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Orchesterverein Wadgassen spielt Ode an die Freude

Kostenpflichtiger Inhalt: Trotzige Ode : Trompetensignale an die Solidarität

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile - aber die Summe ist ja auch schon was: Das machte der Orchesterverein Wadgassen am Sonntag, 18 Uhr, mit der „Ode an die Freude“ von Beethoven hörbar.

Sonntag, 18 Uhr, es ist ziemlich still in Wadgassen, Leute und Autos bleiben zu Hause. Wer zusätzlich die Ohren spitzte, hörte Musik: Die Ode an die Freude, das Finalwerk aus Ludwig van Beethovens 9. Symphonie, erkennt jeder, die Europahymne. Der Wadgasser Orchesterverein zollte seinen Tribut an die Corona-Quarantäne. Er darf wie alle anderen Orchester auch derzeit weder proben noch auftreten - aber jeder einzelne Orchestermusiker darf spielen. 30 von ihnen also spielten am frühen Sonntagabend, jeder für sich und doch alle zusammen. Sinnlicher lässt sich wohl nicht vorführen, was fehlt in Coronazeiten. Dass viele Einzelne für sich eben noch keine Gemeinschaft ausmachen. Aber daran erinnern, das können sie sich. „ Sinn der Aktion: Solidarität der Amateur- und Profimusiker in Deutschland, die derzeit nicht als Ensembles zusammenspielen können wegen der Ansteckungsgefahr beim Proben“, erklärt Björn Jakobs, der Dirigent des Orchesters.

Jakobs hatte seine Musikerinnen und Musiker über Whatsapp aufgerufen mitzumachen. Wie viele Musiker in ganz Deutschland. Jakobs: „In Italien machen viele Musiker sich und anderen Mut mit Gesangseinlagen vom Balkon aus. Deutsche Künstler nehmen sich am "Flashmob sonoro" ein Beispiel und setzen ein Zeichen - am Sonntag um 18 Uhr spielten sie von ihren Privatwohnungen aus in einer Art gemeinsamen Konzert Ludwig van Beethovens "Ode an die Freude".

Auf dem Balkon in Wadgassen: Niklas Meyer, Leandro Carl und Petra Jakobs-Zipfel. Foto: privat/Björn Jakobs

Die Noten kamen übers Internet und konnten ausgedruckt werden. Blasmusikerinnen und Blasmusiker aus der ganzen Gemeinde machten mit, einer aus Berus. Von seinem Schiff in Griechenland aus schickte Orchestermitglied Gerald Frey, der sonst in Differten zu Hause ist, ein Video von seinem Solo.

Gerald Frey aus Differten am Sonntagabend als einsamer Trompeter auf seinem Schiff in Griechenland. Foto: Frey

Wiederholen wolle man die Aktion nicht, sagt Jakbos, dessen Familie auf dem heimischen Balkon mitmachte. „Aber wir denken andere Wege, den Zusammenhalt als Verein zu stärken. Zum Beispiel mit Online-Proben.

In Wadgassen spielte Elena Herrmann die Querflöte. Foto: Herrrmann/Herrmann
Markus Willmes mit seiner Tuba in Berus. Foto: Willmes

Jakobs war am Montag damit beschäftigt, die vielen Videos, die Mitglieder des Orchestervereins von ihren erzwungenen Soli am Sonntag um 18 Uhr geschickt haben, für die Facebook-Seite aufzubereiten.