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Geheimnisvolle Standuhr gibt Rätsel auf

Geheimnisvolle Standuhr gibt Rätsel auf

Spekulationen ranken sich um die Herkunft der Standuhr, die seit Kurzem in Besitz der Abtei Wadgassen ist. Erben des vormaligen Besitzers vermachten die Uhr dem Verein für kulturelle und historische Arbeit im Bisttal.

Kaum öffentlich bemerkt ist ein kleines Stück Kloster wieder in die Abtei Wadgassen zurückgekehrt. Wahrscheinlich jedenfalls, ganz sicher ist es noch nicht, ob die 2,20 Meter hohe Standuhr wirklich von den Prämonstratenser-Mönchen angeschafft worden war. Jahrzehnte, bevor die Abtei in der Französischen Revolution 1789 auf ewig unterging.

Die Standuhr kam kürzlich in den Besitz des Vereins für die kulturelle Arbeit im Bisttal, wie dessen Vorsitzender Patrik Feltes berichtet. Feltes kannte ganz gut Ludwin Kirschweng, einen Neffen des Wadgasser Priesters und Schriftstellers Johannes Kirschweng (1900 bis 1951). Der Neffe hatte die Standuhr aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom Dichter geerbt. Der wiederum hatte sie in den 30er, vielleicht auch den 40er Jahren, bei einem Antiquitätenhändler in Bingen gekauft. Als Stück aus dem Kloster Wadgassen , wie er dem Neffen berichtete. Feltes geht davon aus, dass gerade Kirschweng "nicht leichtfertig mit einer solchen Zuschreibung" umgegangen wäre. Er werde konkrete Anhaltspunkte gehabt haben, auch wenn Notizen dazu fehlen. Vielleicht habe ja Michael Stein, umtriebiger und innovativer Abt von 1743 bis 1778, die Uhr für das Kloster gekauft. Aber das ist Spekulation.

Erben des Neffen Ludwin Kirschweng vermachten nach dessen Tod 2014 die Uhr dem Verein für kulturelle und geschichtliche Arbeit im Bisttal. Der stellte es im Erdgeschoss des Deutschen Zeitungsmuseums auf - einem Gebäude, das einst zur Abtei Wadgassen gehörte.

Die Standuhr ist ein wenig stämmig, zwei Halbsäulen sind der einzige Schmuck. Das Zifferblatt und das Pendel zeigen eine Sonne, laut Feltes Zeichen für ein französisches Fabrikat. Ob die Uhr wirklich aus dem Kloster Wadgassen stammt, soll eine genaue Untersuchung erst ergeben. Die Aussicht auf Beweise ist aber gering.

Auf jeden Fall aber stammt die Uhr aus einem geistlichen Haushalt. Denn sie hat zwei Schlagwerke. Eines, sagt Feltes, läute zu jeder Stunde. Das zweite läute zu den Gebetszeiten, die Priester im Pfarrhaus wie im Kloster einhielten: Um 18 Uhr etwa die Vesper, um 12 Uhr die Sext.