstadt-Arroganz: Nur Saarbrücken ist Stadt, gleich hinter dessen Grenzen tiefste Provinz.

Die Grewenigs dieser Welt sollten doch mal ein paar Meter weiter ins Land fahren, als nur maximal zur Völklinger Hütte. Sie werden da gebildete, interessierte und aufgeschlossene Menschen finden - mindestens ebenso viele wie in der großen Stadt am Fluss.