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Winterwetter
Gänsedrama auf dem Eis

Eine der Nilgänse auf dem Wadgasser Cristallerie-Weiher ist tot und im Eis eingefroren. Ihre Küken sind verschwunden.
Eine der Nilgänse auf dem Wadgasser Cristallerie-Weiher ist tot und im Eis eingefroren. Ihre Küken sind verschwunden. FOTO: Ruppenthal
Wadgassen. „Väterchen Frost“ fordert die ersten Opfer: Auf dem Cristallerie-Weiher in Wadgassen ist eine Nilgans tot im Eis eingefroren, ihre Küken sind verschwunden. Von Rolf Ruppenthal

Die bittere Kälte fordert die ersten Opfer: Auf dem Cristallerie-Weiher in Wadgassen ist eine Nilgans tot, im Eis eingefroren, ihre Küken sind verschwunden.


Seit Jahren schon brütet ein Nilgans-Pärchen an dem Gewässer hinter dem Wadgasser Outletcenter „myland“. Die Tiere sind beliebt bei Spaziergängern und Fotografen. Mit Sorge registrierten kürzlich Vogelkenner, dass das Gänse-Pärchen bereits jetzt im kältesten Februar seit Jahren fünf junge Küken mit sich führte. Die eher seltenen Temperaturen von unter zehn Grad Celsius minus stellen für die ursprünglich aus Afrika stammenden Vögel, aber auch für die heimische Tierwelt ein Problem dar.

Dann der Schock: Eines der beiden Altvögel lag tot im Eis – eingefroren im Weiher. Der Partner der toten Nilgans flatterte über Stunden völlig verstört von einem am Rande des Weihers geparkten Auto aufs andere, um quasi von höherer Warte nach seinem Gefährten Ausschau zu halten.

Auch von den fünf Küken fehlt seitdem jede Spur. Es muss befürchtet werden, dass sie ebenfalls erfroren oder Opfer von tierischen Räubern geworden sind.

Männchen und Weibchen unterscheiden sich bei den Nilgänsen äußerlich praktisch nicht, sie haben nur ein unterschiedliches Lautrepertoire. Deshalb ist es schwierig zu sagen, ob die Mutter oder der Vater der Gänsefamilie tot ist. Um die Küken kümmern sich in einer Nilgans-Familie beide Eltern, die Kleinen werden im seichten Wasser und auf nahen Grasflächen aufgezogen. Mit etwa neun bis zehn Wochen sind die Junggänse üblicherweise ausgewachsen und flugfähig, sie bleiben aber noch mehrere Wochen bis Monate bei den Eltern. Westeuropäische Nilgänse brüten meist zwischen März bis Mai.



Nilgänse waren bereits den alten Ägyptern, Griechen und Römern als Parkvögel bekannt. Nach Westeuropa gelangten sie im 17. und 18. Jahrhundert, wo sie in Parks, Menagerien und später in Zoos gehalten und gezüchtet wurden. Aus der Gefangenschaft entflohene Tiere bildeten im Laufe der Zeit in Europa regionale Nilgans-Populationen, etwa in den Niederlanden seit Ende der 60er Jahre. 1986 erfolgte der erste Brutnachweis am deutschen Teil des Niederrheins, seitdem breitete sich die Nilgans auch in Deutschland aus. Sie gilt allerdings als aggressive Art gegenüber anderen Entenvögeln.