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Honigernte im Landkreis verlustreich

Honigernte im Landkreis verlustreich

Saarlouis. Selbst sehr gute Honigernten in Deutschland können den Bedarf nicht decken. Rund ein Kilo Honig verspeist der Durchschnittsdeutsche im Jahr, da muss der Großteil importiert werden. Doch nach dieser Saison könnte es sein, dass sich Honigliebhaber noch mehr ausländischen Honig auf die Stullen schmieren

Saarlouis. Selbst sehr gute Honigernten in Deutschland können den Bedarf nicht decken. Rund ein Kilo Honig verspeist der Durchschnittsdeutsche im Jahr, da muss der Großteil importiert werden. Doch nach dieser Saison könnte es sein, dass sich Honigliebhaber noch mehr ausländischen Honig auf die Stullen schmieren. Zumindest im Landkreis Saarlouis scheint die Honigernte 2012 alles andere als reichlich.Irmgard Forster-Seiwert, Honigfachwartin des Landesverbands der Saar-Imker, hat in Gisingen 24 Bienenvölker. Sie schätzt ihren Honigverlust auf 80 Prozent. "An ein so schlechtes Jahr kann ich mich nicht erinnern", sagt die Hobbyimkerin mit zehn Jahren Erfahrung. Grund ist die Witterung, denn Bienen brauchen tagsüber Trockenheit und Temperaturen zwischen mindestens acht und zwölf Grad Celsius. Sonst fliegen sie nicht. Obstblüte und Frühtracht seien 2012 praktisch ausgefallen, erzählt Forster-Seiwert. Die Kirschbäume hätten geblüht, als es zu kalt für Bienen war. "Der Raps hat rund zur Hälfte weniger geblüht als sonst", sagt die Honigfachwartin. Nach Raps fliegen Bienen normalerweise auf Robinien, für den beliebten Akazienhonig. Aber auch hier, nicht viel zu holen: "Die Robinien sind fast alle erfroren, die Akazienernte war bei uns null." Derzeit müssten Forster-Seiwerts Bienen eigentlich Nektar von Linde, Himbeeren und Kräutern eintragen. "Aber da kommen nur 20 Prozent des Normalen", erklärt sie. In guten Jahren trage sich Hobbyimkerei lediglich, von Gewinn könne man dabei generell kaum sprechen. "Doch dieses Jahr trägt es sich nicht", sagt Forster-Seiwert. Von Edelkastanien könne noch Honig kommen, aber im Prinzip sei die Ernte gelaufen. Für den Landkreis geht sie von einer ähnlich schlechten Ernte aus.

Als "miserabel" schätzt Richard Wagner, erster Vorsitzender des Lebacher Bienenvereins, die Ernte seiner 20 Völker ein. "Die Frühtracht hat 50 Prozent gebracht, die Sommerernte ist ausgefallen", erzählt er. In den 39 Jahren, die Wagner imkert, kann er sich an kein so schlechtes Jahr erinnern. Den Honigertrag seiner Bienen schätzt er auf ein Viertel eines normalen Jahres. Allerdings: "Ich sehe das locker, weil ich noch zentnerweise Vorrat der Vorjahre habe." Der Spitzenhonig 2011 zeichnete sich durch geringen Wassergehalt aus, dieses Jahr, erklärt Wagner, ist der Wasseranteil noch geringer: "Die Qualität des Honigs ist gut, er wird überreif, weil er lange in den Waben lagert."

Wanderimker Heinz Zöllner aus Wadgassen hat 30 Bienenvölker, in normalen Jahren gewinnt er etwa 35 Kilogramm Honig pro Volk. "Dieses Jahr sind es keine fünf Kilo pro Volk", erzählt er und beziffert den Ausfall auf 90 Prozent. Der Kreisvorsitzende der Imker macht seit 1959 Honig. "In den 70ern gab es auch einige schlechte Jahre, aber dass gar nichts kommt, ist selten." Dass der Honig teurer wird, kann sich Zöllner nicht vorstellen, dafür sei der Preisdruck von außen zu stark. 2010 etwa hat Deutschland laut Waren-Verein der Hamburger Börse 77 099 Tonnen Honig importiert, um den Bedarf zu decken. "Es kann sein, dass einheimischer Honig bei Imkern mit Laufkundschaft oder Marktbestückern schon im Dezember oder Januar aus sein wird", sagt Heinz Zöllner, der seine Bienen schon für den Winter einfüttert. Vier Wochen früher als sonst.

Hintergrund

 Bienen brauchen Trockenheit und Temperaturen von über acht Grad Celsius, sonst fliegen sie nicht aus. Foto: Andreas Lander/dpa
Bienen brauchen Trockenheit und Temperaturen von über acht Grad Celsius, sonst fliegen sie nicht aus. Foto: Andreas Lander/dpa
 Pralle Honigwaben bekamen Saarlouiser Imker dieses Jahr wenig zu sehen. Archivfoto: Patrick Pleul/dpa
Pralle Honigwaben bekamen Saarlouiser Imker dieses Jahr wenig zu sehen. Archivfoto: Patrick Pleul/dpa
 Bienen brauchen Trockenheit und Temperaturen von über acht Grad Celsius, sonst fliegen sie nicht aus. Foto: Andreas Lander/dpa
Bienen brauchen Trockenheit und Temperaturen von über acht Grad Celsius, sonst fliegen sie nicht aus. Foto: Andreas Lander/dpa

Die Honigernte 2012 ist unterdurchschnittlich, das Bienenjahr scheint vorbei, so lautet die Bilanz von Annette Schroeder, promovierte Lebensmitteltechnologin in der Landesanstalt für Bienenkunde an der Uni Hohenheim. "Aufgrund der kalten und feuchten Witterung war das ein Verlustjahr für die Imkerei", erklärt Schroeder. Unter solchen Bedingungen können Bienen gar verhungern, haben sie keine Vorräte und keine ergiebige Frühtracht. "Da ist der Imker stärker gefragt, er muss gerade so viel Zuckerlösung oder Futterteig füttern, damit die Bienen nicht verhungern, aber dieses Futter nicht in den Honig geben." Allerdings müssen schlechte Ernte und bienenunfreundliches Wetter keine weiteren negativen Folgen haben: "Die Überwinterung der Bienen muss deswegen kein Problem sein, wenn die Imker die Behandlung gegen die Varroa-Milbe machen und anfangen, gut für den Winter zu füttern." sop