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Mathilden-Apotheke in Wadgassen blickt auf 125 Jahre Geschichte zurück

Kostenpflichtiger Inhalt: Ein Familien-Unternehmen : Die Geschichte einer Traditionsapotheke

Vor 125 Jahren ließ Friedrich Ott die Mathilden-Apotheke in der Gemeinde Wadgassen bauen. Noch heute ist sie in Familienbesitz.

Die Mathilden-Apotheke in Wadgassen ist vor kurzem 125 Jahre alt geworden. Und die Geschichte dieser Apotheke und ihrer Inhaber-Familie ist eng verbunden mit der Geschichte des Gesundheitswesens in der Region und der heutigen Gemeinde Wadgassen.

Friedrich Ott, am 12. September 1857 geboren, gilt als ihr Begründer. Nach seinem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und der abschließenden pharmazeutischen Prüfung im Dezember 1885 lernte er auf seiner beruflichen „Wanderschaft“ quer durch Deutschland bei einer Urlaubsvertretung im Elsass die junge Nichte des dortigen Apothekers Mathilde Körber kennen, die er am 11. Januar 1896 in Straßburg heiratete.

Da seine erfolgreiche Bewerbung um eine Apotheken-Konzession in Schaffhausen, der ersten Landapotheke links der Saar, in Wadgassen für Unmut sorgte, verzichtete Friedrich Ott auf das Grundstück in der Ortsmitte von Schaffhausen und kaufte stattdessen eins unmittelbar neben dem Bürgermeisteramt, um damit zentral für alle drei Gemeinden, Wadgassen, Hostenbach und Schaffhausen, zu liegen. 1895 erfolgten der Start der Bauarbeiten und ein Jahr später fand bereits die Eröffnung statt. Es folgten schwierige Jahre des Aufbaus: Landapotheken hatten es in jener Zeit besonders schwer, zumal es damals mit Aspirin und Pyramidon lediglich zwei Fertigarzneimittel gab. Alle anderen wurden auf Verordnung eines Arztes angefertigt.

Auch botanisch stark interessiert, pflanzte der junge Apotheker in dieser Zeit auch allerlei exotische Bäume und Sträucher, wie Ginkgo, Götter- und Trompetenbaum, aber auch einen rotblühenden Weißdorn, der regelmäßig zum Geburtstag seiner Frau am 15. Mai in voller Blüte stand, rund um die Apotheke. Ihr zu Ehren benannte er seine „Apotheke Friedrich Ott“ zu ihrem Geburtstag 1902 in Mathilde-Apotheke um.

Vier Kinder gingen aus der Ehe hervor: 1896 Sohn Theo, 1899 Tochter Mathilde, 1901 Tochter Felicitas und 1909 Sohn Waldemar. Theo und Waldemar studierten später Medizin, Felicitas Pharmazie. Nach erfolgreichem Studium – damals für eine Frau keine Selbstverständlichkeit – stieg Tochter Felicitas in die elterliche Apotheke ein, um ihren Vater tatkräftig zu unterstützen. Ein großer Vorteil für Friedrich Ott, denn die ständige Dienstbereitschaft ließ kein freies Wochenende zu. Erschwerend kam der permanente Nachtdienst hinzu. Die positive Zusammenarbeit erfuhr im Dezember 1928 jedoch ein jähes Ende, als Apotheker Ott auf dem Weg zu einer Beerdigung eines Kollegen im Bahnhof Völklingen tödlich verunglückte.

Tochter Felicitas machte daraufhin weiter und pachtete kurzerhand die Apotheke von ihrer Mutter. Eine Übernahme war wegen der personenbezogenen Konzession nicht möglich. Dank der tatkräftigen Unterstützung von Diplom-Ingenieur Oskar Hertewich aus Reutlingen, den sie am 20. April 1930 heiratete, und der beim Wasser- und Schifffahrtsamtes Saarbrücken arbeitete, überstand die Apotheke auch diese schwierige Phase. 1931 kam ihr erstes Kind, die Tochter hieß auch Felicitas, 1939 Sohn Theo auf die Welt.

Nach dem Tod der Großmutter stand die Apotheke erneut vor einer ungewissen Zukunft, denn nach den Bestimmungen hatte derjenige Apotheker des Saarlandes Anspruch auf die Konzession, der die meisten Berufsjahre nachweisen konnte. Apotheker Sack aus Luisenthal verzichtet jedoch großzügig und nach erneuter Bewerbung konnte Felicitas Hertewich am 3. Januar 1951 als erste Frau im Saarland ihre Apotheke übernehmen.

Auch Tochter Felicitas und ihr Bruder Theo studierten in der Folge Pharmazie, sie in Freiburg, er in Tübingen. Felicitas heiratet nach ihrem Staatsexamen 1958 den Apotheker Dr. Ludwig Trennheuser, später Leiter der Viktoria-Apotheke in Saarbrücken. Aus dieser Ehe gingen fünf Söhne hervor. Drei von ihnen wurden Mediziner, zwei Apotheker. Felicitas gründete nach Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes zur Niederlassungsfreiheit für Apotheker 1962 dann in Differten die St. Gangolf-Apotheke. Ihr Bruder Theo stieg nach seinem Staatsexamen 1965 und seiner Bundeswehrzeit als Stabsapotheker in die Mathilden-Apotheke ein, die er 1986 schließlich übernahm. Im August 1968 heiratete er Maria Elisabeth Giebel aus Saarlouis. Nach Abitur per Abendgymnasium und pharmazeutische Vorexamen erwarb sie sich die kurzzeitige Vertretungsbefugnis und war seitdem nicht mehr aus der Mathilden-Apotheke wegzudenken. Drei Töchter gingen aus der Ehe hervor. Alle drei studierten Pharmazie.

1970 wurde die 100 Jahre alte Einrichtung in alle Einzelteile zerlegt, gereinigt und wieder aufgestellt. Gleichzeitig erfolgten aufwändige Modernisierungs- und Ausbaumaßnahmen.

Seit dem plötzlichen Tod ihres Vaters 2016 leitet nun Elisabeth Collet die Wadgasser Mathilden-Apotheke. Gerne hätte sie das 125-jährige Jubiläum groß gefeiert, am liebsten, wie im Saarland üblich, mit Wurst, Weck und Bier – in Coronazeiten jedoch unmöglich. Stattdessen gab es für jeden Kunden ein kleines Blumentöpfchen mit einem bunten Frühlingsgruß.