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Ist die Wadgasser Klosteruhr gar keine?

Ist die Wadgasser Klosteruhr gar keine?

Doch keine Heimkehr nach über 200 Jahren? Uhren-Experten äußern Zweifel daran, dass die Standuhr, die kürzlich im Wadgasser Abteigebäude aufgestellt wurde, wirklich aus dem Besitz des Klosters stammen kann. Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Die 2,20 Meter hohe Standuhr steht schlicht, fast unbeholfen gearbeitet da: im Deutschen Zeitungsmuseum in Wadgassen . Im einzigen größeren Gebäude der Abtei Wadgassen , das den Untergang des Klosters 1792, nach der Französischen Revolution, überstanden hat. Die Uhr hat der Verein für kulturelle und geschichtliche Arbeit im Bisttal geerbt. Sie stammt aus dem Nachlass des Wadgasser Priesters und Schriftstellers Johannes Kirschweng. Der hatte sie irgendwann bei einem Händler gekauft und zwar, so der Vorsitzende des Bisttal-Vereins, Patrik Feltes, als ehemaligen Wadgasser Klosterbesitz. Die Uhr müsse spätbarock sein, aus den 1780er Jahren vielleicht. Deswegen stellte Feltes sie im Abteigebäude auf.

Auf einen Bericht in der SZ hin schüttelten mehrere Uhren-Liebhaber den Kopf: Nie und nimmer sei das Gehäuse barock, es stamme aus dem Biedermeier, vielleicht um 1830. Da war die Abtei längst untergegangen. "Eine lokale Schreinerei" habe den Kasten gefertigt, urteilte etwa Helmut Schirra, früherer Auktionator und bis heute Sachverständiger für Antiquitäten.

Bauchiger?

Ein französisches spätbarockes Gehäuse müsste "bauchig" aussehen, fand auch Frank Werle, der sich mit Uhren beschäftigt. Mehr als an französische Gehäuse erinnere ihn das Wadgasser Stück an "Bornholmer Standuhren ".

Schirra denkt, Gehäuse und Uhr passten zeitlich zusammen. Uhrwerk und Kasten "gehören nicht zusammen", findet hingegen Viktor Weber aus Dillingen. Der Uhrensammler kommt aber beim Blick auf das Uhrwerk zum selben Ergebnis wie Schirra: Eine "Comtoise"-Uhr aus Frankreich, etwa 1815 bis 1840.

Dieser Comtoise-Typ könnte vielleicht noch an 1800 ran rücken, also fast an die Klosterzeit. Aber halt das Gehäuse nicht. Die Uhren seien damals ohne Gehäuse verkauft worden, sagt Schirra. Wer kein Gehäuse fertigen ließ, hängte sie einfach so an die Wand. "Es ist aber unwahrscheinlich, dass jemand die Uhr 30 Jahre an die Wand gehängt und erst dann ein Gehäuse gekauft hat."

Dabei laufen diese Uhren 100 Jahre ohne Mucks, bloß die Schnüre für die Gewichte müssen ausgewechselt werden, erklärt Schirra. Der Blick ins Innere einer solchen Uhr zeigt verblüffend wenige Zahnräder. Da kann fast nichts kaputt gehen.

Weber wie Schirra weisen darauf hin, dass die Comtoise der Zeit einen "Repetitionsschlag" haben. Um drei Uhr zum Beispiel schlägt es drei Mal. Um zwei Minuten nach drei wiederholt sich dieser Schlag. Schirra: "Wer beim ersten Mal die Stunden nicht rechtzeitig mitgezählt hat, kann es kurz darauf beim zweiten Mal nachholen."

Zu hoch?

 Einfach und zuverlässig: Werk der Comtoise um 1850.
Einfach und zuverlässig: Werk der Comtoise um 1850.
 Die Wadgasser Uhr: Wohl doch kein alter Abteibesitz?
Die Wadgasser Uhr: Wohl doch kein alter Abteibesitz?

Das sei üblich. Es dürfe nicht, wie in der Zuschreibung des Wadgasser Uhr geschehen, verwechselt werden mit einem zusätzlichen Glockenschlag, der die regelmäßigen Gebetszeiten eines Klosters anzeige.

Feltes, der Bilder der Uhr für eine erste Einschätzung einem Uhrmachermeister vorgelegt hat, sieht die Herkunft des Stücks noch keineswegs als widerlegt an. Comtoise-Uhren habe es schon lange vorher gegeben. Und an der Bezeichnung des Gehäuses als biedermeierlich stört ihn vor allem die Höhe von 2,20 Meter.

Nächste Woche, kündigte er gestern als Folge der Zweifel an, werde der Uhrmachermeister sich das Stück von innen anschauen. Davon erwartet Feltes dann zumindest eine Antwort auf die Frage, ob das Stück vor 1792 gebaut worden sein kann.